Jahresaktion für Menschen auf der Flucht – Was es ist

Erschienen am 8. Juli 2015 in Werte & Gesellschaft

Joshua Dauzenroth

Joshua Dauzenroth

Joshua beschäftigt sich seit Herbst 2013 mit der diesjährigen Jahresaktion „Für Menschen auf der Flucht“. Bei den Pfadfindern aktiv ist er seit der Wölflingsstufe, zuletzt als Roverberater.

 

Die Jahresaktion 2015 läuft auf Hochtouren – in ganz Deutschland beschäftigen sich Pfadfinderinnen und Pfadfinder in jedem Alter mit dem Thema Flucht, Vertreibung und Gastfreundschaft. Sie nehmen Flüchtlinge in ihren Gruppen auf, gestalten gemeinsame Fahrten, Aktionen und knüpfen Freundschaften. Menschen aus allen Schichten und Ecken der Gesellschaft werden auf diese Zeichen von gelebter – echter – Gastfreundschaft aufmerksam, darunter auch Politiker und Journalisten. Es läuft also ziemlich gut.

In den letzten Wochen wurden wir öfter gefragt: Warum gibt es diese Jahresaktion? Es genügt nicht, die Fernbedienung zu ergreifen, den Fernseher anzuschalten oder eine Zeitung aufzuschlagen. Diese Jahresaktion, dieses Thema gibt es, weil unsere Welt so ist, wie sie ist. Manchmal ist sie eben auch furchtbar. Deswegen packen wir an. Im ganzen Land tun Pfadfinderinnen und Pfadfinder etwas Gutes. Darauf kann jeder und jede einzelne sehr stolz sein. Das nämlich ist tätige Solidarität, ein Grundwert der Pfadfinderbewegung, den wir leben. Und deswegen gibt es diese Jahresaktion, dieses Thema. Und obwohl diese Phrase leider abgenutzt klingt ist sie nichtsdestoweniger wahr und wichtig: Damit machen wir unsere Welt, unsere Gesellschaft, etwas besser als sie heute ist.

Wir werden auch häufig gefragt, wozu es diese Jahresaktion gibt, was wir damit bezwecken wollen. Selbst innerhalb unseres Verbandes ist diese Frage regelmäßig Gegenstand von Diskussionen. Die Antwort ist: Weil wir unsere Welt eben nicht so lassen wollen, wie sie ist. Weil wir daran glauben, dass man das Schlechte ändern und zum Guten wenden kann. Weil wir die Welt, in der wir leben, aktiv mitgestalten wollen. Tatkräftig, mutig.

Das Ziel von Jahresaktionen ist es, ein Thema für die Dauer eines Jahres in den Mittelpunkt zu rücken. Es gibt so viele Menschen in Deutschland, die bei den Pfadfindern sind oder etwas von den Pfadfindern mitbekommen. Als Verband sind wir Teil der Gesellschaft, in der jeder und jede einzelne von uns lebt. Um diese Gesellschaft mitzugestalten ist es manchmal sinnvoll, wenn alle am selben Strang ziehen, wenn wir uns zusammentun. Unsere Gesellschaft ist, was sie ist. Aber sie muss nicht so bleiben. Sie kann besser werden. Wir können sie besser machen. Du kannst sie besser machen.

Es gibt viele Themen, die unsere Gesellschaft umtreibt, denn unsere Gesellschaft ist vielseitig und bunt. So bunt, dass sich viele Menschen innerhalb Deutschland vor dieser Vielfalt fürchten. Wir jedoch nicht. Der verantwortungsvolle Umgang mit der Natur und ihren begrenzten Ressourcen, der respektvolle Umgang mit Menschen aller Art, egal mit welchen körperlichen und geistigen Fähigkeiten, Nationalität, Herkunft, Glaube, sexueller Orientierung… Es gibt so viele Themen, mit denen man sich als umsichtiger und interessierter Mensch beschäftigen kann, sollte, muss. Ein Thema davon ist die Solidarität mit Menschen auf der Flucht. Ein Engagement für Gastfreundschaft.

Auch wurden wir in der letzten Zeit häufig gefragt, wie lange man sich mit dem Thema der Jahresaktion beschäftigen darf und ob das Thema „Gastfreundschaft für Menschen auf der Flucht“ im Jahr 2016 abgehakt ist. Die Antwortet lautet: Nein, eine Jahresaktion ist nicht einfach abgehakt mit dem Jahreswechsel; das Thema selbst wird ja auch nicht einfach abgehakt sein. Es wird immer noch relevant sein, und es wird uns immer noch beschäftigen.

Grundsätzlich gilt: Die Jahresaktion ist ein Angebot. Alles kann, nichts muss. Jede und jeder Einzelne von uns hat einmalige Fähigkeiten und Ideen, die er nutzen kann – wenn er oder sie möchte. Eine Jahresaktion ist zeitlich nicht begrenzt, es gibt nur jedes Jahr ein neues Thema. Das ist ein feiner, aber wichtiger Unterschied, der auf der letzten Bundesversammlung auch nochmal bestärkt worden ist. Und es ist rundherum einleuchtend: Auch dieses Jahr ist die Vielfalt unter Menschen „nix besonderes“ und auch nächstes Jahr können wir für Menschen auf der Flucht da sein, können uns für das einsetzen, was wir für richtig halten. Was uns wichtig ist. Denn das ist, was es ist: Die Hoffnung, in unserer Gesellschaft etwas zu bewegen, sie zum Guten zu Verändern. Und jede einzelne Pfadfinderin und jeder einzelne Pfadfinder in Deutschland ist ein Beweis dafür, dass wir das tatsächlich können. Darauf können und sollten wir stolz sein. Und weiterhin Gutes tun: mit so vielen und vielfältigen Händen und Ideen, an so vielen wichtigen Themen, die unsere Welt bewegen.

Gut Pfad.

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