Tot. Töter. Toteste.

Erschienen am 26. März 2016 in Glaube leben

Leben in Fülle

Leben in Fülle

Menschen aus der DPSG und dem Verband Nahestehende schreiben in diesem Jahr unter dem Motto "Nebeneinander - Miteinander - Füreinander". Nacheinander nehmen wir diese Begriffe in den Blick: Was heißt es, nebeneinander zu leben? Was verbindet uns? Wo leben wir miteinander und was bedeutet es? Und wie können wir auch füreinander leben?

 

Oh man, mein Sprachempfinden sagt mir: Das ist ja gruselig! Und da liegt es auch richtig. Denn aus dem Deutschunterricht ist mir noch die Regel hängengeblieben: ein absolutes Adjektiv darf nicht gesteigert werden. Kein Komparativ und Superlativ bei absoluten Adjektiven! Genauso wie eine Frau auch nicht ein bisschen schwanger sein kann, ist es auch mit einem toten Menschen. Meine Oma ist die Toteste – macht keinen Sinn und auch Word unterschlängelt mir sofort dieses abstruse Wort.

Und doch, irgendwie drücken die Steigerungsformen von tot das Gefühl vom Karsamstag ziemlich treffend aus. Schauen wir auf gestern, den Karfreitag. Es ist ein Tag voller Emotionen: Wut, Zorn, Angst, verzweifelte Hoffnung, Solidarität, da ist alles dabei, was die menschliche Gefühlsskala so zu bieten hat. Aber der Karsamstag? Nix, da ist gar nichts: Grabesstille.

Jede oder jeder, der schon einmal einen lieben Menschen verloren hat oder trauernde Menschen begleitet, kennt diesen Verlauf der Trauer. Der Tod ist erst einmal ein Schock, er bringt Bewegung in mein scheinbar so strukturiertes und durchgeplantes Leben. Die Nachricht verarbeiten, vielleicht den Körper des oder der Toten noch einmal sehen, Verwandte und Freundinnen und Freunde benachrichtigen, gemeinsam Weinen und Erzählen, die Beerdigung planen…und…und…und. Aber irgendwann kehrt wieder Ruhe ein: Karsamstag, Grabesruhe, absolute Hoffnungslosigkeit. Da ist jemand töter oder sogar am totesten – egal ob Word diese Wörter wieder unterschlängelt oder nicht.

Und hey, tot – ein absolutes Adjektiv?

Morgen ist Ostern – Leben in Fülle!


Simon Schwamborn, Diözesankurat Paderborn


Wir finden, es lohnt ein Blick in die Theologie der Verbände. Die dazugehörige Arbeitshilfe findest Du hier.

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One Response

  1. Walter @trauerhilfe-denk-ingolstadt.de

    25. April 2016: Auch dieser Beitrag gefällt mir gut! Ich finde es sehr schön, wie Kinder und Jugendliche in einer christlichen Gemeinschaft schon im frühen Alter den Umgang mit dem Tod kennenlernen. Wir alle müssen irgendwann Abschied nehmen, von Menschen, aber auch selbst vom Leben. Das Motto Leben in Fülle finde ich deshalb sehr berührend! Liebe Grüße, Walter von der Trauerhilfe Denk