Parität in der DPSG: Ein wichtiges Signal

Erschienen am 24. November 2014 in Werte & Gesellschaft

Volker Lindhauer

Volker Lindhauer

Volker Lindhauer ist Referent für Verbandsentwicklung und Jugendpolitik beim DPSG Bundesverband. Ehrenamtlich engagiert er sich in seinem Heimatstamm in Münster.

 

Die Gleichstellung der Geschlechter in Leitungsfunktionen ist eines der Grundprinzipien der DPSG. Vor dem Hintergrund vakanter Vorstandsämter bekommt das Thema neben einer politischen auch eine ganz praktische Dimension. Diese Dimensionen können jedoch nicht losgelöst voneinander betrachtet werden.

Warum Parität in der DPSG?

Die DPSG hat sich 1972 dazu entschlossen, koedukativ zu arbeiten. Um mit dieser Arbeit die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern zu verringern, ist die Parität seit 1990 ganz bewusst in der Satzung unseres Verbands verankert. Trotz dieser Verankerung ist nur ein Drittel unserer Vorstände weiblich. Je älter die Kinder und Jugendlichen in unserem Verband werden, desto weniger weibliche Leiterinnen haben sie.

Männer und Frauen werden in unserer Gesellschaft auf ganz unterschiedliche Weise sozialisiert. In einem von Männern dominierten Verband bleibt das „Empowerment“ von Mädchen und Frauen eine zentrale Aufgabe unserer pädagogischen Arbeit. In der DPSG und auch bei der Besetzung von Vorstandsämtern spielt Netzwerkarbeit eine große Rolle. Die Bedeutung männlich dominierter Gruppen dabei zu unterschätzen wäre fatal. Die paritätische Besetzung der Vorstände sendet somit ein wichtiges Signal an alle Mädchen und Frauen in unserem Verband, dass ihre Leitungsfunktion gewünscht und notwendig ist.

Trotz einer im Grundgesetz verankerten Gleichberechtigung ist es für Frauen in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens – nicht nur im ehrenamtlichen Engagement – schwieriger, Führungspositionen zu übernehmen. Mit einer Festschreibung der Parität in unserer Satzung ermutigen wir in unseren Bezügen zu einem Engagement. Mit dem Wissen um die soziologischen Hintergründe einer Ungleichberechtigung der Geschlechter eröffnet die DPSG Mädchen und Frauen ganz bewusst alle Rollenmöglichkeiten, die auch Jungen und Männern offenstehen.

 „Aufhebung der Parität ist kein Allheilmittel“

Das Zitat aus diesem Untertitel entstammt den Ergebnissen der Paritätsumfrage, mit der die AG Strukturwandel sich im Rahmen der Verbandsentwicklung nach vakanten Vorstandsämtern und möglichen Gründen dafür erkundigt hat. Diese Ergebnisse stehen allen Interessierten nun auch digital zur Verfügung.

Betrachtet man die Daten, sticht sofort die hohe Zahl der Vakanzen in Kuratenämtern auf Bezirksebene ins Auge. Kuratinnen und Kuraten fehlen nicht nur am häufigsten, sondern durchschnittlich auch am längsten. In beiden Kategorien folgt darauf das Amt der weiblichen Vorsitzenden.

Sehr auffällig ist, dass in den meisten Fällen jegliche Kandidatinnen und Kandidaten für Vorstands- oder Kuratenämter gefehlt haben und die Einschränkung der Kandidatur durch die Vorgaben der Parität keine Rolle spielt. Gleichwohl gab es auch einige Wahlen, zu denen es nur Kandidaten des jeweils anderen Geschlechts gegeben hätte.

Bei den Rückmeldungen zu den vorgeschlagenen Lösungsansätzen ergibt sich kein eindeutiges Bild. Am wichtigsten bewertet wurden die Ansätze „Delegation von Aufgaben“, „Ansprüche an das Ehrenamt senken“ und „Aufhebung der Parität“. Als durchschnittlich eher unwichtig werden eine Aufwandsentschädigung für Vorstände sowie eine Vergrößerung der Vorstandsteams gesehen.

Die Ergebnisse machen deutlich, dass die Aufhebung der Parität nicht der einzige oder gar der wichtigste Weg sein muss, um Menschen zu finden, die sich als Vorstände engagieren möchten: Besonders viele individuelle Rückmeldungen und Ideen gab es zum Tätigkeitsprofil für Vorstände und zu anderen strukturellen Fragen (Delegation, Anzahl der Vorstände). Viele sehen auch die Probleme, die durch externe Einflüsse entstehen und wünschen sich auch einen höheren Stellenwert des Ehrenamts in unserer Gesellschaft. Ich empfehle euch, selber mal in die Auswertung zu schauen!

Wie geht’s weiter? Gestalte selber mit!

Um dieses Thema, das offensichtlich so viele Gliederungen des Verbands betrifft, weiter bearbeiten  zu können, bitte ich euch: Bringt euch in die Diskussion um Parität in unseren Vorstandsämtern mit ein: Auf dpsg.ypart.eu stehen ganz konkrete Vorschläge für Satzungsänderungen, welche die AG Strukturwandel auch vor dem Hintergrund der Umfrageergebnisse erarbeitet hat. Kurz zusammengefasst:  Die Parität könnte Soll-Vorschrift werden, ausschließlich für voll besetzte Vorstände gelten, nach einer gewissen Karenzfrist oder auch unmittelbar übergangsweise aufgehoben werden. Die Lösungsansätze gibt es hier auch übersichtlich zusammengestellt.

Auf ypart soll gemeinsam diskutiert und gerne neue Ideen eingebracht werden. Mit den Ergebnissen der Beratungen wird sich im Mai 2015 die 80. Bundesversammlung beschäftigen.

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