Rituale

Erschienen am 5. Dezember 2014 in Abenteuer Pfadfinden

Kerstin Fuchs

Kerstin Fuchs

Kerstin Fuchs ist seit Oktober 2009 Bundesvorsitzende und gelernte Buchhändlerin und Sozialpädagogin. Sie nutzt soziale Medien vor allem dafür, ihre Arbeit als Bundesvorsitzende transparenter zu machen und mit vielen Menschen in Kontakt zu bleiben.

 

Rituale gibt es in allen Stämmen unseres Verbandes. Der Stufenwechsel, das Ablegen des Versprechens mit Überreichung des Halstuches oder der Abschied am Ende der Gruppenstunde im Kreis mit einem lauten „Gut Pfad“. Jeder Stamm und jede Gruppe hat eigene Rituale, die uns Orientierung und Sicherheit geben. Sie fördern den Zusammenhalt von Gruppen.

Allerdings besteht bei Ritualen eine besondere Gefahr, dass Grenzen überschritten werden, ohne dass es sofort auffällt. Wenn Rituale eine lange Tradition haben, wie etwa das hier beschriebene Pflocken – also das Festbinden mit Seilen und Häringen auf dem Boden im Sommerlager – fällt es Beteiligten meist schwer, darin Gewalt zu erkennen. Was oftmals als Spaß gemeint ist, kann in Wahrheit grenzverletzend und unangemessen sein.

Auch wenn bei Ritualen alle zunächst bereitwillig mitmachen, werden beim Pflocken Grenzen der Freiheitsberaubung oder Körperverletzung überschritten.  Von Selbstbestimmung kann in dem Moment, in dem eine Gruppendynamik entsteht, keine Rede mehr sein.

Hier gilt es, solche Rituale zu hinterfragen und sie als das zu erkennen, was sie sind. Dabei ist ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und Respekt seitens aller Beteiligten gefordert. Damit Rituale das bleiben, was sie sind:  gemeinschaftsfördernde und liebgewonnene Traditionen, in denen unsere Werte und Haltung zum Ausdruck kommen.

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3 Responses

  1. Kerstin Fuchs

    Kerstin Fuchs

    5. Dezember 2014: Ich bin sehr froh, dass das Thema in der DPSG-Gruppe aufgegriffen wurde und dort auch deutlich wird: dieses Phänomen betrifft bei weitem nicht die Mehrheit unserer Stämme, und es wird von vielen aus den genannten Gründen deutlich abgelehnt.

     
  2. Michael Siekmann

    5. Dezember 2014: Ich möchte das ganz bewusst noch mal deutlich zuspitzen: "Pflocken" ist kein Ritual. Eine Morgenrunde, ein Versprechen, ein Stufenwechsel, das sind Rituale. So etwas wie Pflocken ist Körperverletzung, evtl. auch gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung und in jedem Fall und unter allen Umständen vollkommen inakzeptabel, weil verboten und strafbar. Da verbietet sich wirklich jede Form der Relativierung. Und abgesehen von der juristischen Dimension sollte man doch dazu auch eine pfadfinderische Meinung habe. Und die lautet für mich, dass Jeder und Jede, die in verbandlichen Zusammenhängen sich an solchen (oder ähnlichen?!) Vorgängen beteiligt oder sie durch nicht handeln ermöglicht in keinem Fall als Leiter und Leiterin aktiv sein dürfen. Also: Ausschluss und Strafanzeige.

     
  3. Michael Siekmann

    5. Dezember 2014: Nachtrag: wenn nur ein einzelner Stamm das toleriert oder betreibt, dann gehört der sofort dicht gemacht.