Freiwilligendienst in Paraguay

Erschienen am 15. Juli 2014 in freiwillig & weltwaerts

Hanna Strecke

Hanna Strecke

Hanna Strecke ist als Referentin der Bundesleitung zuständig für die Freiwilligendienste in der DPSG. Stellen gibt es in Argentinien, Paraguay, Bolivien und Südafrika.

 

Tropisch feuchtes Klima und zwei winkende Nonnen empfangen uns in Asunción, der Hauptstadt Paraguays. Die Steyler Schwestern kümmern sich um uns in den nächsten vier Tagen in ihrem Zentrum in Paraguay. Die Stadt leidet im Winter immer wieder unter Überschwemmungen. In diesem Jahr ist es besonders hart, da die Regenfälle schon sehr lange anhalten. Wir müssen mit dem Auto Umwege fahren, um die Überschwemmungen zu umgehen, doch viele Leute hatten keine andere Möglichkeit, als ihre Häuser zu verlassen und in provisorischen Unterkünften zu leben.

Einsatzstelle „Sonidos de la tierra“

Beim Eintritt in die Geschäftsstelle schallen uns Harfentöne entgegen. Dies passt nur all zu gut zu dem Projektnamen „Sonidos de la tierra“, was „Klänge der Erde“ bedeutet. Das Projekt hat sich innerhalb von 12 Jahren rasant im ganzen Land ausgebreitet. 178 Dörfer mit ca. 14000 Kindern und Jugendlichen sind mittlerweile Teil des Musikprogramms. Gemeinsam mit „Sonidos de la tierra“ können sich Gemeinden bewusst für eine musikalische Ausbildung ihrer Kinder entscheiden.
Ehrenamtliche geben anfangs kostenlos Musikunterricht auf den Dörfern. Dann bekommt die Gemeinde ein kleines Startguthaben, um ihr Musikprojekt selbst zu verwalten. Dafür werden Personen aus der Gemeinde von „Sonidos de la tierra“ ausgebildet. Andrea Burt erzählt uns, dass vielen Kindern und Jugendlichen in armen Regionen durch die Musik eine neue Perspektive gegeben werden konnte. Das Herstellen von Musikinstrumenten aus Recycling-Material hat zu den bekannten H₂O- Orchestern geführt, welche sich mit ihrer Musik aktiv für die Umwelt einsetzen. Die DPSGlerin Rebecca wird ab August in einem Dorf Musikunterricht geben und dazu beitragen, dass noch mehr Klänge durch Paraguay schallen.

Einsatzstelle „Pastoral Social“

Die Projektstelle teilt sich in unterschiedliche Arbeitsstellen in der Pastoral Social der Erzdiözese Asunción. Je nach individuellem Interesse und Können, kann die DPSGlerin Yvonne hier ab August in drei unterschiedlichen Projekten mitarbeiten. Es gibt die Möglichkeit, im Gemeindezentrum Chacaritas mitzuarbeiten, mit der Pastoral Social in den Außenvierteln der Stadt Familien zu besuchen oder die Aufklärungsarbeit in dem Umweltprojekt „A todo pulmón“ (Aus voller Lunge) zu unterstützen.
Mit Monseñor Echaguüe fahren wir in die Außenviertel der Stadt. Es fehlt an Infrastruktur und die Überschwemmungen haben die Wege für Autos unbefahrbar gemacht. Viele Häuser sind ohne Anbindung an Strom und fließend Wasser. Wir laufen mit Padre Echaguüe durch das besetzte Viertel. Die Kinder haben uns als erstes entdeckt, laufen uns entgegen und rufen „Pa’i“, was auf Guaraní „Priester“ heißt. Im Schatten von drei großen Bäumen findet einmal in der Woche die Katechismus-Unterricht statt. Wir besuchen eine Frau mit zwei behinderten Kindern. Sie erzählt uns, dass die Kirche die einzige Institution ist, welche sich in diese Viertel traut und Hilfe anbietet.

Ricardo Gonzales, Leiter der Pastoral Social (Soziale Pastoralarbeit) begleitet uns in das Stadtviertel „Chacarita“. Der Stadtteil Chacaritas ist ein sehr armes Viertel mit hoher Kriminalitätsrate. Das Gemeindezentrum, welches die Pastoral Social hier unterhält, hat seinen Sitz mitten im sozialen Brennpunkt. Hier haben Leute aus den überschwemmten Gebieten Schutz gefunden. Es findet ein Kurs für NGO´s statt, in dem Leute für die weitere Organisation der überschwemmten Gebiete geschult werden. Man leistet Erste Hilfe und arbeitet gleichzeitig an nachhaltigen Ansätzen. Im Gemeindezentrum gibt es einen kostenlosen Kinderhort, eine Nachmittagsbetreuung und Schulungen und Weiterbildungen für Erwachsene.

Treffen mit den paraguayischen Pfadfindern

Daniel Cristaldo erwartet uns an einer Straßenecke. Die Halstücher als unverkennbares Pfadfinderzeichen führen uns zusammen. Bei Kaffee und Kuchen erfahren wir mehr über die paraguayische Pfadfinderarbeit. Daniel erzählt, dass es viele unabhängige Pfadfindergruppen gibt, die nach ihren eigenen Regeln leben. Man befindet sich zurzeit im Prozess, die Scouts de Paraguay stärker zu vereinen durch gemeinsame Aktionen für die Umwelt und die Gemeinden. Auf der Internetseite kann man Clips für ihre Aktionen ansehen. Er freut sich auf die beiden deutschen Pfadfinderinnen und hat schon viele Ideen, zu welchen Gruppen sie gehen könnten und wie man sie einbinden könnte.

Mit dem guten Gefühl, dass die zwei deutschen DPSGlerinnen ab August hier von vielen sehr herzlichen Personen begleitet werden, heben wir morgens früh um vier Uhr mit einer kleinen Maschine Richtung Bolivien ab.

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