Bolivien-Begegnungsreise 2014: Zurück in Cochabamba

Erschienen am 26. August 2014 in Internationale Gerechtigkeit

Nora Langenstück

Nora Langenstück

Nora Langenstück nimmt 2014 an der Begegnungsreise nach Bolivien teil und berichtet von dort über die Erlebnisse der Gruppe.

 

Nach unserem 45-minütigen Flug von Tarija nutzen wir den ersten Abend zurück in Cochabamba zum Bemalen der Kothenplane, die wir den bolivianischen Pfadfindern als Gastgeschenk hierlassen. Dieser erste offiziell programmlose Abend ist auch die erste Gelegenheit, um die bisherigen Eindrücke zu reflektieren.

Am nächsten Morgen geht es gleich weiter: Mit 24 Leuten im Truffi, einem Kleinbus, der schon ohne uns voll war – aber das ist wohl wie mit der fliegenden Hummel: wenn keiner merkt, dass es nicht mehr passt, dann passt es.

Wir fahren nach Quillacollo (ca. 45 min von Cochabamba), um die Parade zu Ehren der Virgen Maria de Urkupiña zu bestaunen. Der Bus hält hinter einer Schlange weiterer Busse. Wir steigen aus und stellen uns in eine Schlange Menschen, um zur Parade zu kommen. Auf der abgesperrten Straße, auf der die Tänzer laufen, stehen links und rechts Tribünen aufgebaut. 5-6 Bankreihen übereinander, vollgestopft mit schaulustigen Bolivianern, die teilweise mehrere Stunden im Bus angereist sind. Vor den Reihen Verkäufer. Verkäufer von allem.

Die Kostüme der Tänzer variieren von sehr knappen Kleidern bis hin zu traditionell indigenen Trachten. Große Tänzergruppen sorgen mit Schuhen, an denen Glocken befestigt sind oder mit rasselnden Sporen für ihren Beat. Die Parade beginnt um 9 Uhr morgens und kann bis nachts um 0 Uhr bestaunt werden. Danach tanzen auch die Zuschauer mit. Wir halten aber nicht alle so lange durch.

Zwei Tage später ist das Fest zu Ehren der Jungfrau von Urkupiña noch immer in vollem Gange. Wir fahren wieder raus nach Quillacollo, diesmal jedoch nicht zur Parade, sondern zur Virgen Maria de Urkupiña selbst: Auf einem kleinen Berg, dem Cerro Quta, soll sie erschienen sein. Genau dort steht heute eine weiße Marienstatue, die die Bolivianer auf ihrem Pilgermarsch am 16. August besuchen, um sich etwas von ihr zu wünschen. Wünscht man sich etwa, dass man im Laufe des nächsten Jahres seinen Universitätsabschluss schafft, kann man auf dem gut besuchten Markt zu Füßen der Statue ein kleines “Bachelorzeugnisse” kaufen. Dieses wird anschließend durch ein festgelegtes Ritual unter anderem mit Wein und Knallkörpern geweiht.

Außerdem schlagen die Pilger mit einem Hammer auf einen Felsbrocken am Berg und hoffen, dass möglichst viele Steine abspringen, denn dies stehen für viel verdientes Geld im nächsten Jahr. Sei es das Bachelorzeugnis oder die Steine vom Berg, beides wird mit nach Hause genommen und muss im nächsten Jahr zurückgebracht werden, da es sich gewissermaßen um einen Kredit der Jungfrau handelt.

1Unser letzter Abend in Cochabamba steht an und wir verabschieden uns angemessen mit einem “Deutschen Abend”. Die Hälfte des Tages ist der Vorbereitung gewidmet und bolivianisch pünktlich – eine Stunde zu spät – starten wir das Programm um 21 Uhr. Das Video von Pfingsten in Westernohe und unser deutsches Liedermedley inklusive Performance stoßen auf großen Anklang bei unseren Gastgebern, die heute unsere Gäste sind. Außerdem kommt das typisch deutsche Essen, für das wir uns entschieden haben ebenfalls sehr gut an: Gulasch mit selbst gemachten Spätzle. Der Abend endet schließlich nach einem letzten Tanz zu „Atemlos“ von Helene Fischers ebenfalls deutsch. Typisch oder nicht sei dahingestellt.

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