Ich habe mich zur Wahl gestellt – Teil 5

Erschienen am 19. Februar 2015 in Am Lagerfeuer mit...

Wahlausschuss

Der Wahlausschuss suchte für die Bundesversammlung 2015 Kandidatinnen und Kandidaten für die Ämter des Bundesvorstandes. Für den Blog hat er die Kandidatinnen und Kandidaten interviewt.

 

Der Wahlausschuss im Gespräch mit Simon Rapp, BDKJ-Bundespräses.

Wo bist du Vorstand/Kurat und seit wann?
Ich bin seit 2009 BDKJ-Bundespräses.

Warst du vorher schon im BDKJ oder einem Mitgliedsverband aktiv?
Ich bin in einer KjG-Pfarrgruppe in St. Hedwig, Kempten (Allgäu) „groß“ geworden, war dort Gruppenmitglied und später Gruppenleiter bis 1990. Nach meiner Priesterweihe war ich im KjG-Diözesanverband Augsburg von 2000-2003 Geistlicher Leiter im Diözesanausschuss und von 2003-2004 in der Diözesanleitung. Von 2004-2009 war ich BDKJ-Diözesanpräses im Bistum Augsburg.

Wieviele Mitvorstände hast du bzw. gibt es einen Kuraten oder eine Kuratin in deinem Vorstand?
Nach der BDKJ-Bundesordnung sind wir zu viert im BDKJ-Bundesvorstand: zwei Frauen und zwei Männer, von denen einer Priester ist. Derzeit sind drei Stellen besetzt.

Bist du gefragt worden, ob du dieses Amt übernehmen möchtest oder hast du selbst die Initiative ergriffen?
Eigentlich sind mir alle bisherigen Stellen immer irgendwie zugewachsen, bei keiner habe ich die Initiative ergriffen. Als der damalige BDKJ-Bundespräses bei der Hauptversammlung 2008 angekündigt hat, im kommenden Jahr nicht mehr zu kandidieren, wurde ich von unterschiedlichsten Mitglieds- und Diözesanverbänden auf eine Kandidatur angesprochen. Ich konnte mir das zunächst persönlich überhaupt nicht vorstellen, weil ich mir dieses Amt nicht zugetraut hatte.

Nachdem aber immer mehr auf mich zugekommen sind, habe ich mich mit einer möglichen Kandidatur beschäftigt, da offensichtlich andere mir dieses Amt zutrauten. Nachdem auch mein damaliger Bischof eine mögliche Freistellung nicht grundsätzlich ausgeschlossen hatte, habe ich mich intensiv damit auseinander gesetzt und schließlich beschlossen, zu kandidieren. Während der Phase der Kandidatur bin ich oft mit meinen Grenzen konfrontiert worden, aber ich hatte immer mehr Interesse gewonnen und vor allem auch Lust auf dieses Amt, das eine neue Herausforderung sein würde, die ich aber annehmen wollte.

Als du überlegt hast BDKJ-Bundespräses zu werden, was war der entscheidende Grund für dich, ja zu sagen?
Letztlich entscheidend war, dass mir andere dieses Amt zugetraut hatten, im Gegensatz zu meiner eigenen anfänglichen Einschätzung. Ich wurde überzeugt und habe mir im Laufe der Zeit der Kandidatur dieses Zutrauen zu Eigen gemacht. Je näher die Wahl rückte, desto klarer war für mich: Ich will diese Herausforderung annehmen! Ich will BDKJ-Bundespräses werden.

Was war während der Überlegungsphase wichtig für dich? Was hat deine Entscheidung beeinflusst?
Bei mir waren es drei entscheidende Fragen, die ich für mich beantworten musste:

  • Traue ich mir dieses Amt zu?
  • Will ich für drei oder sechs Jahre von meiner Familie und meinem Freundeskreis (die alle im Allgäu und im Bistum Augsburg beheimatet sind) so weit weg sein?
  • Und kann ich im Rheinland auch als Priester in einer Pfarrgemeinde eine Heimat finden?

Jede dieser Fragen war für sich einzeln zu entscheiden und gerade bei den ersten beiden (Zutrauen und Wegzug/Entfernung) war es für mich nicht leicht. Letztlich aber hat mir die Erkenntnis geholfen, dass ein solches Amt eine Herausforderung und eine wohl einmalige Chance sein würde, meinen Horizont zu erweitern und auch persönlich viel zu lernen.

Aus deiner jetzigen Perspektive im Amt: Waren deine Vorstellungen oder Überlegungen über das Amt zutreffend oder eher nicht?
Ich danke heute allen, die mir von Anfang an dieses Amt zugetraut hatten und nicht locker ließen, bis auch ich es mir zugetraut habe. Und nach nunmehr fast sechs Jahren kann ich getrost sagen, dass auch alle anderen „nur mit Wasser“ kochen. Ich wage zu behaupten, dass ich in dieses Amt hineinwachsen bin. Es hat sich bestätigt, dass dieses Amt eine große Herausforderung für mich ist, aber gerade deshalb macht es unglaublich Spaß. Ich konnte viele meiner Fähigkeiten einbringen und habe mindestens genauso viel für mein eigenes (Glaubens-)leben gelernt.

Welche Aufgaben machen dir in deinem Amt besonderen Spaß und vor welchen würdest du lieber davon laufen?
Davon gelaufen bin ich in all den Jahren vor nichts und hatte es auch nie vor. Denn dass es schwierige Situationen, Frust und sogar Scheitern geben wird, war mir von Anfang an klar. Damit umzugehen ist auch Teil dessen, was ich als BDKJ-Bundespräses gelernt habe.

Besonders Spaß macht mir, dass in fast keinem Bereich Routine aufkommt: ständig ändert sich etwas, kommen neue Fragestellungen, neue Aufgaben, neue Herausforderungen auf mich zu. Besonders Spaß macht es mir, wenn wir im BDKJ-Bundesvorstand, in anderen Gremien, in Kleingruppen Ideen, Themen, Strategien, … „spinnen“, groß denken und machen und dann entweder verwerfen (eher selten) oder umsetzen. Die besondere Herausforderung bei allem ist es, die konkrete Lebenssituation von jungen Menschen im Blick zu haben, sich für diese einzusetzen und unser Agieren und Handeln an deren Wohl auszurichten. Das ist ein ständiges Korrektiv für mich/uns, Herausforderung und letztlich das Besondere, was ein Amt in der katholischen Jugendverbandsarbeit ausmacht.

Was würdest du Menschen mit auf den Weg geben die überlegen, ob ein Vorstands-/Kuratenamt das Richtige für sie ist?
Schau mehr auf die Herausforderungen und Chancen, die in einem solchen Amt liegen, als auf Deine eigenen Bedenken. Versuche nicht von vornherein alles festzuzurren, sondern lass Dich überraschen, was auf Dich zukommt. Und: Wag es – ein solches Amt wird Dir vermutlich nur einmal im Leben angeboten!

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