Je suis Charlie – oder doch lieber nicht?

Erschienen am 22. Januar 2015 in Werte & Gesellschaft

Sebastian Sehr

Sebastian Sehr

Sebastian Sehr ist Referent der Deutsch-Französischen Steuerungsgruppe und Fotograf für das Medienteam der DPSG.

 

Die brutalen Attentate in Frankreich rund um Charlie Hebdo haben auch bei mir tiefe Spuren hinterlassen. Heute ist der 51. Jahrestag des Elysée­Vertrages, der seit 2003 als Deutsch-Französischer Tag gefeiert wird. Eigentlich wollte ich heute etwas über unsere deutsch­‐französische Arbeit schreiben. Aber nein, das kommt ein anderes Mal.

Viele Diskussionen durfte ich in den letzten Tagen und Wochen führen und auch in sozialen Netzwerken lesen. Mehrmals wurde dort geschrieben, dass Pfadfinderinnen und Pfadfinder doch nicht politisch sein sollen. Dürfen wir uns auf Demonstrationen in Kluft oder mit Banner zeigen? Solche Aussagen und Fragen haben lange an mir genagt. Bei den Anschlägen in Frankreich oder auch bei den Demonstrationen von PEGIDA geht es doch nicht um Parteipolitik. Es geht um unsere Gesellschaft, um Meinungsfreiheit und um Toleranz gegenüber Menschen, die bei uns Zuflucht und Sicherheit suchen.

Politisches Lernen und Handeln ist Bestandteil der Ordnung unseres Verbandes, aber viel wichtiger ist das Bilden einer eigenen Meinung. Jede Pfadfinderin und jeder Pfadfinder sollte für seine Meinung einstehen und aktiv werden. Jede und jeder, wie er es für richtig hält. Ob auf einer Anti‐Pegida-Kundgebung (in Kluft oder ohne), mit dem Unterzeichnen der DPSG-Petition oder durch Engagement in der Jahresaktion 2015. Auch die sozialen Medien bieten hier eine gute Möglichkeit zu diskutieren und sich auszutauschen.

Wir sind ein bunter Verband und das ist gut so. Meinungsfreiheit mag selbstverständlich erscheinen, aber die Ereignisse der letzten Wochen haben meine Meinung hier zumindest deutlich verändert und mich sensibler bei diesem Thema werden lassen.

Unsere französischen Freundinnen und Freunde sind durch die Attentate zusammengerückt. Und das losgelöst von Verband, Religion oder Herkunft. Sie stehen in vielen Städten gemeinsam mahnend gegen Hass und Intoleranz. Vorständen und Leiterinnen und Leitern gibt unser Partnerverband Methoden an die Hand, um mit Stämmen und Gruppen über die Ereignisse und die Konsequenzen zu sprechen. So kann jede und jeder – altersgerecht – das Thema hinterfragen und diskutieren.

Darum bin ich Charlie und bleibe aktiv. Es kann nicht sein, dass Pegida­‐Demonstranten diesen Spruch gegen eine offene Gesellschaft instrumentalisieren. Wir stehen als Bundesverband an der Seite unserer französischen Freundinnen und Freunde – für Meinungsfreiheit und Toleranz und gegen Ignoranz und Extremismus.

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One Response

  1. Simeon Harjung

    Simeon Harjung

    22. Januar 2015: Ich bin absolut deiner Meinung! Ich bin auch der Meinung ein Pfadfinder sollte auch politisch sein, wie sehr der Verband das vorgeben sollte steht auf einem anderen Blatt, da der Verband sehr bunt und vielfältig ist. Als Pfadfinder bilde ich mir eine Meinung und trete für diese ein. Wenn dies in Gefahr ist, dann sollten wir uns erst recht wehren.