Zeit zu handeln!

Erschienen am 11. November 2014 in Ökologie

Annika Gies

Annika Gies

Annika Gies ist Diplom-Sozialpädagogin und Bundesreferentin für Ökologie. Sie war 7 Jahre Wölflingsleiterin in verschiedenen Stämmen und Diözesen und hat als Bildungsreferentin beim BdP und bei der DPSG DV Essen gearbeitet.

 

Es wird Zeit, dass wir handeln. Es wird Zeit, dass wir mit wachen Augen hinschauen, die Veränderungen wahrnehmen, die Veränderungen unserer einen Welt, die Veränderungen in der Natur und in unserer Kultur. Wir können die Zeit nicht verstreichen lassen und hoffen, dass der Klimawandel wie ein lästiger Schnupfen vorbei geht. Wir müssen beginnen zu handeln und beginnen zu begreifen, dass unser jetziges (Konsum-)Verhalten erheblich zum Klimawandel beiträgt.

Wir gehen als Pfadfinderinnen und Pfadfinder mit wachen Augen durch diese Welt. In der Ordnung der DPSG finden sich Worte wie Verantwortung, Umweltbewusstsein und Schöpfung wieder. Diese Begriffe habe ich als Wölfling schon gehört und gespürt, dass die Pfadfinderinnen und Pfadfinder eine besondere Aufgabe haben. Auf den vielen Nachtwanderungen, Zeltlagern und Haijks wurde mir bewusst, wie viel Kraft die Natur hat und wie wertvoll die Natur für Geist und Seele ist. Wie wertvoll die Natur für unser aller Leben ist. Sie ist überlebenswichtig.

In meiner Erinnerung an all die Erlebnisse bei den Pfadfindern hatte ich nie Zweifel daran, dass wir uns für die Natur einsetzen und uns in ihr vorsichtig bewegen würden. Ich erinnere mich an die Sternenhimmel, in die ich als Wölfling blickte, wenn ich vor dem Schlafengehen noch ein letztes Mal über den Zeltplatz lief. Ich erinnere mich als Juffi daran, wie ich unter dem Sternenzelt schlief und den Mond beobachten konnte. Ich erinnere mich an meine Pfadizeit, als ich in Portugal erstmal die Wiese vom hochgewachsenen Gras entfernen musste, damit wir unsere Zelte dort überhaupt aufstellen konnten, um gemeinsam mit den portugiesischen Scouts die Zeit zu verbringen. Ich erinnerte mich an die Roverzeit, als wir in Schottland mitten im Nirgendwo wanderten und ich den See dazu nutze, mich im eiskalten Wasser zu waschen.

Diese und viele andere Erinnerungen ließen mich damals nicht daran zweifeln, dass die Natur überlebenswichtig für uns ist und ich sie schütze.

Seitdem ich mich nun beruflich und privat mit dem Thema Klimawandel und all seinen Facetten beschäftigt bin, wird mir deutlich, wie sehr mein bisheriger Lebensstil, die Gruppenstunden, Lager und DPSG-Veranstaltungen die Natur beeinträchtigt haben. Auch sie haben zum Klimawandel beigetragen. Vieles war mir nicht bewusst und ich stelle mir nun im Rückblick viele Fragen:

Wo haben wir damals eigentlich unsere Lebensmittel eingekauft? Wie oft gab es Fleisch? Wie war unser Programm gestaltet und woher hatten wir unser Material? Wie sind wir angereist? Welche Fahrtwege haben wir zurückgelegt? Wie oft sind wir hier und da kurze Wege mit dem Auto gefahren?

Wenn ich mir diese Fragen beantworte, wird mir deutlich, dass unser Handeln nur selten umweltschonend war. Durch die „Grüne Brille“, die ich seit einigen Jahren aufgesetzt habe, wird mir deutlich, dass wir in der DPSG oft gegen die Umwelt handeln und dass auch wir einen „großen ökologischen Fußabdruck“ hinterlassen. Wir verbrauchen zu viele Ressourcen. Unser ökologisches System kann diesen Verbrauch nicht auffangen und ist überlastet.

Der ökologische Fußabdruck verdeutlicht das Maß unserer Ressourcennutzung. Seit mehr als 40 Jahren verbraucht die Menschheit weit mehr natürliche Ressourcen als die Erde erneuern kann. Der Living Planet Report spricht davon, dass im Jahr 2010 der ökologische Fußabdruck 18,1 Milliarden globaler Hektar (gha) oder 2,6 gha pro Kopf betrug. Dem steht die Biokapazität der Erde von 12 Mrd. Hektar gegenüber (1,7 gha pro Kopf).

Ich mache mir keinen Vorwurf, denn ich kann sagen, ich wusste es nicht besser. Meine Leiterinnen und Leiter wussten es nicht besser und ich habe es meinen Wölflingen auch nicht besser beibringen können.
Doch nun, wo ich die grüne Brille trage und all die Facetten kenne, wo ich die Nachrichten nicht mehr überhören kann, muss ich sagen ICH WEISS ES BESSER. Ich kenne nun die Auswirkungen meines Konsumverhaltens auf die Natur. Den Klimawandel habe ich mit verursacht und trage gerade weiterhin dazu bei.

Dies ist erschreckend und all die Fakten rund um den Klimawandel haben mich zunächst überfordert. Aber nach einigen Gesprächen und der vielen neuen Ideen und Strategien, die zur Zeit in unserer Gesellschaft entstehen, sah ich, dass auch kleine Veränderungen Großes bewirken können. Es gelingt noch nicht immer, die alten Gewohnheiten und Bequemlichkeiten abzustreifen, aber ich weiß nun, dass jeder kleine Schritt zu einer Guten Tag für die Umwelt werden kann.

Für mich stellt sich nun nicht mehr die Frage, ob ich anders handeln möchte, sondern WIE ich anders handeln kann!

Und auch dies sollte die Frage aller Pfadfinderinnen und Pfadfinder in unserem Verband sein. Es ist unsere Verantwortung, die Natur zu schützen, unsere Schöpfung zu bewahren und den nachfolgenden Generationen ein sicheres Leben zu ermöglichen.

„Wir kommen unserer ökologischen und ökonomischen Verantwortung nach und setzen uns für einen sorgsamen Umgang mit der Schöpfung ein. Wir leben einfach und umweltbewusst und fordern den Einsatz für eine nachhaltig gesicherte Zukunft(…)

Ordnung der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG)

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