Schönheit hat viele Gesichter

Erschienen am 14. Oktober 2016 in freiwillig & weltwaerts

Lisa Berndorfer

Lisa Berndorfer

Lisa Berndorfer ist 18 Jahre alt und verbringt als Freiwillige der DPSG und Adveniat ein spannendes Jahr in Paraguay.

 

Asunción hat viele Gesichter – das durfte ich die letzten zwei Monate hier Paraguay feststellen. Allein die „Lapachos“ (eine Baumart) sind atemberaubend und wunderschön. Die Bäume tauchen die Stadt im August in ein Meer aus pinken und gelben Blüten. Auch die verschiedensten interkulturellen Seiten, die Paraguay zu bieten hat, beeindrucken mich immer wieder. Ich habe das Gefühl, dass viele Menschen hier offen für andere Kulturen sind und davon profitieren. Neben dem von den Guaraní-Indianern übernommenen und sehr beliebten Getränk „Tereré“, findet sich hier auch schnell einmal einen Kartoffelsalat nach deutscher Rezeptur. Asunción ist eine Stadt der Vielfalt und der Gegensätze. Deshalb gibt es hier viel zu entdecken.

Liebe und Vertrauen

Seit einigen Wochen darf ich nun schon ein ganz besonderes Gesicht Asuncións kennen lernen: Bei meiner Arbeit im „Centro Comunitario de la Chacarita“ werden Kinder aus einem der Armenviertel Asuncións betreut. Das Programm, in dem ich mithelfe, heißt „Abrazo“. Das heißt auf Deutsch so viel wie „Umarmung“. Ich arbeite dort mit Kindern im Alter von vier bis fünf Jahren. Wir malen, singen und spielen gemeinsam. Außerdem verpflegen und baden wir sie. Es macht mir sehr viel Spaß, die Kinder immer besser kennen zu lernen und mit ihnen eine schöne Zeit zu verbringen. Auch wenn viele von ihnen keine Reichtümer im klassischen Sinn besitzen: Sie geben mir unglaublich viel, denn sie strahlen viel Liebe und Vertrauen aus, was direkt total ansteckend ist.

Anfangs hatte ich allerdings mitunter ein mulmiges Gefühl. Mir war bewusst, dass ich persönlich nur bedingt helfen kann. Das Schicksal vieler dieser Kinder ist schon durch ihre Ausgangslage geprägt. Wenn ich in die großen Augen der Kinder schaue wird mir bewusst, dass diese Augen womöglich schon mehr sehen mussten, als ich es mir vorstellen kann. Die kleinen Händchen werden hoffentlich eines Tages keine Instrumente der Gewalt.

Kindern ein Lächeln auf die Lippen zaubern

Ich denke, ein guter Anfang ist, ihnen eine spannende und liebevolle Kindheit zu bieten. Und daran arbeiten drei weitere Betreuerinnen und ich Tag für Tag. Ich durfte so beispielsweise schon ein bisschen kreativ werden und Plakate für die Dekoration des Raumes gestalten oder Kronen basteln. Ich genieße meine Zeit mit den Kindern sehr! Täglich freue ich mich, wenn sie mich morgens stürmisch begrüßen oder ich ihnen ein Lächeln auf die Lippen zaubern kann. Ebenso erhellt es meinen Tag, wenn ich langsam aber beständig ein paar Menschen aus dem Viertel kennen lerne und sie mich auf der Straße freundlich begrüßen.

Um dieses Umfeld allgemein noch besser kennenzulernen, habe ich demnächst die wunderbare Möglichkeit, ein Ärzteteam zu begleiten. Sie besuchen ein paar der Menschen in diesem Viertel zu Hause. Darauf freue ich mich schon sehr!

Ein besonderes Treffen

Vor kurzem hatte ich ein weiteres, sehr spannendes Erlebnis: Die Pastoral Social unterstützt ein Projekt, bei dem bis zu 1000 Kinder aus den Armenvierteln zu Fußballspielen ins Stadion eingeladen werden. Deshalb wurde eine Pressekonferenz abgehalten. Dort durfte ich den Ex-Bayern München-Star Roque Santa Cruz kennen lernen. Am Ende haben uns Reporter sogar zusammen für das Fernsehen interviewt – zusammen auf Deutsch! Das war eine unglaubliche Erfahrung! Auch für viele der anwesenden Kinder war dieser Tag ein einmaliges Erlebnis.

Voller Freude nahmen diese natürlich an dem darauffolgenden Fußballspiel teil und unterstützen lautstark ihre favorisierte Mannschaft.

Ich genieße meine erste Zeit hier sehr! Und ich freue mich schon auf die kommenden zehn Monate in Paraguay. Wie ich hier ganz besonders merke – Schönheit hat viele Gesichter.

 

Lisa hat in Paraguay auch ein Projekt der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. besucht. In diesem Video berichtet sie von ihren Erfahrungen:

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