Wie fair ist Dein Handy?

Erschienen am 25. Juli 2014 in Internationale Gerechtigkeit

Hannah Scharlau

Hannah Scharlau

Hannah Scharlau ist Mitglied im Bundesarbeitskreis Internationale Gerechtigkeit. Neben ihrem Engagement auf Bundesebene ist sie Pfadi-Leiterin im Stamm St. Elisabeth in Hagen.

 

In der aktuellen mittendrin haben wir den Lebenszyklus von Elektrogeräten und dessen Auswirkungen auf die Umwelt beschrieben. Doch der Lebenszyklus von Elektrogeräten hat nicht nur Auswirkungen auf die Umwelt, sondern auch auf das Leben von Menschen weltweit.

Ein wichtiger Rohstoff für Elektrogeräte ist Coltan, ein Erz aus dem das für Handys und Laptops unverzichtbare Metall Tantal gewonnen wird. Es wird unter anderem im Kongo abgebaut. In diesem afrikanischen Land herrscht Bürgerkrieg. Viele Mienen werden von Rebellengruppen betrieben, die von den Gewinnen Waffen kaufen. Viele Menschen im Kongo haben keine Alternative zur informellen Arbeit in diesen Minen. Die Arbeiter haben dabei keinerlei soziale Absicherung oder Schutz vor Ausbeutung. Und sogar Kinder arbeiten dort und riskieren über oder unter Tage von Soldaten umgebracht oder von einem Erdrutsch verschüttet zu werden.

Viele Elektrogeräte werden in Ländern produziert, in denen die Herstellung billig ist. Das heißt auch, dass die Arbeiter wenig Lohn bekommen. Besonders der Fall der chinesischen Firma Foxconn, die für Apple, Dell, Intel, Nintendo, Microsoft und andere Unternehmen Elektrogeräte und Bauteile für Handys und Computer herstellt, sorgte in der Vergangenheit für Aufregung. Aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen nahmen sich im Jahr 2010 mehrere Mitarbeiter das Leben. Eine Studie von Germanwatch berichtet über Löhne unterhalb des Existenzminimums, erzwungene und unbezahlte Überstunden, fehlende Investitionen in Sicherheit und Gesundheitsschutz und in manchen Fabriken sogar Kinderarbeit. Bei anderen Produzenten herrschen ähnlich schlimme Bedingungen.

TCOCertifiedEdgeEs gibt kein Elektrogerät, dessen gesamter Lebenszyklus fair und nachhaltig gestaltet ist. Doch immerhin gibt es Ansätze, zum Beispiel das Fairphone oder die Faire Maus. Ein FairTrade-Label für Elektrogeräte gibt es nicht – dafür müsste man die gesamte Lieferkette zertifizieren und die ist ja ziemlich komplex. Doch das TCO-Label steht für soziale Verantwortung und Umweltverträglichkeit bei der Produktion von Elektrogeräten. Für Notebooks und Tablets nutzt bislang nur Samsung das Siegel. HP und Lenovo haben ein paar Desktop-PCs zertifizieren lassen. Das ist ein Anfang, aber nicht genug. Um mehr zertifizierte Produkte auf den Markt zu bringen sind vor allem Großabnehmer gefragt. Wenn zum Beispiel Kommunen oder Kirchen in ihren Ausschreibungen für Computer oder Handys darauf bestehen, dass die Geräte ein TCO-Label haben, wächst der Druck auf die Hersteller solche Geräte anzubieten.

energieverbrauchskennzeichnung

Das EU-Energielabel zeigt den Energieverbrauch von Geräten. A+++ ist zur Zeit die sparsamste Klasse.

Und zu guter letzt:

Auch die Menge des Stromverbrauchs wirkt sich indirekt auch auf Menschen auf der ganzen Welt aus. Denn der steigende Energieverbrauch beschleunigt den Klimawandel.

Also achtet auf den Energieverbrauch eurer Geräte. Dies könnt ihr mit Hilfe des EU-Energielabels tun.

missio ruft im Rahmen der Aktion Schutzengel alle Handynutzer dazu auf, mit der Unterschriftenkampagne „Aktion Saubere Handys“ an führende Mobilfunkunternehmen zu appellieren. Nokia, Apple, Samsung und RIM (BlackBerry) sollen zukünftig garantieren, dass ihre Handys wirklich sauber sind und die Unternehmen kein illegales Coltan aus der Konfliktregion verwenden, mit dem der Krieg finanziert wird.

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One Response

  1. Jan Piller

    26. Juli 2014: Ein sehr guter Artikel. Ich möchte zum Thema "Energieeffizienz" noch auf den Rebound-Effekt hinweisen. Zwar sind die Geräte effizienter, leider neigt der Mensch jedoch dazu, diese gewonnene Effizienz durch Mehrbenutzung oder weitere Funktionen zu egalisieren. Meist wird dadurch bedingt mehr Strom als zuvor vebraucht. Hier ist ein netter Artikel hierüber: http://www.zeit.de/2013/45/energieeffizienz-technik-umwelt-rebound