„Ich bin durch das Jamboree offener geworden“

Erschienen am 12. August 2015 in Live dabei

Martin Wollenhaupt

Martin Wollenhaupt

Martin Wollenhaupt ist 15 Jahre alt und war als Teil des Trupps St. Ansgar
Teilnehmer auf dem 23. World Scout Jamboree in Japan 2015.

 

Wie kurz zehn Tage sein können! Die letzten anderthalb Wochen gingen wie im Flug vorbei. Man spart über Monate oder vielleicht sogar Jahre auf dieses Event, freut sich schon ein Jahr vor dem Weltpfadfindertreffen darauf und man kann es kaum erwarten, endlich nach Japan zu fliegen. Und kaum ist es dann soweit, ist es auch schon wieder vorbei.

Vom 28. Juli bis zum 08. August 2015 trafen sich 34.000 Pfadfinder aus der ganzen Welt in Kirarahama, Japan, um gemeinsam am 23. Weltpfadfindertreffen (Jamboree) teilzunehmen.

Foto: Christian Schnaubelt

Jedes Mal, wenn ich das riesige Lagergelände wieder betreten habe, bot sich vor mir ein gigantischer Blick: So weit das Auge reicht, sehe ich Länder- und Provinzflaggen und etliche Zelte von Pfadfindern aus insgesamt 150 Ländern. Das Gelände hier ist für die Zeit des Jamborees eine Stadt aus Kindern, in der wie in einer wirklichen Stadt gehandelt wird.

Natürlich ist der Handel hier nicht vergleichbar mit dem in einer Erwachsenen-Stadt. Vielmehr wird hier mit Kluftabzeichen gehandelt, die jedes Land und jeder Trupp (ca. 40 Leute) extra für das Jamboree anfertigen ließen. Beim Tauschen kommt man in Kontakt mit den unterschiedlichsten Kulturen und Sitten.

Ich selbst habe dabei meine netteste Bekanntschaft gemacht. Beim „Swapen“ (wie man den Austausch von Abzeichen in der Pfadi-Sprache nennt) habe ich einen Jugendlichen aus Taiwan kennengelernt. Daraus hat sich über die Tage eine sehr gute Freundschaft entwickelt und wir planen jetzt schon, uns demnächst mal zu besuchen. Ehrlich gesagt habe ich davor noch gar nicht gewusst, wo das Land Taiwan auf dem Globus liegt.

Doch genau das ist das Schöne am Jamboree. Es sind keine Grenzen gesetzt. Jeder ist offen zu jedem, egal woher man kommt. Wenn man durch die Straßen geht, gibt man sich fröhlich ein “Give me five”, obwohl man die Leute nicht kennt. Die eigenen Verhaltensregeln und Hemmungen werden für die zehn Tage einfach beiseite gelegt und man lebt ein komplett neues Leben.

Zum Teil haben wir jeden Tag echt gute Programme gemacht. Einmal durften wir eine japanische High School besuchen und mit den Schülern dort basteln und uns unterhalten. Letzteres war eher schwierig, da die Kinder dort so gut wie kein Englisch konnten. Es musste also eine andere Sprache her. Nach langem Überlegen stellte sich heraus, dass es extrem lustig ist, sich mit Japanern pantomimisch zu unterhalten. Vor allem wenn es darum geht, irgendwelche Bastelschritte zu erklären.

Weitere großartige Programmpunkte waren der Besuch in Hiroshima mit anschließender Friedenszeremonie, Wasseraktivitäten und ein Essensaustausch aller Trupps auf dem Jamboree. Der Nachteil des Programmpunktes „Wasseraktivitäten“ war, dass man dabei nicht ins Wasser gehen durfte. Wiederum gut fanden wir alle, dass man nach Hiroshima gute zwei Stunden mit dem Bus gefahren ist. Ihr fragt Euch jetzt bestimmt, warum das gut ist? Einerseits ist der Bus gekühlt und andererseits ist Busfahren immer die Hauptgelegenheit für Schlaf gewesen, denn durchschnittlich schläft man hier nachts nur so fünf Stunden.

Wie gerade angesprochen machte die Hitze uns wirklich zu schaffen. Obwohl man immer froh war, wenn man endlich wieder im gekühlten Bus sitzt, war der gekühlte Bus auch der Grund dafür, dass einige von uns Halsschmerzen bekamen.

Doch zurück zum Thema. Ich kann absolut sagen, dass ich durch das Jamboree offener geworden bin. Wir alle haben bemerkt, dass alle Leute aus allen Kulturen gleich nett sind und irgendwelche Vorturteile auf der Welt fehl am Platz sind.

Foto: Christian Schnaubelt

Foto: Christian Schnaubelt

Das Einzige, bei dem es Unterschiede gibt, sind Kulturen und somit auch Tänze. Auf einem Festival konnte man das mal austauschen, indem jeder einen Tanz vorgeführt hat. Unser Trupp hat einen Bayerischen Tanz in Lederhosen vorgeführt (ich rate an dieser Stelle von Lederhosen tragen bei 40 Grad ab). Wie die Japaner ihr Tanzbein schwingen, unterscheidet sich übrigens stark von unserer Art, zu tanzen. Wenn Japaner tanzen, sieht das eher so aus, als würden sie Pantomime in Zeitlupe vorführen. Hat auf jeden Fall auch was.

Zusammenfassend kann man sagen, es war eine beeindruckende Zeit. Wenn ich denke, dass die Jugendlichen des Jamborees die Generation der nahen Zukunft ist, bin ich sehr zuversichtlich. Es ist keine Übertreibung, zu sagen, dass wir ein Zeichen gesetzt haben für mehr Frieden, Zusammenhalt und Klimagerechtigkeit.

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