Die Klimakonferenz in Paris – Warum ist sie so wichtig?

Erschienen am 2. Dezember 2015 in Ökologie

Simon Weihofen

Simon Weihofen

Simon ist seit den Wölflingen Mitglied in der DPSG. Er war Gruppenkind und Leiter im Stamm Phoenix St. Anna Rheinberg und Mitglied des Rover-AKs im Bezirk Niederrhein-Süd. Seit 2013 ist Simon Mitglied im Bundesarbeitskreis Ökologie.

 

Alle Jahre wieder versammelt sich die internationale Staatengemeinschaft zum sogenannten Weltklimagipfel der Vereinten Nationen (UN). In diesem Jahr findet die UN-Klimakonferenz vom 30. November bis zum 11. Dezember in Paris statt. Sie wird häufig auch mit COP21 abgekürzt. Das bedeutet nichts anderes, als dass Vertreter aus über 195 Staaten der Erde zu einer Konferenz zusammen kommen (engl. Conference of Parties, kurz COP) die zum 21. Mal stattfindet.

Warum findet die Klimakonferenz überhaupt statt?

Grund für die jährliche Konferenz ist die sogenannte UN-Klimarahmen-Konvention (engl. UN-Framework Convention on Climate Change, kurz UNFCCC). Diese Konvention ist das Ergebnis der UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung (UN Conference on Environment and Development, kurz UNCED), die 1992 in Rio de Janeiro stattfand und aus heutiger Sicht u.a. als die Geburtsstunde der globalen Klimapolitik gilt. Damals hatten sich Vertreter aus über 178 Staaten darauf geeinigt, dass der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen begrenzt werden muss, um den globalen Klimawandel aufzuhalten. Außerdem besagt die Klimarahmen-Konvention, dass die internationale Staatengemeinschaft regelmäßig zu einem Weltklimagipfel zusammen kommen soll, um über ein gemeinsames Vorgehen gegen den Klimawandel zu verhandeln. Alle Staaten haben sich auch dazu verpflichtet, regelmäßig über die Emissionen von Treibhausgasen öffentlich zu berichten.

Was geschah auf den bisherigen Klimakonferenzen?

Seit 1995 trifft sich also die Staatengemeinschaft jedes Jahr in einem anderen Land zu einer Klimakonferenz. Es herrscht seit Jahren große Einigkeit darüber, dass es den Klimawandel gibt und dass man ihn mit einer Reduktion von Treibhausgasen aufhalten könnte. Allerdings herrscht Uneinigkeit darüber, wer für den Klimawandel eigentlich verantwortlich ist und welches Land wieviel Treibhausgase reduzieren muss.

Das Kyoto-Protokoll – Verbindliche Ziele bis 2012

Der wohl prominenteste Meilenstein der bisherigen Klimakonferenzen ist das sogenannte Kyoto-Protokoll, das während des Weltklimagipfels 1997 (COP3) in der japanischen Stadt Kyoto verabschiedet wurde. Es unterteilt die Länder der Erde in Industrieländer, zu denen auch Deutschland zählt, und Entwicklungs- und Schwellenländer. Man einigte sich darauf, dass Industrieländer die Hauptverursacher der Treibhausgase sind, weswegen verbindliche Ziele für Industrieländer und nicht für Entwicklungs- und Schwellenländer formuliert wurden. Die Treibhausgasemissionen der Industrieländer sollten also bis 2012 um durchschnittlich 5,2% gegenüber den Emissionen von 1990 sinken. Das Kyoto-Protokoll konnte allerdings erst mit der Klimakonferenz 2005 (COP 11) in Montreal in Kraft treten. Denn erst zu diesem Zeitpunkt waren die zwei Bedingungen eingetreten, die das Kyoto-Protokoll wirksam machten: Es mussten mehr als 55 Staaten, die gleichzeitig mehr als 55% der globalen Treibhausgasemissionen von 1990 emittieren, die Ziele des Protokolls als verbindlich ansehen und es somit ratifiziert haben.

Kyoto II – Der Nachfolger des Kyoto-Protokolls

Da das Kyoto-Protokoll 2012 auslief, wurde auf der Klimakonferenz 2009 (COP15) in Kopenhagen über eine Nachfolgeregelung diskutiert. Die Uneinigkeit darüber, wer am Klimawandel schuld ist und wer in der Folge wieviel Treibhausgase einsparen müsse, war jedoch zu hoch, sodass sich die Staatengemeinschaft nicht auf ein verbindliches Ziel einigen konnte. Während der Klimakonferenz 2011 (COP17) in Durban konnte man sich immerhin auf eine Verlängerung des Kyoto-Protokolls einigen. Die Treibhausgasemissionen sollten um weitere 25 – 40% sinken, jedoch sollte erst auf der folgenden Klimakonferenz 2012 (COP18) in Doha entschieden werden bis wann dieses Ziel erreicht sein sollte. Auch auf dieser Konferenz ging es wieder hoch her, sodass erst ein Tag nach dem offiziellen Ende der Konferenz ein minimaler Kompromiss erzielt werden konnte. Der Nachfolger des Kyoto-Protokolls (auch „Kyoto II“ genannt) sieht vor, die Treibhausgasemissionen um 25 – 40% bis 2020 zu reduzieren. Allerdings haben diesem Ziel lediglich die EU-Länder und Australien zugestimmt, die insgesamt nur etwa 13% der weltweiten Treibhausgasemissionen verursachen. Die weiteren Klimakonferenzen 2013 (COP19) in Warschau und 2014 (COP20) in Lima endeten ohne nennenswerte Ergebnisse und dienten der Vorbereitung der diesjährigen Klimakonferenz (COP21) in Paris.

Die Klimakonferenz in Paris

Die internationale Staatengemeinschaft ist nach wie vor tief verstritten was die Bekämpfung des Klimawandels anbetrifft. Nur eine kleine Minderheit von Staaten hat sich zum Nachfolger des Kyoto-Protokolls (Kyoto II) durchringen können. Laut einer Datenbank der Europäischen Kommission entfielen in 2014 rund 45 % der globalen Treibhausgasemissionen auf die USA und China. Beide Länder haben weder das Kyoto-Protokoll noch dessen Nachfolger ratifiziert. Rund 10 % der globalen Treibhausgasemissionen werden durch die 28 Länder der Europäischen Union emittiert.

Freiwillige Absichtserklärungen

Es gibt aber Hoffnung. So haben auf Grundlage der COP20 mittlerweile 146 Staaten freiwillig schriftliche Absichtserklärungen für Klimaziele im Büro der Klimarahmen-Konvention eingereicht. Außerdem beschlossen die sieben bedeutendsten Industrienationen (auch G7 genannt) in diesem Jahr auf Schluss Elmau die Reduktion von 40 – 70% der Treibhausgase bis 2050 (auf Basis von 2010). Auch die beiden größten Treibhausgasemittenten USA und China haben sich bereits im vergangenen Jahr zum ersten Mal auf Klimaziele geeinigt. Die USA möchte bis 2025 eine Reduktion der Treibhausgase von 26 – 28% (auf Basis von 2005) erreichen. China verfolgt das Ziel bis 2030 etwa 20% des Stroms aus erneuerbaren Energien zu produzieren und gleichzeitig ab 2030 die Treibhausgasemissionen zu senken.

Nachfolge für Kyoto 2

Auf der Klimakonferenz in Paris soll also nichts weniger als über ein Nachfolge-Protokoll von Kyoto II verhandelt werden, dass ab 2020 verbindliche Reduktionsziele für alle teilnehmenden Staaten vorsieht. Fakt ist, dass laut der Datenbank der Europäischen Kommission die globalen Treibhausgasemissionen seit 1990 (dem Basisjahr des Kyoto-Protokolls) bis 2014 um rund 63% gestiegen sind. Der Klimawandel wurde in dieser Zeit also beschleunigt, statt bekämpft. Es ist also höchste Zeit für ein effektives und verbindliches Klima-Abkommen.

Weitere Informationen zur Klimakonferenz in Paris:

• Die offizielle Webseite der COP21
• Eine gute Übersicht über die bisherigen UN-Klimakonferenzen bietet die Webseite des Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB)
• Die EDGAR-Datenbank der Europäischen Kommission beinhaltet die Treibhausgasemissionen von über 214 Ländern von 1970 bis 2014
• Eine gute Erklärung der wichtigsten Fakten zur Weltklimakonferenz bietet die Sendung „Mit offenen Karten“ des TV-Senders arte:

„Mit offenen Karten“ Teil 1:

„Mit offenen Karten“ Teil 2:

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2 Responses

  1. Der Streit auf der Klimakonferenz – Worum geht es da genau? « blog.dpsg.de

    4. Dezember 2015: […] Hier geht es zum 1. Teil der Serie: Die Klimakonferenz in Paris – Warum ist sie so wichtig? […]

     
  2. Das Klimaabkommen von Paris wird unterschrieben – und was passiert dann? « blog.dpsg.de

    22. April 2016: […] Die Klimakonferenz in Paris – Warum ist sie so wichtig? […]