„Everybody says that the Youth should be heard, but nobody is listening!“ – Der Jugenddialog in Helsinki

Erschienen am 3. November 2015 in Jugendpolitik

Denja Otte

Denja Otte

Denja Otte hat 2015/2016 ihr Freiwilliges Soziales Jahr in unserem Bundeszentrum Westernohe gemacht. Nun verbringt sie bis Juli 2017 ein Jahr als weltwärts-Freiwillige mit der DPSG und Nangu Thina in Kapstadt. Dort arbeitet sie im National Office der Scouts South Africa.

 

Auf geht es nach Helsinki

Endlich war es so weit! Ich machte mich früh auf den Weg zum Flughafen nach Frankfurt, um nach Helsinki zu fliegen. Nach 2 ½ Stunden trafen wir uns alle in Helsinki am Flughafen. Man muss sagen, in Finnland gibt es sehr viel Wald. Wenn man in Helsinki landet, dann mitten im Wald und man muss erst noch eine halbe Stunde in die Innenstadt fahren. Dann machten wir uns auf den Weg ins Hotel, wir erkundeten kurz unser Zimmer und machten uns danach auf eine Tour durch das nächtliche Helsinki.

Vorbereitungen für den „Youth Dialogue“

Nach dem Essen trafen wir uns im Hotel zu einer Besprechung für den Jugenddialog. Es gab noch neue Informationen von der OECD, die leider für uns nicht so positiv waren, denn es durften nur zwei Jugendliche zusammen zwei Minuten im eigentlichen Dialog sprechen. So mussten wir unsere Forderungen noch einmal erneut kürzen und zwei von uns aussuchen, die diese vortragen. Wir beschlossen das Hauptthema aus dem Schulbereich „Vergleichbare Schulabschlüsse“ sehr kurz zu fassen und uns mehr auf das Thema Partizipation mit den Hauptthemen „Mehr Zeit und Raum“ und „Einbringung in die Politik“ und Inclusive Growth mit „Global Fairness“ zu konzentrieren. Wir schrieben unsere Themen auf und übersetzten es ins Englische – dieses Konzeptpapier wurde in den nächsten Tagen noch einmal überarbeitet.

IMG_0221Sightseeing in Helsinki

Da wir einen Tag vor dem Jugenddialog angereist sind, haben wir noch Zeit uns Helsinki genauer anzugucken. Wir machten uns nach einem finnischen Frühstück mit Reisküchlein „Karjalanpiirakka“ auf den Weg zum weißen Dom am Senatsplatz. Wir hatten sehr Glück mit dem Wetter und hatten so einen super sonnigen Vormittag im Zentrum von Helsinki.
Nach einem kurzen Besuch bei der größten orthodoxen Kirche Nordeuropas, ging es in die Markthalle am Hafen.

Deutsche Botschaft

Am Mittag wurden wir in der Deutschen Botschaft mit Pizza empfangen. Wir löcherten die Diplomaten und Mitarbeiter in unserem Gespräch mit unseren vielen Fragen zu Finnland:

  • Wie ist die Flüchtlingssituation in Finnland?
  • Wie geht es der finnischen Wirtschaft?
  • Wie ist das Verhältnis zu Russland?
  • Was muss man mit Deutschland noch besprechen, wenn man gemeinsam in der EU ist?
  • Und das wichtigste für uns: Was muss man in Helsinki noch sehen?

Auf diese Fragen wurde uns sehr ausführlich geantwortet und so konnten wir mit gefüttertem Wissen weiter die Stadt erkunden. So wurde uns noch die Felsenkirchen empfohlen – wie der Name schon sagt: eine Kirche, die in den Felsen gesprengt wurde. Ein sehr schönes Bild! Den Nachmittag ließen wir im größten Stadtteil Helsinkis ausklingen – auf der Insel „Suomenlinna“. Man kann dort sehr schön spazieren gehen und den Sonnenuntergang über dem Meer bestaunen. Die Sonne geht nämlich schon bereits um 16.00 Uhr unter, was den Tag sehr verkürzt. Nach ein bisschen Freizeit trafen wir uns mit der irischen Delegation zum Essen. Wir haben sehr viel gelacht und gesprochen. So freuten wir uns auf den kommenden Tag im „Ministry of Finance“.

Eine Tour durch die Gebäude

12191350_930687853633252_4052705315665219335_oNun war endlich der Tag gekommen, an dem wir mit den Ministerinnen und Ministern reden konnten. Unser Tag begann im Ministerium für Finanzen mit einer kurzen Vorstellrunde und einer Führung durchs Gebäude. Wir waren leider sehr enttäuscht, da wir Buttons bastelten und ein Finnlandquiz machten, anstatt uns mit Jugendpolitik zu beschäftigen. Danach ging es ins Regierungsgebäude, wo wir einen Vortrag über die finnische Politik und deren Organisation hörten – immer noch keine Jugendpolitik. Nach einem sehr noblen Mittagessen mit Live-Musik gab es einen erneuten Vortrag, diesmal jedoch über die OECD. Wir waren wieder etwas enttäuscht, da man sich ja eigentlich im Vorfeld darüber erkundigen sollte, warum man hier ist und welche Organisation dahinter steckt. Daraufhin stellten sich drei große Jugendorganisationen aus Finnland vor. Unter anderem auch die Pfadfinder, mit denen wir Schlüsselanhänger und Halstuchknoten tauschten, und wir wurden zum Finn-Jamboree 2016 eingeladen.

Endlich der eigentliche „Youth Dialogue“

Endlich ging es los! Wir waren nun doch etwas nervös, als wir in den Konferenzraum betraten und die Stühle mit Tischen und Mikrofonen sahen. Leider gab es nur vier anstatt sechs Plätze im Kreis für uns, sodass wir zwei von uns nach hinten setzten mussten. Zunächst gab es eine Einführung der finnischen Ministerin Anu Vehviläinen und einigen Berichten aus den Ländern. Dann berichtet die OECD, was sie für Ergebnisse aus den zehn Ländern, die sich an der Aktion beteiligen, gesammelt hat und zeigte unseren Film als Präsentation der Ergebnisse aus Deutschland. Nun startete der eigentliche Dialog mit der Frage:

 Where are we now? – Wo stehen wir jetzt?

Die finnische Delegation stellte ihr Punkte, wie das fehlende Interesse von jungen Menschen, vor und danach ging es in die Diskussion. Die Moderatorin fragte, ob jemand etwas beitragen möchte, doch einige zögerten noch. Dann ergriff Robert das Wort und sagte: „ Seit einer halben Stunde sitzen wir hier und hören den Erwachsenen zu! Aber das interessiert uns nicht! Wir sind hier, damit wir gehört werden!“ Damit war das Eis gebrochen. Ein lebhafter und ausgeglichener Dialog ist gestartet. Die Ministerinnen und Minister hörten uns zu und wir hörten, was sie auf unsere Forderungen antworteten. Ein wichtiger Punkt, der von dem slowenischen Minister Boris Koprivnikar beigetragen wurde, ist, dass wir Jugendlichen das politische System nicht verstehen würden. Darauf antworteten wir jedoch, dass wir einen Zugang zum System benötigen, damit wir das Ganze überhaupt verstehen können.

Im nächsten Teil ging es um die Frage:

Where do we want to be?

Das war unser Teil – uns war ein fester Redeanteil zugesagt worden! So hatten Natalie und Basti die Chance unsere Forderungen vorzustellen. Es entwickelte sich etwas anders als im ersten Teil des Dialogs, denn es gab leider keinen richtigen Redeanteil. So haben wir unsere Forderungen einfach im Gespräch mit eingebracht. Es stellte sich am Ende heraus, dass ein sehr wichtiger Aspekt für uns ist, dass wir nicht nur den Zugang zur Partizipation erhalten, sonder dass diese Tätigkeit anerkannt wird und man sieht, dass etwas im Nachhinein passiert. Das Engagement muss ernst genommen werden und die Politiker müssen sich daran auch beteiligen – und zwar nicht nur durch zuhören! Ein Vorteil aus dieser offener Diskussion war, dass jeder von uns etwas sagen konnte und nicht nur Basti und Natalie. Wir konnten also ganz individuell auf die unterschiedlichen Beiträge antworten und das was uns wichtig ist beitragen. Zum Glück gab es eine sehr gute Moderatorin, die offen gegenüber allen Themen war. So wurde unser Thema „Inclusive Growth“ trotz nicht gestellter Frage dazu kurz angeschnitten und mit den Ministerinnen und Ministern darüber gesprochen, da es ja das eigentliche Thema der OECD Ministerkonferenz war.

12188163_930687833633254_2993079795618935008_oDann folgte der letzte Teil mit der Frage:

How will we get there?

Dieser Teil war eher eine Fortführung aus dem vorherigen Teil, da dort viele gute Aspekte geliefert wurden, die auch mit dieser Frage beantwortet werden konnten. So wurde aus Irland berichtet, dass es dort Jugendparlamente gibt, die nicht nur reden, sondern auch aktiv etwas tun, und man diese Struktur auch in die anderen Länder übernehmen könnte. Oder von uns wurde beigetragen, dass es diese Struktur zwar bei uns gibt, sie aber nicht so weit verbreitet wurde und man damit nicht so viel erreichen kann. Hauptsächlich wurde darüber gesprochen, dass man den Jugendlichen mehr Raum und Möglichkeiten geben muss, damit sie sich engagieren und auch Spaß daran haben. Somit entsprach dies ziemlich unseren Forderungen, die wir im Oktober in Berlin gesammelt haben.

Schnelle zwei Stunden

So war die Zeit sehr schnell vorbei und der Tag hat sich zum Guten gewendet. Es wurde noch ein Gruppenfoto mit allen Teilnehmer gemacht und wir hatten noch die Möglichkeit uns mit Herr Nauendorf zu sprechen und er lobte uns sehr für unseren Einsatz hier. Alles in allem war es ein sehr gelungener Jugenddialog, den Vormittag hätte man sich sparen können, aber der Nachmittag hat das Blatt wieder gewendet. Den Abend verbrachten wir gemeinsam mit einem Abendessen beim Nepalesen und dann im Hotel, da unser Flug schon um 8.00 Uhr nach Hause ging.

Was nehmen wir mit?

„Everybody says that the Youth should be heard, but nobody is listening!“ – das ist ein Zitat von der Post-It-Wand, die in der freien Zeit gestaltet wurde. Für uns ist das eine treffende Aussage über die man mal nachdenken sollte.

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One Response

  1. Simeon Harjung

    Simeon Harjung

    3. November 2015: Hey Denja, danke für deinen Einsatz und für deine schönen Berichte von der Zeit in Helsinki! Hoffentlich nehmen die Minister auch etwas aus den Gesprächen mit! Lg und Gut Pfad Simeon