Freiwilligendienst in Argentinien

Erschienen am 9. Juli 2014 in Abenteuer Pfadfinden

Hanna Strecke

Hanna Strecke

Hanna Strecke ist als Referentin der Bundesleitung zuständig für die Freiwilligendienste in der DPSG. Stellen gibt es in Argentinien, Paraguay, Bolivien und Südafrika.

 

Ende Juni ging es für Hanna Strecke, Referentin für Freiwilligendienste beim Bundesverband der DPSG, vom deutschen Sommer in den südamerikanischen Winter. In Zusammenarbeit mit Adveniat hat die DPSG ihren Freiwilligendienst ausgebaut. Gemeinsam mit den Kollegen von Adveniat besucht Hanna nun die zukünftigen Einsatzstellen der deutschen Pfadfinderinnen und Pfadfinder. Im Blog berichtet sie über die Reise.

Die argentinische Hauptstadt Buenos Aires empfängt uns mit dichtem Nebel und schneidender Kälte. Den Bus können wir leider nicht bezahlen, da wir noch kein Kleingeld dabei haben. Doch wir dürfen umsonst mitfahren. Auch der darauffolgende Zug ist kostenlos. Da Argentinien gerade Fußball spielt, herrscht Ausnahmezustand: Die Ticketschalter sind geschlossen und man informiert uns, dass heute alle kostenlos fahren dürfen. Als wir am Bahnhof in das Taxi steigen, das uns zu dem ersten Projekt fahren wird, ist die erste Frage „Und wer wird die Weltmeisterschaft gewinnen?“ Das Thema Fußball-WM wird unsere ganze Reise über ein wichtiges Gesprächsthema und Brückenbauer sein. Man mag das deutsche Team, hat Respekt vor ihm, ist sich aber auch einig, dass Argentinien Deutschland schlagen wird, wenn es zum Duell kommt.

Einsatzstelle La Casita

Das erste Projekt „La Casita“ empfängt uns sogleich mit Fußball spielenden Jungen. Padre Elvio, der Leiter des Straßenkinder-Heims, das circa 50 Jungen im Alter von 7 bis 22 Jahren beherbergt, ist ein sehr herzlicher Mann. Während er uns herumführt, schleichen vor allem die Kleinsten immer wieder an uns heran, um den Priester zu drücken, ihre Hand in seine zu legen oder einfach neben ihm zu stehen. Er hat für alle, die er uns vorstellt, anerkennende Worte. Das Heim teilt sich in zwei Bereiche. Die beiden Haupthäuser sind für die älteren Jungen. Die Jungen von sieben bis elf Jahren wohnen mit einem Ehepaar auf einer etwas abseits gelegenen Farm. Als Padre Elvio mit und uns in seinem Jeep vom Gelände rollt, rennen die Jungen hinter dem Auto her, um das Gatter zu schließen und winken uns noch lange nach. Wir sind schon gespannt, wie unserem Freiwilligen Paul ein Jahr in „La Casita“ gefallen wird.

 Einsatzstelle Merlo

Die zweite Einsatzstelle liegt in einem Vorort von Buenos Aires namens Merlo. In der Pfarrei „San José“ herrscht ein Treiben wie im Bienenstock. Kleine Kinder laufen uns entgegen. Sie stammen aus dem Kinderhort „El hogar“, der hier für bedürftige Familien geschaffen wurde. Ungefähr 100 Kinder sind hier im Kinderhort oder in der Nachmittagsbetreuung untergebracht. Im Innenhof werden Tische und Stühle aufgebaut und der Geruch aus der Küche zieht zu uns herüber. Die Leiterin Inés Sandoval erklärt uns, dass bald die bedürftigen Familien eintreffen, um Essen aus dem „Comedor“ zu beziehen. Außerdem sei heute Nachmittag auch noch der Kleiderverkauf der Caritas, was nochmal mehr Familien anlockt. „Dies ist ein sehr armes Viertel“, erklärt uns Padre Pablo, „in dem die Kirche hilft, wo sie kann.“ Eine Frau vom Theater gesellt sich zu uns und stellt uns ihr neuestes Stück vor, das sie mit den Kindern für den „Dia de la Independencia“ (Tag der Unabhängigkeit) einüben wird. Als wir die Pfarrei verlassen, kommen uns viele Schulkinder entgegen, welche hier zur Nachmittagsbetreuung gehen. Die vielen unterschiedlichen Gruppen der Pfarrei freuen sich schon auf die deutsche Pfadfinderin Ronja, welche für ein Jahr in diesem Projekt mitarbeiten wird.

Treffen mit argentinischem Pfadfinderverband

Ein überraschendes Highlight unseres Besuches war das Zusammentreffen mit den „Scouts de Argentina“. Spontan erhalten wir eine Einladung zur feierlichen Eröffnung des argentinischen Pfadfindermuseums. Wir schütteln viele Hände, tauschen Visitenkarten und schließen so neuen Kontakte. Vor allem die Jungpfadfinderinnen und Jungpfadfinder sind aufgrund der aktuellen Fußballereignisse (Deutschlands Sieg gegen Frankreich) besonders interessiert am deutschen Besuch. Mit dem Fußballwissen der argentinischen Jungpfadfinderinnen und Jungpfadfinder über die deutschen Spieler können wir leider nicht mithalten. Für einen wunderschönen, lustigen und lehrreichen argentinischen Pfadfinderabend bedanken wir uns vor allem bei Fernando Bianco, der uns so spontan eingeladen hat. In fester Hoffnung darauf, dass durch das Freiwilligenprogramm die Freundschaft zwischen den argentinischen und deutschen Pfadfindern intensiviert wird, nehmen wir Abschied von Argentinien und fliegen nun weiter nach Paraguay.

Im nächsten Teil berichtet euch Hanna aus Paraguay.

 

 

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