Pfadfinden im Vorschulalter

Erschienen am 27. November 2014 in Abenteuer Pfadfinden

Vera Sadowski

Vera Sadowski

Vera Sadowski ist hauptberufliche Referentin der Bundesleitung. Sie ist Ansprechperson für die Kinderstufen sowie für die Themen Prävention und Ausbildung.

 

Das pfadfinderische Leben der DPSG findet in vier Altersstufen statt und beginnt im Alter von sieben Jahren in der Wölflingsstufe. Zumindest können wir das so in unserer Ordnung nachlesen. Es kommen jedoch immer wieder Diskussionen auf, ob wir Pfadfinden nicht schon jüngeren Kindern möglich machen sollten.

Pfadfinden unter sieben Jahren

Ein Blick aufs Ausland zeigt, dass Pfadfinden unter sieben Jahren durchaus möglich ist. Bei nicht wenigen Pfadfinderverbänden startet das Pfadfinderleben schon mit fünf oder sechs Jahren. Und auch bei uns nehmen einige Stämme bereits jetzt fünf- oder sechsjährige Jungen und Mädchen auf. Dabei ist die Ausgestaltung vielfältig: Von einer eigenen Biber- oder Wichtelstufe bis zur Herabsetzung des Einstiegsalters
der Wölflingsstufe.

Auseinandersetzung auf Fachtag

Die Frage, ob die DPSG auch Kindern unter sieben Jahren Pfadfinden ermöglichen soll, wurde das erste Mal konkret im Prozess „DPSG im Wandel“ aufgeworfen. Der Bundesarbeitskreis Wölflingsstufe nahm sich diesem Thema an und führte Ende 2012 einen Fachtag dazu durch. Der Fachtag – zu dem sowohl Interessierte aus dem Verband als auch ein Entwicklungspsychologe und eine Professorin für Soziale Arbeit eingeladen waren – führte zu dem Ergebnis, dass Pfadfinden unter sieben Jahren sehr wohl möglich ist. Uneinig war man sich allerdings über die Umsetzung.

Offene Fragen

Braucht es eine eigene Stufe? Und falls ja, wann beginnt diese? Mit vier, fünf oder sechs Jahren? Und wenn das Einstiegsalter ohnehin gerade diskutiert wird: Ist es überhaupt noch sinnvoll, das Alter für Wölflinge auf sieben bis zehn Jahre festzulegen? Ist nicht vielleicht sogar eine Stufe mit Fünf- bis Achtjährigen besser und der Stufenzuschnitt der Wölflingsstufe wird dann entsprechend angepasst?

Probleme in den Blick nehmen Bevor eine Entscheidung für oder gegen Pfadfinden unter sieben Jahren getroffen werden kann, müssen wir uns auch damit auseinandersetzen, ob unser Verband diese Änderung überhaupt umsetzen könnte. Mit fünf und sechs Jahren können Kinder in der Regel noch nicht lesen und schreiben, Aspekte wie Körper- pflege spielen plötzlich eine größere Rolle. Dies ist verbunden mit der Frage, ob ehrenamtliche Leiterinnen und Leiter ohne Erfahrung das von ihnen Erwartete überhaupt leisten können. Und – ganz pragmatisch – mehr Kinder bedeuten auch, dass mehr Leiterinnen und Leiter notwendig werden. Und das, obwohl die meisten Stämme sowieso schon von Leitermangel betroffen sind.

Lebenswirklichkeit von Kindern

Wenn wir uns ernsthaft mit diesem Thema auseinandersetzen wollen, müssen wir gezielt auf die Lebenswirklichkeiten von Kindern schauen. Nur wenn wir wirklich wissen, was Kinder im Alter von fünf, sieben und auch zehn Jahren ausmacht, wofür sie sich interessieren, was sie können, brauchen und wollen, können wir eine Entscheidung treffen. Dabei ist wichtig, nicht nur darauf zu achten, was Fünf- und Sechsjährige von Kindern im Wölflingsalter unterscheidet und darauf, was sie noch nicht können, sondern auch darauf, was sie besonders gut können.

Weiterentwicklung des Verbandes

Nach dem Fachtag war klar, dass eine Entscheidung für Pfadfinden unter sieben Jahren Auswirkungen auf die gesamte Altersstruktur unseres Verbandes haben kann. Im Rahmen des Verbandsentwicklungsprozesses, der auf der Bundesversammlung beschlossen wurde, befasst sich die Bundesleitung auch damit, ob unsere Stufenzuschnitte und die jeweils dazugehörige Stufenpädagogik noch die aktuellen Lebenswirklichkeiten von Kindern und Jugendlichen abbilden. Und genau an dieser Stelle ist auch die Frage verortet, ob die DPSG in Zukunft Kindern unter sieben Jahren Pfadfinden ermöglicht.

Wie ist eure Meinung zum Thema? Diskutiert unter diesem Beitrag einfach mit.

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3 Responses

  1. Simeon Harjung

    Simeon Harjung

    6. Dezember 2014: Ich finde es wichtig die DPSG vom Alter her nach unten weiter zu öffnen. Die Kinder werden auch von anderen Verbänden / Organisationen immer früher gebunden und damit die Nachwuchsarbeit schwieriger. Auch die Veränderung der Lebenswirklichkeit, dass das Abitur in den meisten Teilen Deutschlands nun schon nach acht Jahren gemacht werden kann. Damit entsteht ein Bruch direkt nach der Roverstufe und so wird oft der Schritt zum Leiter nicht mehr gemacht. Deswegen sollte klug überlegt werden wie ein neuer Stufenzuschnitt vom Alter her aussehen könnte. Alles um ein Jahr nach vorne zu verschieben ist aber vielleicht auch nicht die beste Lösung.

     
  2. Miri

    31. März 2015: Ich fände eine herrabsetztung des Einstiegalters erst mal eine Gute Idee. Man kann schon früh viele Dinge miterleben und noch mehr gute Erfahrungen sammeln. Andrerseits ist einem 5-jährigen bestimmt noch nicht klar was der Hintergrund beim Pfadfinden ist, er hält die Gruppenstunde nur für eine Spielestunde.

     
  3. Annika

    15. Juni 2015: Ich selber befasse mich derzeit intensiv mit dem Thema Biber-Stufe, da wir in unserem Stamm überlegen, ob dies eine sinnvolle Alternative wäre. Derzeit ist der Andrang bei den Wölflingen sehr groß und es ist auch keine "Besserung" in Sicht. Daher steht die Frage im Raum, ob wir nicht eine Biber-Stufe einführen sollten. Diese würde von 4 oder 5 bis 7 Jahren gehen. Erfahrene Eltern als Leiterinnen und Leiter würden uns dabei unterstützen, denn auch viele der jüngeren Geschwisterkinder können es im Vorschulalter kaum noch abwarten endlich zu den Pfadfindern zu dürfen. Die Zustimmung in unseren Stamm eine jüngere Gruppe zu machen ist groß, nur stellt sich hier die Frage wie das ganze rechtlich und in Sachen Versicherung etc. funktioniert. Dies ist bei uns die größte Hemmschwelle so eine Gruppe zu starten. Alles um ein Jahr nach vorne zu verschieben erscheint mir keine gute Option, da die Kinder sich jetzt schon in ihren Entwicklungen sehr unterscheiden und Vorschulkinder und "erfahrene" Grundschüler doch sehr unterschiedlich sind. Dies wäre nur eine weitere Herausforderung für die Wölflingsleiter.