Braai, Chakalaka und Pap

Erschienen am 3. September 2015 in freiwillig & weltwaerts

Christian Becher

Christian Becher

Christian Becher ist als Freiwilliger mit der DPSG für ein Jahr in
Südafrika und berichtet hier von seinen Erfahrungen.

 

Das sind nicht einfach irgendwelche südafrikanischen Wörter, sondern alles landestypische Speisen, die ich während meines Jahres in Südafrika kennengelernt habe.

„Braai“ ist die südafrikanische Bezeichnung für ein Barbecue. Das Ganze hat wenig gemeinsam mit deutschem Grillen. Braai wird vor allem von den Afrikaanern gerne und häufig regelrecht zelebriert. Dabei werden verschiedene Sorten Fleisch aufwendig gegrillt. Klassisch gibt es natürlich Rind, viel wird auch Lamm gegessen, aber auch Wild, wie z.B. Impala oder Springbock, landet auf dem Grillrost. In vielen Regionen nimmt man oft  auch  Straußenfleisch. Hähnchen kommt eher selten auf den Grill, da es für viele als „Arme-Leute-Essen“ gilt. Denn in der Tat essen die Schwarzen vor allem Hähnchenfleisch, mehr dazu später.

Jedes Gebäude hier hat wie selbstverständlich einen großen eingebauten Grill, oft  auf dem Balkon oder auf der Veranda. Auch auf Campingplätzen gehört  selbstverständlich zu jedem Stellplatz ein eigener Grill. Im Krügerpark findet man auch auf jedem Rastplatz dutzende Plätze zum Grillen. Dabei wird hier nur selten mit Gas oder Kohle gegrillt, meistens kommt Holz zum Einsatz, das man daher auch überall kaufen kann. Auch die Freiwilligenwohnung im Scoutcenter hat natürlich einen großen Braai. Das typische Braai wird auf einem heruntergebrannten Feuer gegrillt. Dafür wird oft schon Stunden vor dem eigentlichen Grillen das Feuer vom Braaimaster (das ist eine wichtige Rolle, die meistens vom Gastgeber ausgefüllt wird) angefacht. Vorher wurden schon verschiedenste Marinaden vorbereitet, mitdenen das Fleisch  mehrfach eingerieben wird. Alles Fleisch wird fertig gegrillt, bevor gegessen wird. Fertiges Fleisch wird bis zum Essen warm gehalten.

2014-12-14 11.45.20Ein wichtiger Bestandteil jedes Braai ist auch die „Boerewors“. Die Boerewors besteht aus fein gehacktem Rind, Schwein und Wild. Das Wild kann zum Beispiel Antilope oder Zebra sein. Das Ganze ist stark gewürzt und wird als aufgerollte Schnecke verkauft.

Als Beilage zum Braai gibt es oft „Pap“ und „Chakalaka“.

Pap ist Grundbestandteil von fast allen Gerichten der schwarzen Bevölkerung. Es besteht aus Maismehl, das durch Kochen zu einer zusammenhängenden, schnittfesten Masse wird. Es hat relativ wenig Eigengeschmack und ist von weißer Farbe.  Da es, wenn man es alleine isst, recht trocken ist, wird  es immer zusammen mit einer Soße gegessen. Diese ist oft eine Bratensoße auf Basis von Hähnchen oder Schwein. Oftmals wird aber auch Chakalaka dazu gereicht.

Chakalaka wiederum wird aus Tomaten, Karotten, Paprika, Zwiebeln und Baked Beans zubereitet.  Gewürzt wird oft noch mit Peri-Peri-Gewürz oder Curry. Peri-Peri ist eine afrikanische Chilipflanze, die hier in vielen verschieden Speisen benutzt wird.

Pap ist man ohne Besteck, also mit den Fingern. Da es eine feste Form hat, kann man sich kleine Bällchen daraus formen und diese dann in die Soße tunken.

Auch Fleisch, insbesondere Hähnchen wird mit der Hand gegessen. Dabei kaut man auf den Knochen  so lange herum, bis wirklich kein Fetzen Fleisch mehr dran ist. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber es bedeutet auch, dass deutlich weniger Fleisch am Ende im Müll landet. Sogar Hühnerfüße landen in großen Mengen im Kochtopf. Im Supermarkt liegen sie in großen Plastiksäcken im Kühlregal oder in der Gefriertheke – ein fast gruseliger Anblick. Diese isst man zum Beispiel auf Sandwich. Man muss aber gut kauen, da das ganze recht zäh ist.

Auch von Kühen wird jedes Teil gegessen, vor allem von der schwarzen Bevölkerung. Zu den besonderen Delikatessen gehören hier z.B. Kuhfüße. Da jedoch nicht viel Fleisch daran ist, isst man hauptsächlich Knorpel, der beim Kochen zu einer glibberigen Substanz wird. Dieser schmeckt zwar wie Fleisch, fühlt sich aber an wie Gummi und ist erstaunlich klebrig. Gewöhnungsbedürftig!

DSC_0358Ein besonderes Highlight war es, Kuhkopf zu essen. Dieser wird zum Glück ohne Gehirn zubereitet. Nachdem es herausgenommen wurde, wird der Kuhkopf kleingehackt und dann über mehrere Stunden über dem Feuer gekocht. Dadurch wird das Fleisch sehr zart. Anschließend wird es mit Chakalaka gemischt und dann mit Pap gegessen.

Durch den Einfluss der indischen Einwanderer, gibt es auch viele Gerichte, die mit viel Curry gemacht werden oder scharf gewürzt sind. Besonders in der Region rund um Durban wird noch viel indisch gegessen.

Eine Sache, die ich besonders vermissen werde, sind Pommes mit Peri-Peri-Sauce zu essen. Direkt beim Scoutcenter gibt es diese zu kaufen. Man isst sie, indem man die Pommes nimmt und in ein Stück Toastbrot steckt. Das Besondere daran ist aber die Peri-Peri-Sauce, die man alleine leider auch nirgendwo kaufen kann.

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