Erscheinung des Herrn

Erschienen am 6. Januar 2016 in Glaube leben

Leben in Fülle

Leben in Fülle

Menschen aus der DPSG und dem Verband Nahestehende schreiben in diesem Jahr unter dem Motto "Nebeneinander - Miteinander - Füreinander". Nacheinander nehmen wir diese Begriffe in den Blick: Was heißt es, nebeneinander zu leben? Was verbindet uns? Wo leben wir miteinander und was bedeutet es? Und wie können wir auch füreinander leben?

 

Für mich ist das Fest der Erscheinung des Herrn vor allem mit den Sternsingern verbunden. Selbst die Könige von den Enden der Weltreiche beten das Kind an und erkennen in ihm den Herrn der Welt. Sie kommen etwas spät – zuerst waren die Armen da gewesen, die Ausgebeuteten, die nachts auf den unwirtlichen Feldern bei ihren Herden geblieben waren, in Kälte und Dunkelheit. Sie kamen zuerst. Dann erst sind die Weitgereisten an der Reihe, die mit den großen Möglichkeiten, Distanzen zu überwinden, Geschenke zu überreichen, an Königshöfen ein- und auszugehen. Sie beugen sich zur gleichen Krippe und erhalten das gleiche Glück, Gottes reine Gegenwart in diesem Kind zu erfahren.
Sie sind bereit für diesen unglaublichen Wechsel der Verhältnisse: Nicht das Kind in Armut muss um Audienz ersuchen bei den Mächtigen, sondern sie kommen zu ihm, in die Enge des Stalls, ohne Diener und ohne Machtdemonstrationen.

Auf unserer Erde gehören wir zu den Reichen. Wir sind die, die nicht zuerst zu Christus kommen: Die Armen kommen zuerst, und es sind viele, mehr als die Hälfte der Erdbevölkerung, die den Vortritt haben. Aber wir dürfen eben auch zur Krippe kommen, wir dürfen Gott im Kind, Gott im Menschen begegnen, das gleiche Glück erfahren.

Wenn jetzt wieder die Sternsingerinnen und Sternsinger unterwegs sind, dann auch darum: Weil wir wissen, dass es nicht in Ordnung ist, wenn wir auf Kosten der anderen leben. Weil wir spätestens seit der Begegnung mit dem Kind in der Krippe wissen, auf wessen Seite Gott steht. Gott steht am Rand, bei den Armen. Zu ihnen kommt Gott zuerst. Wenn wir zum Kind in der Krippe wollen, müssen wir uns auf die Armut und auf die Armen einlassen, darauf, dass Reichtum und Armut nicht so ungerecht verteilt bleiben dürfen. Und dafür sorgen gerade auch die Sternsingerinnen und Sternsinger: Die heiligen drei Könige kamen zum Kind unter den Ärmsten im Stall. Die Kinder, die heute in ihrem Namen von Haus zu Haus ziehen, sorgen mit dafür, dass wir im Wohlstand nicht vergessen, dass wir mitverantwortlich sind für die Armut auf der Welt und für den Wandel der Verhältnisse.

Wenn Gott erfahrbar wird, dann nicht, um einzelnen eine schöne Erfahrung zu ermöglichen, sondern um sich in seiner Heiligkeit zu zeigen, die Konsequenzen hat. Leben in Fülle ist nicht eine schöne Erfahrung für uns alleine, sondern Leben in Fülle geschieht da, wo wir uns einsetzen für Gerechtigkeit und Frieden. Das tun die Sternsingerinnen und Sternsinger, und darum ist Erscheinung des Herrn für mich ein Fest der Fülle: zuerst für die Armen, dann auch für uns. Dass es jedes Jahr so viele Kinder sind, die als heilige drei Könige unterwegs sind, um Kinder in verarmten Teilen der Welt zu unterstützen, ist für mich eben: Erscheinung des Herrn.

Pfr. Dirk Bingener, BDKJ-Bundespräses

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