Gleicher Lohn für gleiche Arbeit?

Erschienen am 20. März 2015 in Werte & Gesellschaft

Kerstin Fuchs

Kerstin Fuchs

Kerstin Fuchs ist seit Oktober 2009 Bundesvorsitzende und gelernte Buchhändlerin und Sozialpädagogin. Sie nutzt soziale Medien vor allem dafür, ihre Arbeit als Bundesvorsitzende transparenter zu machen und mit vielen Menschen in Kontakt zu bleiben.

 

„Es gibt also mein Freund, keine Beschäftigung eigens für die Frau, nur weil sie eine Frau ist und auch keine eigens für den Mann, nur weil er ein Mann ist.“
Platon, Politeia, Buch 5, Kapitel 5

Heute ist „Equal Pay Day“. Der Aktionstag will auf die unterschiedliche Entlohnung von Frauen und Männern („Gender-Pay-Gap“) aufmerksam machen. Dabei wird das Datum des Aktionstages von Jahr zu Jahr neu festgelegt – abhängig vom aktuellen Verdienstabstand: Frauen verdienen zur Zeit in Deutschland durchschnittlich 22 Prozent weniger als Männer. Umgerechnet ergeben sich daraus 79 Tage (21,6 % von 365 Tagen).

Bekämen also Frauen und Männer den gleichen Stundenlohn für ihre Arbeit, stünde der Equal Pay Day für den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer schon seit dem Jahresbeginn für ihre Arbeit bezahlt werden.

22 Prozent Unterschied im Bruttostundenlohn aller Erwerbstätigen Frauen und Männer. Das ist ganz schön viel. Deutschland liegt damit auch über dem EU-Durchschnitt, der bei 16 Prozent liegt. Warum kommt es dazu? Ein wesentlicher Faktor sind die ungleichen Aufstiegschancen von Frauen und Männern. Das bedeutet auch, dass weniger Frauen als Männer in Führungspositionen sind.

In Führungspositionen zu arbeiten, heißt oft Einsatz „rund um die Uhr“. Das ist mit Familie nicht immer machbar. Schon gar nicht, wenn beide Partner einen anspruchsvollen Job haben. Leider kommt es dann oftmals immer noch zur klassischen Arbeitsteilung: Die Frau bleibt zuhause oder arbeitet Teilzeit. Das ist aber in anspruchsvolleren und gut entlohnten Berufen oftmals nicht möglich. Dadurch arbeiten Frauen deutlich öfter als Männer im sogenannten Niedriglohnsektor.

Jetzt kann man argumentieren, dass halt nicht alles geht: Familie UND einen gut bezahlten Beruf. Ich frage mich nur, warum es immer noch in der Mehrheit Frauen sind, die dann zurückstecken. Oder wenn sie diejenige sind, die trotz Familie in Führungspositionen arbeiten, sich dafür regelmäßig rechtfertigen müssen. Das erlebe ich selbst auch immer wieder.

Aber es kommt ein weiterer Faktor hinzu: Selbst für gleichwertige Arbeit werden in Deutschland Frauen häufig schlechter bezahlt als Männer. Klassische Frauenberufe wie Erzieherinnen oder Krankenschwester werden deutlich schlechter bezahlt als Berufe im verarbeitenden Gewerbe oder IT-Fachleute. Die Verantwortung für unsere Kinder oder unsere Kranken scheint uns nicht sehr viel wert zu sein. Schade eigentlich.

Mittlerweile hat sich als Symbol für die Forderung nach gleicher Entlohnung von Frauen und Männern die rote Tasche durchgesetzt: Heute eine rote Tasche tragen heißt also: Ich weiß, was heute für ein Tag ist und setze mich für Geschlechtergerechtigkeit und Entgeltgleichheit von Männern und Frauen ein!

„Ein gerechtes Zusammenleben setzt für uns voraus, dass alle Menschen gleichwertig und gleichberechtigt sind.“
(aus der Ordnung der DPSG)

Weitere Informationen:
Entgeltgleichheit – jetzt! Beschluss der BDKJ-Bundesfrauenkonferenz 2009
Kurz-Zusammenfassung des Statistischen Bundesamtes zum Equal Pay Day 2013 mit viel Zahlenmaterial, Grafiken, Aufschlüsselung nach Bundesändern etc.

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