Fest der Heiligen Familie

Erschienen am 27. Dezember 2015 in Glaube leben

Leben in Fülle

Leben in Fülle

Menschen aus der DPSG und dem Verband Nahestehende schreiben in diesem Jahr unter dem Motto "Nebeneinander - Miteinander - Füreinander". Nacheinander nehmen wir diese Begriffe in den Blick: Was heißt es, nebeneinander zu leben? Was verbindet uns? Wo leben wir miteinander und was bedeutet es? Und wie können wir auch füreinander leben?

 

Die Familie als Ort erfüllten Lebens

Wer Mutter oder Vater ist, weiß, welches Glück die Elternschaft bedeutet. Kinder in die Welt setzen zu dürfen, ist eine große Erfüllung. Kinder zu haben, bedeutet, dass unsere Familie in unseren Kindern nach uns weiterlebt. Das ist nicht nur ein sehr schönes Gefühl, sondern birgt auch eine große Hoffnung, dass unsere Kinder, wenn sie einmal erwachsen sind, ein glückliches Leben haben werden.

Das ist die Zukunftsperspektive. Doch wie sieht es in der Gegenwart aus? Die drei großen Weihnachtstage liegen nun hinter uns. Wie haben wir sie mit unserer Familie erlebt? Oftmals wohnen die einzelnen Familienmitglieder nicht mehr zusammen an einem Ort. Manchmal ist Weihnachten der einzige Zeitraum, zu dem sich die ganze Familie wieder trifft. Das sind manchmal schwierige Begegnungen, denn die einzelnen Familienmitglieder haben sich, getrennt voneinander, ganz unterschiedlich entwickelt. Jede(r) ist einen eigenen Weg gegangen, hat eigene neue Kontakte und Beziehungen entwickelt. Vielleicht führt das dann zu Konflikten und Streitigkeiten, weil die Mütter, Väter, Brüder und Schwestern völlig andere Erwartungen an das Zusammentreffen haben. Weihnachten ist nicht immer ein friedliches Fest. Denn das ist wohl das Schwierige: den Anderen sein zu lassen, wie er ist.

Jesus hat das getan. Auch er ist schon ziemlich früh eigene Wege gegangen, wie das Evangelium vom heutigen Sonntag zeigt. Der zwölfjährige Jesus pilgert mit seinen Eltern zum Paschafest von Nazaret nach Jerusalem. Nach den Festtagen machen sich seine Eltern mit ihrer Pilgergruppe wieder auf den Heimweg. Jesus aber bleibt in Jerusalem zurück, ohne dass seine Eltern es merken, da sie ihn irgendwo in der Pilgergruppe vermuten. Erst nach einer Tagesreise vermissen und suchen sie ihn. Nach drei Tagen schließlich finden sie Jesus im Tempel, wo er mitten unter den Schriftgelehrten sitzt, ihnen zuhört, Fragen stellt und alle mit seinem Verständnis in Erstaunen versetzt. Das hat seine Eltern in große Sorge versetzt, denn sie wussten nicht, wo er war. Sie erwarteten, dass er sie nicht einfach verlässt, ohne ihnen zu sagen, wohin.

Es ist nur zu menschlich, Erwartungen zu haben. Aber wenn wir einmal nachdenken, so können wir mit unseren Erwartungen an andere so oft enttäuscht werden, weil die Anderen eben nicht so sind wie wir. Wenn wir in der Familie in Frieden miteinander leben wollen, sollten wir uns daraufhin immer wieder selbst fragen: Was erwarte ich jetzt wieder? Kann ich den Anderen/die Andere nicht einmal so lassen, wie er/sie ist? Dann gelingt uns vielleicht ein Zusammensein „in Fülle“, das uns bereichern kann.

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One Response

  1. Hans-Werner Wolff

    27. Dezember 2015: Eine gelungene Einschätzung der Situation am "Fest der Familie" - spricht mir aus dem Herzen!