Am Lagerfeuer mit Fairphone-Besitzerin Kaddi

Erschienen am 9. April 2014 in Am Lagerfeuer mit...

Kaddi Schroeder

Kaddi Schroeder

Kaddi Schroeder war bis Oktober 2014 Referentin der Bundesleitung für Internationale Gerechtigkeit, Ökologie und die Kooperation mit missio. Sie schätzt an sozialen Medien wie Facebook und Twitter, dass sie pointierte und topaktuelle Kurzinfos über ökologische und entwicklungspolitische Themen weltweit teilen kann.

 

Mit dem Fairphone ist in diesem Sommer ein Smartphone in den Handel gekommen, dessen Produzenten bei der Herstellung versuchen, möglichst fair und ökologisch vorzugehen. Produzenten und Zulieferer sollen fair bezahlt werden und bei der Auswahl der Materialien wird versucht, möglichst nachhaltig zu handeln. Eine der ersten Besitzerinnen eines Fairphones ist Kaddi Schroeder, Referentin der Bundesleitung beim Bundesverband der DPSG.

Hallo Kaddi, du bist eine der ersten Fairphone-Nutzerinnen. Wie war denn dein erster Eindruck, als Du es ausgepackt hast?
Mein erster Eindruck war richtig toll, denn vorher hatte ich immer gebrauchte Handys bekommen– das Fairphone war das erste, das ich selbst gekauft habe. Es war in einer schönen Papierschachtel verpackt, und man hat gemerkt: der Hersteller hat sich um die Verpackung viele Gedanken gemacht. Es war kein Plastik dran, nicht mal an der Außenverpackung .

Hast Du irgendwelche Unterschiede festgestellt zu anderen Handys?
Nein, habe ich nicht. Ich habe natürlich vorher schon etwas darüber gelesen, und es hieß, es wäre etwas schwerer – aber da mein Dienst-Smartphone schon drei Jahre alt ist, ist der Unterschied nicht so groß. Das liegt aber bestimmt daran, dass die Fairphone-Macher das Display austauschbar gemacht haben, daher finde ich das Gewicht in Ordnung.

Bist Du mit der Qualität zufrieden?
Ja, auf jeden Fall. Es funktioniert alles so, wie ich es brauche. Ich musste mich nur an Android gewöhnen, es ist einfach neu für mich. Ansonsten finde ich alles super. Es wurde ja in den Medien über Probleme mit der Software und der Kamera berichtet, die hatte ich bei meinem Gerät aber nicht.

Warum hast du dich für das Fairphone entschieden?
Ich habe mich schon seit langer Zeit mit der Rohstoff-Problematik beschäftigt, etwa seit 2008. Ich fand es total schockierend, zu erfahren, dass ich mit dem Kauf eines Smartphones eventuell den Krieg im Kongo befeuere. Ich habe danach auch versucht, diese Thematik in meinen Bildungsaktivitäten zu transportieren, hatte aber nie die Möglichkeit, selber etwas dagegen zu tun.

Im Internet gibt es ja auch sehr viel Kritik am Fairphone – den Machern wird zum Beispiel vorgeworfen, es sei „nicht fair genug“ oder wäre „nur Show“. Hast du dich damit mal beschäftigt?
Ich habe mich ziemlich viel damit beschäftigt, unter anderem habe ich auch den Film „blood in the mobile“ gesehen. Darin gibt es eine Szene, in der der Filmemacher zu Nokia fährt , und versucht, mit den Verantwortlichen über dieses Problem zu sprechen: Dass sie ihre Rohstoffketten nicht kontrollieren und da Verantwortung übernehmen – und die sagen: „Es geht nicht“. Ich finde es so wichtig, dass Fairphone gesagt hat: „Doch, das geht! Und wir sind nicht zu 100% perfekt, aber wir haben angefangen. Und zwar an dieser und dieser Stelle, an dieser aber noch nicht. Aber wir bleiben dran.“

Auf jeden Fall kannst du deinen Enkeln später davon erzählen.
Ja, genau. Ich war noch nie so eine „Pioniernutzerin“ von neuen elektrischen Geräten – das ist das erste Mal, und es fühlt sich super an.

Würdest du es wieder kaufen?
Natürlich werde ich mir nicht so bald wieder eines kaufen, denn es funktioniert gut und ich möchte es möglichst lange nutzen. Eine ähnliche Form von Konsumenten-Verantwortung würde ich auf jeden Fall wieder übernehmen, auch, wenn es um andere Geräte gehen würde.

Jetzt geht es ja in die zweite Runde, das heißt, man kann sich wieder für das nächste Fairphone anmelden. Würdest du empfehlen, da mitzumachen?
Ja, würde ich. Ich meine: Wenn Du ein Telefon hast, ist es auf jeden Fall umweltfreundlicher, es zu behalten. Aber wenn du sowieso ein neues kaufst, dann würde ich das Fairphone vorziehen.

Möchtest Du Leuten, die sich für das Fairphone-interessieren, sonst noch etwas mitteilen?
Es ist ein tolles Telefon, und am besten finde ich, dass man in einer europaweiten Community ist, in der es Leuten wichtig ist, wie sie konsumieren. Ich hoffe, dass sich weitere Hersteller mit der Thematik beschäftigen und damit nach außen gehen. So, dass man merkt, dass man doch etwas ändern kann.

Das Interview ist bereits zuvor in der Zeitschrift „Verbandszeug“ des Diözesanverbandes Münster erschienen.

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3 Responses

  1. Cornelia

    13. April 2014: Was kostet das Fairphone denn?

     
    • Blog-Team

      Blog-Team

      14. April 2014: Alle Infos Rund um das Fairphone, Preis für die zweite Auflage, Bestellvorgang und so weiter findest du unter: http://www.fairphone.com/

       
  2. Wie fair ist Dein Handy? « blog.dpsg.de

    25. Juli 2014: […] Lebenszyklus fair und nachhaltig gestaltet ist. Doch immerhin gibt es Ansätze, zum Beispiel das Fairphone oder die Faire Maus. Ein FairTrade-Label für Elektrogeräte gibt es nicht – dafür müsste man […]