Bolivien-Begegnungsreise 2014: Potosí

Erschienen am 20. August 2014 in Internationale Gerechtigkeit

Nora Langenstück

Nora Langenstück

Nora Langenstück nimmt 2014 an der Begegnungsreise nach Bolivien teil und berichtet von dort über die Erlebnisse der Gruppe.

 

SAM_5424Potosí, ehemals reichste Stadt der Welt, lebt noch heute fast ausschliesslich vom Bergbau und den Silbervorkommen im „Cerro Rico“, dem Minenberg der Stadt. 800m weit und 20m tief besichtigen auch wir den Berg. Weit genug für uns. Der Eingang ist ein wenig vertrauenserweckendes Loch mit Gittertüren und Karrenschienen, zwischen denen das Wasser steht. Mit geduckten Köpfen müssen auch die Kleinsten von uns sich immer weiter krümmen, besonders dann, wenn die Gänge enger und die massiven Balken über unseren Köpfen immer niedriger werden.

Über eine Leiter, die in die enge Tiefe führt, und vorbei an in den Boden gesprengten Löchern finden wir unseren Weg in den Bauch des Berges. Dort erwartet uns in einer Höhle „Tïo“ (der Onkel oder auch Teufel), der als Teil der Famlie beschenkt wird, um um Glück in der Mine zu bitten. Glück, das Einzige was hier unten zählt. Die Religion, so wird uns erzählt, lassen die Menschen am Eingang der Mine zurück.

Oft arbeiten schon Kinder ab 10 Jahren hier unten, um ihre Familie zu unterstützen. Der Staub, die Hitze und die Enge machen uns schon beim Besuch das Atmen und das Gemüt schwer. Die Minenarbeiter hier werden oft nur 20 bis 40 Jahre alt.

Den Kontrast zur Mine bieten uns die Pfadfinderinnen und Pfadfinder in Potosí mit ihrer Gruppenstunde, die, wie in Bolivien üblich, samstags und mit dem ganzen Stamm gemeinsam stattfindet. Für uns sind sogar drei der Stämme von Potosí zusammengekommen und begrüßen uns im Carré auf dem Sportplatz ihrer Schule. In Bolivien sind die grupos (=Stämme) nämlich nicht an Kirchen und Pfarrheime angegliedert, sondern an Schulen. Nach einer kurzen Ansprache unserer Delegation beginnt auch sofort der Spaßteil der Gruppenstunde: Jede Stufe stellt sich mit einem Singspiel vor und alle sind begeistert dabei, als auch wir einige Singspiele aus Deutschland vorstellen. Natürlich wird der deutsche Text lauthals mitgesungen.

Zur Übersicht der Stufen:
Die Wölflinge heißen hier Lobatos. Lobo bedeutet im spanischen Wolf.
Die Juffis/Jupfis sind hier die Exploradores (Entdecker).
Die Pfadistufe heisst Pioneros (Pioniere) und die Rover sind international und heißen hier nur leicht anders „Roveres“.

Die Zeit vergeht wie im Flug und bald verabschieden wir uns mit einem spanisch-deutschen „Nehmt Abschied Brüder“. Anschließend werden wir noch geschätzte 2000 Mal fotografiert und tauschen ungefähr genau so viele Aufnäher und Tücher, bevor unsere Gastgeber uns schweren Herzens gehen lassen.

Neben der Gruppenstunde ist unser persönliches Highlight das „Ojo del Inca“ („Das Auge des Inca“): ein kleiner, angenehm warmer See auf etwa 3000m Höhe, in dem wir gemeinsam schwimmen gehen. Christian, einer unserer Mitreisenden, kommt außerdem (mehr oder weniger freiwillig) in den Genuss einer Schlammmaske mit original Ojo-del-Inca Schlamm.

Eine bolivianische Besonderheit soll nicht unerwähnt bleiben:
In bolivianischen Städten sind die Geschäfte nach Waren auf Straßen „sortiert“. Es gibt also zum Beispiel eine „Geschäfte für elektrische Geräte-Straße“ oder eine „Tischverleih-Straße“.

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