PEGIDA: Was können wir tun?

Erschienen am 28. Januar 2015 in Methoden für Pfadfinder

Marius Meyer

Marius Meyer

Marius ist Mitglied im Bundesarbeitskreis Internationale Gerechtigkeit. Er ist Journalist und Mitinitiator der Petition "Gegen PEGIDA und für mehr Gast>>Freundschaft".

 

Pfadfinden und PEGIDA – das geht nicht zusammen. Diese These habe ich zusammen mit Elias Weingärtner von der Jahresaktionsgruppe vor knapp einem Monat aufgestellt, und über 2000 Pfadfinderinnen und Pfadfinder haben sie bisher unterschrieben.

Auf diese Unterstützung bin ich sehr stolz, und ich bin auch sehr froh darüber. Denn für mich ist PEGIDA krass fremdenfeindlich. Ich bin nicht der Meinung, dass jeder und jede, der oder die bei einer PEGIDA-Demo mitläuft, rassistisch oder fremdenfeindlich ist. Und es ist auch sicher so, dass viele Menschen Sorgen haben, die sie auf die Straße treiben. Studien zeigen, dass es sich bei denen, die bei PEGIDA mitlaufen, vor allem aus Menschen aus der Mittelschicht handelt, die einen sozialen Abstieg befürchten. Doch selbst wenn diese Sorgen berechtigt sein können, ist es fremdenfeindlich, wenn man unter dem Stichwort „Islamisierung“ gegen Missstände demonstriert. Denn so schiebt man die Schuld für die eigenen Probleme auf Fremde, in diesem Fall Muslime. Angehörige einer Minderheit werden so zu Sündenböcken gemacht und stigmatisiert. Besonders perfide ist dies, da die bei Weitem meisten Opfer von gewalttätigen Islamisten selbst Muslime sind. PEGIDA macht Opfer zu Tätern.

Über 2000 Unterschriften gegen PEGIDA und für Gast>>Freundschaft, daraus folgt zwangsläufig eine einfache Frage: Was tun?

Die Antwort darauf ist – das wird niemanden verwundern – deutlich länger. Und eigentlich gibt es auch viele, sehr unterschiedliche Antworten. Eine Möglichkeit ist es als Pfadfinderin oder Pfadfinder auf eine Anti-Pegida-Demo zu gehen, um dort Banner zu zeigen. Wenn Ihr zwar gerne auf eine Demonstration gegen PEGIDA und für Fremdenfreundlichkeit gehen würdet, es bei euch aber keine solche gibt, könnt Ihr – vielleicht eure Roverstufe – selbst eine organisieren. Es muss auch nicht unbedingt eine Demo gegen PEGIDA sein. Vielleicht seid Ihr ja der Meinung, dass viele der „Pegisten“ berechtigte Anliegen haben. Ihr könntet eine Demo auf die Beine stellen, um diesen Menschen und auch euch selbst ein Forum zu bieten, gegen Missstände zu protestieren, ohne rechten Rattenfängern hinterher rennen zu müssen.

Eine Demo zu organisieren ist grundsätzlich nicht schwer, aber – wenn die Demo ein Erfolg werden soll – nicht wenig Arbeit. Eine Anleitung findet Ihr – am Beispiel „Vorratsdatenspeicherung“ – in diesem Wiki. Wichtig ist vor allem, dass Ihr euch Bündnispartner sucht. Für DPSG-Gruppen kommen da besonders andere Jugendverbände, der BDKJ, Kirchengemeinden und Jugendverbände von Gewerkschaften infrage. Möglich ist es auch, dass Ihr politische Parteien einbezieht. Dieser Schritt sollte allerdings gut überlegt sein, da eine Beteiligung einer Partei polarisierend wirken kann. Wenn Ihr Parteien – und deren Möglichkeiten zur Mobilisierung – mit ins Boot holen wollt, solltet Ihr mehrere ansprechen. Bei einer Demo für Fremdenfreundlichkeit sollten die meisten Parteien in der Lage sein, mitzugehen.

Aber natürlich geht es nicht nur darum, das Thema als Pfadfinderinnen und Pfadfinder in die Öffentlichkeit zu tragen. Wichtig ist es auch, dass es in eurer Gruppe, eurer Stufe, eurem Stamm und auf anderen Ebenen der DPSG behandelt wird. Dabei geht es nicht darum, zu sagen, dass PEGIDA schlecht ist, sondern darum zu zeigen, das Fremde keine Feinde sind; dass verschiedene Kulturen eine Bereicherung sind; dass andere Menschen anders ticken, aber deswegen trotzdem Menschen sind; dass christliche Werte nicht nur für Christen gelten.

Für den „theoretischen Unterbau“ kann man gut Spiele zur „interkulturellen Kompetenz“ nutzen. Beispielsweise gibt es eine schöne Sammlung auf der Internetseite des Interkulturellen Zentrums Wien, aber man kann im Netz noch viel mehr finden.

Praktisch solltet Ihr eure Kids mit Ausländern und Muslimen in Kontakt bringen, da Fremdenfeindlichkeit vor allem dort verbreitet ist, wo „Ureinwohner“ keinen oder nur wenig Kontakt zu Ausländern haben. Eine einfache Möglichkeit dafür ist es, den Bund Moslemischer Pfadfinder und Pfadfinderinnen (BMPPD) anzusprechen, der eng mit der DPSG kooperiert. Leider hat der BMPPD bisher nur fünf Stämme, in Hessen und Nordrhein-Westfalen.

Eine andere Möglichkeit ist es, mit den Kindern von Flüchtlingen Zeit zu verbringen. Ladet sie zu euren Gruppenstunden ein, organisiert Fußballturniere oder erkundet mit Ihnen eure Region. Ein Hike wäre nur eine Idee. Fragt dazu in eurem Rathaus nach, das müsste den Kontakt herstellen können. Stichworte wären hier „Ausländerbeirat“ oder „Integrationsbeauftragte“. Vielleicht gibt es aber auch in eurem Ort oder in eurer Kirchengemeinde eine Flüchtlings-Initiative. Die würde sich sicher sehr freuen, wenn Ihr euch dort meldet. Ein anderer Anlaufpunkt wären die Betreiber von Flüchtlingsheimen, allen voran die Caritas und die Diakonie. Außerdem gibt es in allen Bundesländern Flüchtlingsräte, die euch sicher gerne behilflich sind. Die Kontaktdaten findet Ihr auf dieser Seite.

Also, gebt euch einen Ruck und setzt euch ein für Gastfreundschaft und Fremdenfreundlichkeit. Meiner Meinung nach ist das für alle Pfadfinderinnen und Pfadfinder Pflicht!

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