Weihnachts- und Neujahrsbericht aus Argentinien

Erschienen am 21. Januar 2015 in freiwillig & weltwaerts

Paul Oswald

Paul Oswald

Paul Oswald ist als Freiwilliger mit DPSG und Adveniat für ein Jahr in Argentinien und berichtet hier von seinen Erfahrungen.

 

Weihnachten – das ist Schnee, leckere Plätzchen mit Glühwein, Lebkuchen, das alljährliche Zusammentreffen der ganzen Familie mit allen gewohnten Begleiterscheinungen… und gerne darf es auch ein deftiger Wildbraten mit einem würzigen Weihnachtsbockbier sein!

Argentinien_Neujahr_1-300x225Es ergibt Sinn, in einer der dunkelsten Nächte des Jahres gemütlich am Ofen zu sitzen, etwas besinnlicher als sonst zu sein und sich des einzig Grünen zu dieser Jahreszeit – des Christbaums – zu erfreuen. Auch im christlichen Sinne ist es, wenn immer mehr Kerzen des Adventskranzes Licht und Hoffnung zu dieser Jahreszeit spenden, die nahende Geburt Jesu ankündigen und endlich in der „Noche Buena“ – der Heiligen Nacht – die Freude darüber in die Häuser oder wie man hier sagt „in die Herzen der Menschen“ Einzug erhält.

Doch wie feiert man dies in einem Land, in dem die Tage auf Weihnachten zu immer länger und heißer werden?
Zunächst wird am 8. Dezember ein Plastikweihnachtsbaum aufgestellt, der nicht nur grün, sondern auch lila oder weiß sein kann. Bei uns auf der Granja zog ebenfalls Papa Noël ein, um zu schauen, ob sich die chicos auch gut verhalten, um sie dann am 24. Dezember dementsprechend zu beschenken.

Generell sind in der Weihnachtszeit „Pan dulce“ – vergleichbar mit einem Christstollen – und Mantecol sehr beliebt. Fast alle Einrichtungen wie etwa die Behindertenwerkstatt, in der David arbeitet, Kindergärten und die ganzen Kirchengemeinden feiern ihren Abschluss, bevor es im Januar/Februar in die großen Sommerferien geht, indem sie eine der lauen Sommernächte im Freien verbringen und am besten gibt es eins der berühmten argentinischen Asados.

Ebenfalls sehr beliebt sind mit Kindern einstudierte Krippenspiele, so auch beim Pfadfinderstamm „San Antonio de Padua“, den Ronja und ich immer samstags besuchen. Die große Weihnachtsfeier fand im Festsaal des Franziskaner-Klosters statt, auf dessen freizügigen Gelände sich die Pfadfinder von Padua eingerichtet haben. Zum Fest waren alle Eltern, Freunde und Geschwister eingeladen. Jeder steuerte etwas zum gemeinsamen Essen bei (Empanadas, Pizza, Cola…) und dann wurde gemeinsam gesungen, gebetet und gespeist.

Argentinien_Neujahr_2-300x225Besonders wichtig waren die von den Leitern verteilten Urkunden, wozu jedes Kind einzeln aufgerufen und vor allen Anwesenden für besondere Verdienste im Laufe des Jahres geehrt wurde. Auch Ronja und ich blieben nicht unbehelligt, wir waren die, mit der längsten Anreise. Diese Zelebration gestaltete sich bei etwa 60 Kindern durchaus ein bisschen langwierig.
Am aller wichtigsten allerdings ist für den Stamm von Padua das jährliche Krippenspiel am 4. Advent auf dem Platz vor der Klosterkirche.
Auch wenn ich mich noch so wehrte, kam ich nicht darum her rum, heuer den José, den Josef, zu spielen und Ronja die Isabell, die Cousine von Maria. Dass dies eine große Ehre ist, wurde mir erst dann bewusst, als ich beobachtete, mit welcher Ernsthaftigkeit alle bei den Proben dabei waren und wie aufgeregt alle vor der großen Premiere waren. Ich hatte mir für meine Rolle eine Tunica von einem Franziskanermönch ausgeliehen, eine Mutter verlieh uns mit Stolz ihren vier Wochen alten Säugling, der das Jesuskind spielen durfte. Für mich war es mit das schönste Erlebnis zu sehen, wie gerührt das Publikum nach unserer Aufführung war.

La Noche Buena haben alle Jungs vom Hogar und der Granja zusammen gefeiert. Zunächst wurde die Weihnachtsmesse von Padre Elvio gefeiert, der eine sehr emotionale Predigt hielt. Danach gab es das lang ersehnte Asado einer Kuh von unserer Granja. Ich hatte selbst beim Schlachten, Enthäuten, Ausnehmen und Zerlegen mitgeholfen, außerdem lehrte man mich, wie man den Grill richtig zu befeuern habe, dass das Rindfleisch nur sehr langsam vor sich hin schmorrt, sodass ich jetzt mit Stolz sagen kann, den ganzen Prozess sowie die „secretos“ des argentinischen Asados zu kennen. Nach dem Essen wartete man dann gespannt bis Mitternacht, wo ein riesen Feuerwerk veranstaltet und mit Cidre angestoßen wird, wie man es in Deutschland von Silvester her kennt. Tatsächlich unterscheiden sich Weihnachten und Silvester kaum. Der 24. Dezember ist demnach in Argentinien keine stille Nacht, sondern eine laute, lebendige Nacht, was auch eher dem Klima und der Stimmung entspricht. Freude, ob nun der Geschenke, des Feuerwerks oder doch Jesu Geburt geschuldet, wird auch hier zum Ausdruck gebracht. War für die Jungs vom Hogar das Weihnachtsfest verbindlich, da dem Padre ein gemeinsamer Jahresabschluss wichtig ist (vor allem für all jene, ohne Familie), so dürfen die Jungs Silvester mit ihren Familien, Bekannten usw. verbringen. Nach dem Feuerwerk stürmten die jüngeren Chicos zurück zur Granja, um die Geschenke von Papa Noël aufzumachen. Eine Bescherung, wie ich es in Deutschland vom Christkind kenne, gab es aber leider nicht. Die Bäuerin Wilma legte sich ins Bett, Bauer Miguel beruhigte die Pferde und die Jungs waren beim Öffnen ihrer Geschenke sich selbst überlassen. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass ihnen unser Fußball und Schachspiel trotzdem gefielen.

Argentinien_Neujahr_4-300x224Den ersten Weihnachtsfeiertag verbrachten wir dann bei Christl, unserer Mentorin. Mir ganz vertraut, gab es einen Schweinebraten mit Zwiebeln und Bockbier, welches wir anschließend bei 35°C. im kühlen Pool genossen.
So war schließlich auch mein „Corazon“ von Freude erfüllt. Am 7. Januar soll es dann mit dem Hogar in den Urlaub zum Mar del Plata gehen. Alle 40 Jungs werden dabei sein.

Ich wünsche einen ebenfalls entspannten Rutsch ins Neue Jahr,
liebe Grüße aus Argentinien
Pablo

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