Rassismus? Bei uns nicht! – Ein Antirassismus-Workshop bei PiW14

Erschienen am 7. Juni 2014 in Gruppenstunde & Lager

Kathalena Essers

Kathalena Essers

Kathalena Essers ist 25 Jahre alt und kommt aus dem Stamm Goten, in Unna. 2013 war sie als "short term staff" (eine Saison) in Kandersteg.

 

Dieses Jahr soll es in Westernohe um das schwierige Thema Rassismus gehen. Mit je einer Gruppe Pfadis und ihren Leiterinnen und Leitern möchte ich erfahren, was Rassismus eigentlich heißt. Was er für eine Rolle in unserem Alltag spielt und wo wir ihn im Pfadfinder-Sein wiederfinden oder auch nicht. Natürlich soll es auch darum gehen, ihm entgegen zu treten, diesem Ding, das ja zunächst erst mal irgendwie im Raum steht und sich nicht so ganz fassen lässt.

Der Workshop

Die Gruppe soll sich heute viel selbst beteiligen. Wir starten mit einem kleinen Warm Up. Danach steigen wir inhaltlich ein. Der Antirassismus-Test bringt einiges ans Licht. Jeder Teilnehmende füllt ein Blatt aus. Es sollen maximal fünf Eigenschaften bestimmt werden, die auf Ausländer, bzw. die auf Deutsche zutreffen. Das können zum Beispiel die Eigenschaften „freundlich“, „egoistisch“, „dreckig“ oder „hygienisch“ sein. Wer kein Kreuz macht besteht den Test, wer eines oder mehr macht, ist in die Rassismus-Falle gelaufen. Natürlich bleibt nun die Frage, warum ist das Rassismus? Doch Vorurteile und Verallgemeinerungen sind Teil von Rassismus. Die Gruppe beschäftigt meistens das hohe Vorkommen an Durchgefallenen extrem.

In einer weiteren Übung wird eine Rassismus-Definition entworfen, die sich ganz nach der Gruppe richtet. Danach beschäftigen wir uns dann mit einem kleinen Rennen. Jeder Teilnehmende bekommt eine geheime Rolle zugeteilt. Da ist alles dabei, von der minderjährigen Geflüchteten aus Afghanistan bis zum deutschen Beamten. Alle starten am selben Punkt. Ich stelle Fragen und jede und jeder versucht, diese zu beantworten. Ja heißt einen Schritt vor. Nein und Ich weiß nicht heißt stehen bleiben. Die Fragen drehen sich um Alltagsentscheidungen und tägliche Freiheiten, beispielsweise „Ich kann den Menschen meiner Wahl heiraten.“ Oder „Ich kann mich frei von Ort zu Ort bewegen“.

Am Ende kristallisiert sich eine klare Hierarchie heraus: der deutsche Beamte wird weiter vorne sein, die minderjährige Geflüchtete wahrscheinlich sehr weit hinten. Nach einer Vorstellrunde in der die Pfadfinderinnen und Pfadfinder ihre Rollen, ihr Gefühl während der Übung und ihre Stellung in der Hierarchie beschreiben, wird der Gruppe einiges klar. Rassismus ist immer noch da und wir sehen ihn leider nicht immer. Und weil Pfadfinderinnen und Pfadfinder neugierig und solidarisch sind, wird nach einer Pause genau darüber geredet. Wie können wir Rassismus bekämpfen, wo begegnet er uns selbst im Alltag und was können wir tun um uns dagegen zu wehren und andere zu schützen. Die Gruppe ist nun natürlich nicht für immer davor geschützt, rassistische Gedanken oder Taten zu übersehen, aber der erste Schritt ist getan.

Genau darum geht es mir im Workshop. Mir liegt es am Herzen, auch im offenen Umfeld der Pfadfinder-Bewegung darüber zu sprechen, was unsere Gesellschaft für Probleme hat. Vor allem in internationalen Begegnungen ist es wichtig, sich (am besten nicht nur) einmal mit Rassismus beschäftigt zu haben.

Vor allem Alltagsrassismus prägt unsere Gesellschaft. Er existiert neben Bestrebungen zu Inklusion, Gespräche über die Frauen-Quote und die Homo-Ehe. Das alles sind gute Schritte, doch daneben sollten wir auch immer im Auge behalten, dass es noch viel zu tun gibt. Rassismus ist nicht gemeinsam mit den Kolonien und dem Nationalsozialismus verschwunden oder eine Randerscheinung unserer Gesellschaft.

Wenn ihr in eurer Gruppenstunde auch über Rassismus sprechen möchtet, achtet darauf, genug Zeit und nach den Übungen genug Pausen zu haben, um niemanden zu überfordern. Seid wie immer sensibel mit Gruppenmitgliedern, die vielleicht bereits Opfer von Rassismus geworden sind.

Gute Literatur zu diesem Thema findet ihr bei der Bundeszentrale für politische Bildung, den Landeszentralen für politische Bildung  und der Gewaltakademie Villigst. Hier sind insbesondere diese drei Artikel lesenswert:

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