Danke für die Nominierung!

Erschienen am 11. April 2014 in Abenteuer Leiten

Sebastian Huber

Sebastian Huber

Sebastian „Sebb“ Huber ist Referent der Bundesleitung für die Pfadfinder- & Roverstufe und die Behindertenarbeit. Außerdem betreut er die Jahresaktionen 2012 bis 2014.

 

*gluck gluck gluck rülps ahhhh*
„Als nächstes nominiere ich A, B, und C innerhalb der nächsten 24 Stunden eine halbe Bier auf ex zu trinken! Tut ihr das nicht, bekomme ich von euch eine Kiste Bier!“

Social Beer Game

Anfang des Jahres schwappte dieser Text mit je einem Video von einem Bier trinkenden Menschen quer durch Facebook. Angefangen im Süden der Republik wurde er ein nationales Phänomen. Bald meldete sich auch die Presse zu Wort, warnte vor unabsehbaren Gefahren durch das Exen dieses halben Liters Bier und verbreitete kuriose Meldungen von ersten Todesopfern. Dabei waren diese Todesfälle auf die australischen Varianten des „Bier-Spiels“ oder „Social Beer Game“, die mit Schnaps oder extrem waghalsigen Aktionen verbunden waren. Dennoch ein Trend, der gehörig genervt hat.

Schneeballsystem

Schlimm ist das, was erst auf den zweiten Blick ersichtlich wird. Dieses Schneeballsystem erpresst Menschen, etwas zu tun, was sie sonst in dieser Form, also alleine und öffentlich im Internet, nicht machen würden. Vor allem für junge Leute ist es besonders schwer, dem aufgebauten Druck stand zu halten. Viele machten sich dadurch im Internet vor ihren Freunden und Familien zum Affen. Da immer mehrere Personen gleichzeitig nominiert werden und sie auch noch in den Beiträgen für alle sichtbar verlinkt werden, gehört wirklich einiges dazu, dieses System zu durchbrechen. Nein zu sagen ist ein sicherer Weg, sich dumme Kommentare anhören zu müssen. Mein größter Respekt für all diejenigen, die Nein gesagt haben und standhaft geblieben sind!

Leiterinnen und Leiter als Vorbild

Was an diesem Internetphänomen für mich aber noch viel schlimmer ist, ist die Tatsache, dass bei uns Pfadfinderinnen und Pfadfindern immer noch ein anderer Kontext mit im Spiel ist: die Kinder und Jugendlichen, die uns anvertraut werden. Was wird auf allen Ebenen des Verbandes dafür getan, gut dazustehen und neue Mitglieder zu werben… Und dann stellen sich genau die gleichen Leiterinnen und Leiter, die Vorbilder unserer Kinder und Jugendlichen, die Ansprechpersonen der Eltern, hin und machen ihre Vorbildrolle im Internet mit einer so unsinnigen Aktion in Rekordzeit zunichte. Das ist doch Quatsch mit Soße im Quadrat!

Werden die Eltern ihre Kinder weiterhin mit guten Gewissen in eine Gruppenstunde schicken, von der sie wissen, dass die Leiterinnen und Leiter so kurzsichtig sind, die Öffentlicheit des Webs zu übersehen? Welches Bild soll den mit solchen Aktionen vermittelt werden? Kann man denen seine Kinder unbesorgt anvertrauen?

Alternativen entwickeln sich

Da war es dann schon fast erfrischend zu sehen, dass das Bier-Spiel ziemlich schnell wieder abgeflaut ist und eine Vielzahl an Varianten auftauchte. Da wurden Fotos mit Katzen oder Pferden, Videos, in denen Leute Tee oder Milch auf ex trinken, caritative Aufrufe oder auch Halstuch-Nominierungen gepostet. Wenn man bedenkt, wie das ganze losging, ist das sogar noch eine ganz erfreuliche Entwicklung. Wobei dabei immer noch Menschen in Bedrängnis gebracht werden, etwas zu tun, was sie sonst nicht täten.

„Als Pfadfinderin / Als Pfadfinder entwickle ich eine eigene Meinung und stehe für diese ein.“ Vielleicht sollten wir uns alle diesen Satz aus unserem Pfadfindergesetz öfters mal ins Gedächtnis rufen.

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One Response

  1. Simeon

    Simeon

    13. April 2014: Sehr wichtiger Hinweis, dass gerade Eltern auf so etwas gucken. Hinzu kommt noch, dass Leute, die nominiert worden sind, sich ja auch oft darüber freuen, dass jemand an sie gedacht hat und sie gerade deshalb den anderen nicht enttäuschen wollen.