Mach aus dem krummen Ding eine gerechte Sache!

Erschienen am 10. September 2014 in Gruppenstunde & Lager

Frank Eichinger

Frank Eichinger

Frank Eichinger war sieben Jahre im Bundesarbeitskreis Internationale Gerechtigkeit. Von 2009 bis 2015 vertrat er die DPSG im Vorstand von Fairtrade Deutschland (TransFair e.V.), seitdem sich 2015 die Struktur geändert hat, ist er gewähltes Mitglied des Aufsichtsrates von Fairtrade Deutschland.

 
Jeder weiß: Bananen sind krumme Dinger. Aber warum? Weil die Produktionskosten und der Preisdruck auf die Produzenten stetig steigen, während bei uns Bananen seit Jahren zu Billigpreisen angeboten werden. Unser Autor Frank Eichinger hat im vergangen Jahr eine Kooperative besucht. Hier lest ihr, was er erlebt habt und wie ihr euch für mehr faire Bananen einsetzen könnt.

Die Stadt Sullana im Norden Perus ist zwar eine Großstadt, ist aber in unserem Reiseführer nicht verzeichnet. Offenbar hat sie also nichts besonderes zu bieten. Wir haben uns trotzdem auf den Weg gemacht, um die Fairtrade-Bananenkooperative APBOSMAM zu besuchen. Die Busfahrt von der Küste im Norden Perus dauert mehrere Stunden und führt durch eine karge Wüstenlandschaft. Doch plötzlich ändert sich die Landschaft: sattgrüne Reisfelder, Palmen, Bananen. Wir sind im Tal des Río Chira, in dem sich auch die Stadt Sullana befindet.

Der Weg zur Fairtrade-Zertifizierung

Am nächsten Morgen werden wir vom Präsidenten der Kooperative, José Fernando Loli Castillo und dem Geschäftsführer, dem Agraringenieur Miguel Angel Borrero Castillo, abgeholt. Wir fahren in das Büro der Kooperative, wo wir uns mit den beiden sowie zwei weiteren Kooperativenmitgliedern unterhalten. Die Geschichte der Organisation ist schnell erzählt, da sie noch sehr jung ist: 2006 wurde die Organisation als Zusammenschluss von Kleinbauern gegründet, 2007 hatten sie zusammen 130 Hektar Bananenpflanzungen. 2008 folgte die Bio-Zertifizierung, 2009 die Fairtrade-Zertifizierung. Im Jahr 2010 konnten mit Mitteln aus der Fairtrade-Prämie die Büro- und Lagergebäude gebaut werden. In diesem Jahr wurde aus der Organisation offiziell eine Kooperative (Genossenschaft), die inzwischen aus 304 Mitgliedern besteht die zusammen 316 Hektar Bananen bewirtschaften. Die Kooperative beschäftigt zudem 150 Arbeiter. Alle haben einen offiziellen Arbeitsvertrag, eine Sozialversicherung und arbeiten acht Stunden täglich.

Investition in die Kooperative

Diese Entwicklung in nur sieben Jahren finden wir sehr beachtlich. Die Kooperative verkauft ihre gesamte Ernte in Bio-Qualität im Fairtrade-System (zumindest die Bananen, die den EU-Normen entsprechen, aber dazu später mehr). Pro Woche verlassen sechs Container das Kooperativengelände und werden über den Hafen von Paita und den Panamákanal an drei Abnehmer in England, Italien und Deutschland verschifft. Der deutsche Importeur ist Port International, der unter anderem die Bananen für Lidls Eigenmarke Fairglobe importiert. Die Fairtrade-Prämien, die bei 100% Fairtrade-Absatz verhältnismäßig üppig sind, wird konsequent in die Infrastruktur der Kooperative investiert: Neben den Verwaltungs- und Lagergebäuden und Fahrzeugen werden überall in den Bananenfeldern Verpackungsstationen gebaut. Ansonsten wurde auch schon in Kooperation mit einer Schule ein Wiederaufforstungsprojekt umgesetzt. Für die Zukunft schwebt der Kooperative eine eigene Reifungseinrichtung sowie eine Anlage zur Herstellung von Bananenpüree vor.

Strenge Hygienevorschriften

Nach der Theorie fahren wir zusammen in die Felder. Vorbei an den Bananen einer benachbarten Fairtrade-Kooperative und vereinzelten Mangobäumen geht es zu einer mobilen Verpackungsstation. Etwa zehn Arbeiter sind schon in der Mittagspause, etwa fünf weitere sind noch dabei, die gerade geernteten Bananen zu sortieren, zu waschen, zu bekleben und zu verpacken. Miguel, der Geschäftsführer, erklärt uns, dass ihre Verpackungsstation – im wesentlichen aus Holz gebaut und mit einer mobilen Wascheinrichtung versehen – noch nicht so professionell wie bei der Nachbarkooperative ist. Da sie noch sehr jung sind, sind noch nicht alle Stationen auf dem neuesten Stand, sie arbeiten aber daran, ihre 30 Stationen nach und nach zu modernisieren. Der Schichtleiter erklärt uns den ganzen Prozess. Meine Freundin bekommt eine Haube, einen Mundschutz und muss ihre Hände waschen. Ich darf leider mit meiner kurzen Hose nicht in den Verarbeitungs- und Verpackungsbereich – Hygienevorschriften. Ich muss also ein klein bisschen Abstand halten und finde es eigentlich ganz gut, dass die Vorschriften hier wirklich für alle gelten.

Gute und Schlechte Bananen

Der Verarbeitungsprozess funktioniert wie folgt: Die frisch geernteten noch grünen Bananenbüschel werden zur Station gebracht, dort werden einzelne „Hände” (etwa vier bis sieben einzelne Bananen oder „Finger”) von dem Büschel geschnitten. Die „Guten” kommen zum Waschen, die „Schlechten”, also die zu kleinen, nicht wohlgeformten, einzelnen oder nicht makellosen, kommen in eine andere Kiste, die für den nationalen Markt bestimmt ist. Sie werden in eine Reiferei in Lima gebracht und kommen dann in die Supermärkte. Die „guten” Bananenhände werden desinfiziert, mit Fairtrade-Siegeln versehen und vorsichtig in Kisten verpackt. Die Siegel und die Kisten sind spezifisch für die Firmen, die die Bananen abnehmen. Während unseres Besuchs werden Kisten für den italienischen Abnehmer und für Fairglobe gepackt. Nach dem Schiffstransport müssen die Bananen noch in Europa gereift werden.

Vorzeige Kooperative

Wir sind von der Kooperative sehr beeindruckt, die man sicher als Vorzeigekooperative bezeichnen kann. 100% Fairtrade-Absatz schaffen die wenigsten Fairtrade-Produzenten – sie müssen ihre Produkte dann im herkömmlichen Markt verkaufen und durch geringere Prämienflüsse können sich die positiven Wirkungen des Fairen Handels entsprechend weniger stark entfalten. Zu der guten Absatzsituation von APBOSMAM kommt offenbar noch die privilegierte Lage im fruchtbaren Tal des Río Chira. Hier bauen die allermeisten Produzenten Biobananen an und es gibt eine Reihe von Fairtrade-Kooperativen. Vor einigen Jahren haben noch etwa 70% der Produzenten ihre Ernte an die Firma Dole verkauft, jetzt sind es nach Angaben von Miguel nur noch etwa 30%. Die Kleinbauern hier haben es tatsächlich geschafft, sich zu Kooperativen zusammen zu schließen und ihre Produkte selbst zu exportieren und auch an den Weiterverarbeitungsschritten als Mitglieder der Kooperative mitzuverdienen.

Setzt euch ein für faire Bananen

Nicht allen Bananenproduzenten geht es so gut wie denen von APBOSMAM. Macht mit beim Banana Fairday am 26. September 2014. Kauft Fairtrade-Bananen oder fordert Euren Supermarkt dazu auf, fair gehandelte Bananen anzubieten, denn so erhalten Bauern einen stabilen Mindestpreis und eine zusätzliche Prämie.
Informationen zum Bananenhandel, Videos und weitere Materialien bekommt ihr auf: www.banana-fairday.de

Dieser Artikel von Frank ist bereits in leicht anderer Form im Fairtrade-Blog erschienen.

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