No-Pegida – Für Weltoffenheit und Toleranz

Erschienen am 26. Januar 2015 in Werte & Gesellschaft

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Mit der Jahresaktion Gast>>Freundschaft 2015 setzen wir Pfadfinderinnen und Pfadfinder für eine weltoffene Gesellschaft ein, in der Rassismus aller Art keinen Platz hat. Weiterhin wollen wir uns stark machen für Menschen, die unsere Hilfe dringend brauchen. Menschen, die auf der Flucht sind, weil sie in ihrem Herkunftsland kein menschenwürdiges Leben führen können, weil sie dort zum Beispiel aus politischen Gründen oder wegen ihres Glaubens verfolgt werden. In diesem Zusammenhang mit der Petition gegen Pegida und gegen Rassismus haben wir auch Pfadfinderinnen und Pfadfinder dazu ermutigt, klar für die Rechte von Flüchtlingen in Deutschland einzustehen und diese Position auch bei Demonstrationen auf der Straße zu vertreten. Nachfolgend schildert Marc Michalsky, wie er seine Teilnahme an einer Demonstration in Köln erlebt hat:

Pfadfinder auf der Demo

„Entschuldigen sie, was ist das für eine Fahne, die sie da halten?“ fragt uns eine Dame mit leicht skeptischem Unterton, aus der Masse der Gegendemonstranten. Ich erkläre ihr, dass es sich um das Banner der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg handle, woraufhin sie ihre anfängliche Skepsis schlagartig abwirft und uns freundlich ihre Sympathie für unser Engagement bekundet. Diese Szene sollte sich an dem Abend noch etliche Male auf ähnliche Weise wiederholen. 12.000 Menschen sind laut den Veranstaltern an diesem Abend zur Demonstration gegen den Protestmarsch der „Kölner Gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Kögida) gekommen, die Polizei spricht allerdings nur von 7.500 NoKögida-Demonstranten. Wir waren mit einer kleinen Gruppe aus vier Leitern zu der Gegendemo aufgebrochen. Dass wir unser Banner mitnehmen, damit wir als Pfadfinder erkennbar sind, stand spätestens fest, seit wir eine Woche zuvor das Bild des Banners auf der Münchner Demo „Platz da! – Flüchtlinge sind willkommen!“ (siehe Bild oben links) in der DPSG-Facebookgruppe gesehen hatten. In Köln rief zudem ein breites Bündnis aus Parteien, Verbänden und Kirchen zur Gegendemonstration auf. Bundesweite Schlagzeilen machte schon im Vorhinein die Ankündigung des Kölner Domprobsts, er werde am Montagabend die Beleuchtung des Doms abschalten, um auf diese Weise der, seiner Meinung nach, im Kern rassistisch-nationalistischen Kögida-Bewegung, die wunderschöne Kulisse zu nehmen.

Licht aus für Toleranz

Es ist tatsächlich erstaunlich dunkel geworden, denn nach dem Vorbild des Kölner Doms, wurde an vielen weiteren Wahrzeichen und Hochhäusern das Licht ausgeschaltet. Diese aussagekräftige Dunkelheit und die tausenden Menschen, die hier für ein weltoffenes und tolerantes Deutschland einstehen, sorgen zusammen für eine angenehme Atmosphäre der Solidarität. Die Kögida-Demonstranten versammeln sich auf dem Vorplatz des Deutzer Bahnhofs, wir Gegendemonstranten stehen – zumindest räumlich – nicht weit von ihnen entfernt, nur getrennt durch eine lange Kette von Polizei-Mannschaftswagen. Auf dieser Seite der Absperrung bekommen wir von der Veranstaltung, gegen die wir hier protestieren, trotzdem nicht viel mit. Weit und breit bestimmen Massen von Gegendemonstranten das Bild. Das einzige Indiz für die Anwesenheit der Kögida, sind die schwach zu vernehmenden „Wir sind das Volk!“ Rufe. Die Polizei wird später angeben, dass es sich lediglich um 500 Kögida-Anhänger handelte.

Austausch über Hintergründe

Wir hoffen, dass wir hier noch mehr Pfadfinder antreffen. Tatsächlich findet sich bald ein Rovertrupp aus Brühl bei uns ein, der extra für die Demo angereist ist. Genau wie ich, tragen sie nur ihre Halstücher, ohne die Kluft, für die es heute Abend ohnehin viel zu kühl wäre und bei der sich einige von uns nicht sicher sind, inwieweit diese gegen das Uniformverbot auf Demonstrationen verstieße. Die Stimmung auf der Gegendemo ist äußerst friedlich und positiv. Angeregt unterhalten wir uns miteinander über die Hintergründe der beiden Versammlungen und beantworten immer wieder die Frage der anderen Demonstranten, nach unserem Banner.

NoPegida gegen Kögida

Da wir aufgrund der Menschenmassen kaum mitbekommen, was auf der Bühne vorgeht, entschließt sich meine Gruppe dazu, einem Aufruf zu folgen und uns auf die Gegendemonstrationen am Kölner Dom zu verlagern. Dort wollen wir den Kögida-Marsch an seinem Ziel in Empfang nehmen. Wir waren gerade ein paar Meter weit gekommen, als wir via Newsticker erfahren, dass der Marsch der Kögida wegen der hohen Anzahl von Gegendemonstranten abgesagt worden sei. Wir und alle um uns herum brechen in Jubel aus. An dem Zug der Gegendemonstranten durch die Stadt, auf der ursprünglich für die Kögida gedachten Route, beteiligen wir uns jedoch nicht mehr. Trotzdem riskieren wir zum Schluss noch einen Blick von der Deutzer Brücke, auf das ungewohnt dunkle Panorama der kölner Skyline, bevor wir gemeinsam nach Hause fahren.

Marc Michalsky
DPSG Stamm St. Adelheid, Köln

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