Nachhaltig, lecker und fair

Erschienen am 13. Oktober 2015 in Am Lagerfeuer mit...

Eva-Maria Kuntz

Eva-Maria Kuntz

Eva-Maria Kuntz ist Mitglied im Facharbeitskreis für Internationale Gerechtigkeit, Inklusion und Ökologie in der Diözese München/Freising. Zuvor war sie lange Jahre in der Diözese Speyer in ihrem Stamm aktiv.

 

Also, schmecken tut er auf jeden Fall und zum Glück gab es davon jede Menge. Die Rede ist von Kaffee. Aber nicht irgendein Kaffee, sondern fair gehandelter. Klar, denn wir waren ja auch auf dem Wochenende für die Fairtrade Scouts. Um zu lernen, wie man Fairtrade Scouts wird, muss man aber erst mal wissen, was Fairer Handel eigentlich ist und wieso es sinnvoll ist, sich dafür einzusetzen. Am besten geht das natürlich, wenn uns die Leute darüber erzählen, die davon bereits profitiert haben. Deshalb konnten wir es kaum erwarten, zwei Produzenten der Kaffeeorganisation Café Orgánico Marcala (COMSA) aus Honduras persönlich kennen zu lernen.

Rodolfo Peñalba und Sonia Vasquez sind anlässlich der Fairen Woche zu Besuch in Deutschland und jagen von einer Podiumsdiskussion zur nächsten. Toll also, dass sie extra zu uns nach Würzburg gekommen sind, wo wir sie mit Fragen löchern durften – und davon hatten wir so einige:

Wie schnell hat sich seit der Fairtrade-Zertifizierung etwas für euch geändert?

IMG_0691Rodolfo: Sofort. Wir konnten schon im ersten Jahr mehr Kaffee verkaufen. Wir konnten aufgrund der gestiegenen Qualität mehr national verkaufen und danach auch international. Vor allem haben wir gelernt, dass wir uns weiterentwickeln können. Früher kümmerte man sich nur um sich und seine Familie und dachte nicht an Fortschritt. Heute sind wir ständig daran, uns weiterzuentwickeln und in Innovation zu investieren. Weil wir gemeinsam so erfolgreich sind, haben sich viele Kaffeebauern aus der Region uns angeschlossen, so dass wir inzwischen mehr als 1.000 Mitglieder haben.

Welche Anforderungen müsst ihr für Fairtrade erfüllen?

Rodolfo: Zunächst mussten wir uns demokratisch organisieren. Die Umweltstandards erfüllen wir ohnehin, da unser Kaffee biologisch angebaut wird. Dass heißt, wir pflanzen neben den Kaffeepflanzen auch viele verschiedene Bäume, die Schatten spenden und Monokulturen entgegenwirken. Außerdem ist es wichtig, dass wir nachhaltig leben und mit den Ressourcen bewusst umgehen. Schließlich sollen auch unsere Kinder später vom Kaffeeanbau leben können.

Was genau heißt nachhaltig leben?

Sonia: Wir nutzen die Früchte der anderen Pflanzen und stellen zum Beispiel selbst Säfte her. Wir machen alles selbst, was wir auch kaufen könnten. Wir sind Produzenten und keine Konsumenten und so leben wir auch.

Viele Leute denken Fairtrade schmeckt nicht. Wie geht ihr damit um?

IMG_0675Rodolfo: Menschen kaufen gerne Fairtrade, das fühlt sich gut an, aber wenn es nicht schmeckt, dann kaufen sie es nur einmal und dann nie wieder. Wir mussten den Produzenten unserer Kooperative klar machen, wie wichtig es ist, ein gutes Produkt herzustellen. Sie mussten den Markt besser kennenlernen und wie man das Produkt vermarkten kann.

Wie könnt ihr den Nachwuchs für die Arbeit begeistern? Bleiben sie auf der Farm?

Sonia: Die jungen Leute haben viele Träume und sie sollen auch träumen. Sie sehen, dass es harte Arbeit ist und man dabei nicht so gut verdient, wie woanders. Deshalb brauchen wir neue Ideen, wie wir in unseren Ländern die jungen Leute halten können.

Was habt ihr bei eurem Besuch in Deutschland erlebt?

Rodolfo: Wir haben viele Felder gesehen auf unserer Tour und uns gefragt, wo sind die Menschen, die dort arbeiten? In Deutschland wird sehr effizient gearbeitet. Das wollen wir auch bei uns verbessern. Wir starten gerade ein Projekt, bei dem junge Schüler einer Fairtrade School aus Deutschland bei uns mithelfen können. Wir hoffen, dass sie ein paar neue Ideen oder Technologien mit einbringen.

Was passiert bei euch mit der Fairtrade-Prämie?

Rodolfo: Die Kooperativenversammlung entscheidet, was wir damit machen. Vor allem investieren wir in Produktivität und Qualität, wie beispielsweise neue Kaffee-Trocknungsflächen und Fortbildungen für die Mitglieder von COMSA. Wir haben aber auch das Gemeindekrankenhaus unterstützt und eine Kantine gebaut.

Wie hoch ist die Prämie?

Sonia: Dieses Jahr bekommen wir 1,6 Millionen Dollar Prämie.

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2 Responses

  1. Wilfried Wunden MISEREOR

    21. Oktober 2015: Hallo Eva-Maria, danke für das Interview. Hat richtig Spaß gemacht, mit euch zu arbeiten. Liebe Grüße, Wilfried

     
  2. Eva-Maria Kuntz

    21. Oktober 2015: Danke Wilfried und sehr gerne! Ich fand es auch sehr spannend deine Arbeit und die von Misereor in dem Bereich besser kennenzulernen. Viele Grüße, Eva-Maria