Ehrenamt möglich machen

Erschienen am 17. Oktober 2016 in Lilienpflege

Volker Lindhauer

Volker Lindhauer

Volker Lindhauer ist Referent für Verbandsentwicklung und Jugendpolitik beim DPSG Bundesverband. Ehrenamtlich engagiert er sich in seinem Heimatstamm in Münster.

 

Abenteuer geht vor Verwaltung

Unsere Leiterinnen und Leiter übernehmen wichtige Aufgaben in ihrer Gruppe, ihrem Stamm und oft auch darüber hinaus. Allein die Vorbereitung und Durchführung der wöchentlichen Gruppenstunden sind eine große und wichtige Leistung gesellschaftlichen Engagements, die gar nicht genug gewürdigt werden kann. Allerdings erleben wir in der Praxis nicht nur, dass unsere Arbeit oft nicht wahrgenommen oder geschätzt wird, sondern dass ihr sogar Steine in den Weg gelegt werden: Antragsverfahren für Führungszeugnisse oder Fördermittel sind aufwändig oder undurchsichtig, Gruppenräume müssen gegen andere Interessengruppen in der Gemeinde verteidigt werden, viel zu wenig Zeit bleibt für Sommerlager wenn es keinen Sonderurlaub gibt.

Ehrenamt muss möglich sein

Sehr, sehr viele Rückmeldungen zu den Lilienpflege-Sets drücken dementsprechend den Wunsch aus, dass die Interessen und Bedürfnisse von Leiterinnen und Leitern gut und laut vertreten werden: Ehrenamt muss möglich sein. Der Verwaltungsaufwand für das Ehrenamt muss sinken, die Ausbildung und das Ehrenamt sollen von Arbeitgebern anerkannt werden. Es braucht Unterstützung: von Eltern, der Gemeinde, dem Arbeitgeber und der Politik. Ganz allgemein:

Es braucht bessere Rahmenbedingungen für das Ehrenamt.

Alle Ebenen sind gefragt

Um für unsere Sache einzutreten und diese Forderungen von Leiterinnen und Leitern hörbar zu machen, ist die Außen- und Interessensvertretung unseres Verbands wichtig. Vorstände auf allen Ebenen des Verbands können sich in der Öffentlichkeit bemerkbar machen und in Politik, Kirche und Gesellschaft auf Veränderungen hinwirken. Je nach Thema sind dafür unterschiedliche Ansprechpartner und Ebenen gefragt. Über die grundsätzlichen Regelungen zum erweiterten Führungszeugnis entscheidet der Bundestag; ob an die Einsichtnahme Fördermittel geknüpft werden – was nach Gesetz nicht passieren darf – überlegt sich eine Kommune. Sonderurlaub wird auf der Ebene der Bundesländer geregelt. Ob das Raumangebot für katholische Jugendarbeit reduziert wird, entscheiden die jeweiligen Gremien in eurer Pfarrgemeinde vor Ort. Das Schwarzbuch Ehrenamt des Bayrischen Jugendrings gibt einen guten Überblick über verschiedene Hürden für ehrenamtliches Engagement und über ihre Ursprünge.

Verschafft euch einen Überblick!

Je nachdem auf welcher Ebene ihr als Vorstände tätig seid, gibt es also unterschiedliche Möglichkeiten für euch, auf die Rahmenbedingungen für das Ehrenamt einzuwirken. Wichtig ist zunächst einmal, dass ihr euch einen Überblick verschafft, welche Themen bei euch „brennen“ und an wen ihr euch damit wenden könnt. Versucht dabei, möglichst konkrete Ärgernisse, Wünsche oder Forderungen zu formulieren.

Bildet Allianzen!

Im nächsten Schritt ist es oft hilfreich, Allianzen zu bilden: Gibt es mehrere Stämme in eurer Stadt, haben andere Leiterrunden und Vorstände wahrscheinlich ähnliche Probleme. Kommt das Thema aus dem Landkreis, der Landes- oder der Bundespolitik? Dann wendet euch an euren Bezirks- oder Diözesanvorstand oder den Bundesvorstand und bittet ihn um Unterstützung. Gemeinsam könnt ihr dann an Ideen feilen, wie ihr mit dem Thema weiter umgehen könnt. Grundsätzlich gilt, je mehr Menschen ihr mit dem Thema bewegen könnt, desto besser. Weitere Unterstützer können sein: die Stadt-, Kreis- oder Landesjugendringe, andere Vereine und Verbände vor Ort oder auch Eltern eures Stammes.

Gebt euch ein Gesicht, verschafft eurer Stimme Gehör!

Schließlich gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, eurer Stimme Gehör zu verschaffen. Auch wenn beispielsweise euer Bürgermeister schon weiß, dass es Pfadfinderinnen und Pfadfinder in eurer Gemeinde gibt, so müsst ihr zunächst davon ausgehen, dass er eure Themen und Bedürfnissee nicht kennt. Gebt euch ein Gesicht, indem ihr das persönliche Gespräch sucht, die eigene Arbeit vorstellt, auf eure Probleme hinweist und im Idealfall bereits Lösungsideen anbietet. Versucht, zum Abschluss eures Gesprächs bereits den nächsten Termin zu vereinbaren, um in ausreichendem zeitlichem Abstand nochmal nachhaken zu können.

Geht an die Öffentlichkeit!

Weiterhin solltet ihr versuchen, für euer Thema eine möglichst große Öffentlichkeit herzustellen: Viele Menschen stehen hinter den Idealen und Ideen der Jugendverbandsarbeit, wissen jedoch nicht um die Probleme, mit denen ihr euch herumschlagen müsst. Indem ihr euer Anliegen bekannt macht, erhaltet ihr wahrscheinlich unerwartete Unterstützer. Ihr könnt dafür gut die Angebote der Medien nutzen: Platziert Leserbriefe oder ladet Redakteure von Lokalzeitung und –radio zu euch in die Gruppenräume ein, um Aufmerksamkeit zu schaffen. Andere mögliche Formate sind eine öffentliche Demonstration oder ein Flashmob.

Dran bleiben!

Ganz wichtig ist, dass ihr mit euren Anliegen „am Ball“ bleibt. Um die Rahmenbedingungen für das ehrenamtliche Engagement eurer Leiterinnen und Leiter zu beeinflussen, benötigt ihr ein wenig Durchhaltevermögen. Lasst euch davon nicht entmutigen.

Mehr Infos und Methoden

Ihr wollt bewirken, dass die Perspektive von Kindern und Jugendlichen in der Politik mehr Gehör findet? Im Konzept Politisches Handeln in der DPSG erhaltet ihr tiefergehende Informationen zum Selbstverständnis der DPSG als politischer Akteur. Die Arbeitshilfe Mitbestimmung enthält unter Anderem ganz konkrete Methodenideen, wie ihr auch mit euren Gruppenkindern zu ihren Einstellungen, Werten und Wünschen arbeiten und diese vertreten könnt. Der Bund der katholischen Jugend (BDKJ) hat zum Beispiel auf Bundes- und Landesebene die Kampagne U28 gestartet. Politikerinnen und Politiker werden aufgefordert, mit einer U28-Brille die Perspektive von Kindern und Jugendlichen auf ihre Themen einzunehmen und sich damit auseinanderzusetzen. Die Methoden könnt ihr auch in eurer Kommune nutzen.

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