Praxistipp Leiten: Das Versprechen

Erschienen am 6. Februar 2015 in Abenteuer Leiten

Stefan Schumacher

Stefan Schumacher

Stefan Schumacher ist Mitglied im Bundesarbeitskreis der Roverstufe und mitverantwortlich für den Roverteil in der "mittendrin".

 

Das Versprechen ist eines der schönsten Erlebnisse beim Pfadfinden. Diese Tradition haben wir mit Pfadfinderverbänden weltweit gemeinsam. Das Versprechen ist nicht nur ein Bekenntnis zum Pfadfinden, zur Gruppe und ihren Werten, sondern gleichermaßen ein Versprechen sich selbst gegenüber, ein selbst gestecktes Ziel zu erreichen. Das Leitungsteam kann Roverinnen und Rover beispielsweise mit einer guten Einführung des Themas und Begleitung beim Finden des Versprechenstextes unterstützen.

Die Vorbereitung

Zur Vorbereitung gehört die Entscheidung, wer bereit ist, das Versprechen abzulegen. Hierbei sind die Erfahrung mit der Gruppe und die Vertrautheit mit den Zielen und Inhalten des Pfadfindens wichtig. Um genügend Zeit zu haben, bietet sich ein Wochenende oder die Vorbereitung während eines Lagers an. Zunächst ist es wichtig, das Versprechen zu erklären. Hier ist der ‚Leitfaden Versprechen‘ der DPSG hilfreich.

Zum Einstieg können Bilder von vergangenen Versprechensfeiern und Erzählungen genutzt werden. Auch „spielerisch“ mit einer „Rover-Edition“ von Privacy oder Tabu kann man gut in das Thema Versprechen mit verschiedenen Denkanstößen und Fragen zum Pfadfinden einsteigen. Dabei können die Ziele des Versprechens erklärt und auf ein Plakat geschrieben werden, damit diese während der gesamten Vorbereitungsphase präsent sind.

Eine Struktur für den Prozess der Vorbereitung ist die Aufteilung in „Sehen“, „Urteilen“, „Handeln“. Schön ist es, für Notizen und die Formulierung des Versprechens ein kleines Notizbuch an alle Roverinnen und Rover zu verteilen, vielleicht mit einem Foto der Runde versehen.

1. Sehen

Dazu kann man ein Plakat vom Pfadfindergruß aufhängen, die drei Prinzipien der Weltpfadfinderschaft (Verpflichtung gegenüber Gott, Verpflichtung gegenüber den Mitmenschen, Verpflichtung gegenüber sich selbst) erklären und in der Gruppe diskutieren. In Kleingruppen können dann das Pfadfindergesetz und die Ordnung vor dem Hintergrund des eigenen Versprechens besprochen werden.

Die anschließenden Diskussionen darüber sind wichtig und dienen dem Verständnis der Inhalte und Ziele des Verbandes sowie bei der Beantwortung der Fragen: Warum bin ich Pfadfinderin oder Pfadfinder? Was verbindet mich mit der Gemeinschaft aller Pfadfinderinnen und Pfadfinder? Was bedeutet Pfadfinden für mich persönlich?

Wichtig ist, die Brücke zum eigenen Ich zu schlagen. Das Sehen der eigenen Stärken und Schwächen, die Wahrnehmung durch die anderen und die eigenen Werte. Hilfreich zur Sammlung der Fremdwahrnehmung ist eine angeleitete Feedbackrunde.

2. Urteilen

Das Versprechen beinhaltet ein formuliertes Ziel. Dabei können Roverinnen und Rover die Richtung der eigenen Weiterentwicklung bestimmen. Konkrete Fragen zur Hilfestellung sind: Bin ich mit mir und meinem Handeln als Pfadfinder zufrieden? Stimmt mein Handeln mit dem, was mir wichtig ist, überein? Wie würde ich gerne sein? Was will ich für mich erreichen? Was will ich bewegen?

3. Handeln

Die Roverinnen und Rover, die das Versprechen ablegen möchten, sollen nun konkret formulieren, wie sie das Ziel erreichen wollen. Dies ist natürlich bei abstrakt formulierten Zielen schwieriger als bei sehr konkreten. Nun schreibt jede und jeder Einzelne den Text, den sie oder er bei der Versprechensfeier vortragen möchte.

Die Durchführung

Die Einbindung der gesamten Runde, vor allem in Hinblick auf die Durchführung der eigentlichen Versprechensfeier in einem passenden Rahmen, ist ein sehr wichtiger Teil. In der Roverstufe bietet sich die Möglichkeit, einen ungewöhnlichen Ort aufzusuchen, wie zum Beispiel eine Höhle. Feuer, Fackeln oder Kerzen und etwas Besonderes zum Essen und Trinken sorgen für eine stimmungsvolle Atmosphäre.

Die äußeren Zeichen

In vielen Stämmen ist es Tradition, nach Ablegen des Versprechens das rote Halstuch und die Stufenlilie zu überreichen. Dieses äußerliche Zeichen zur Aufnahme in die Roverstufe kann zum Beispiel durch ein eigenes Symbol der Runde, einen vorher gemeinsam erstellten Halstuchknoten oder ein gemeinsames Halstuch noch verstärkt werden. Damit bleiben das Versprechen, und
hoffentlich auch das Versprochene, noch besser in Erinnerung.

Thema wieder aufgreifen

Das Versprochene soll die Roverinnen und Rover durch die Roverzeit begleiten. So kann das Thema in der Runde noch einmal aufgegriffen werden. Nach einiger Zeit kann man sich gemeinsam in der Gruppenstunde die Fotos der Versprechensfeier ansehen und anschließend kurz über die seitdem vergangene Zeit reflektieren. Jeder kann dabei sein eigenes Ziel wieder hervorholen und überprüfen, was sich seitdem verändert hat oder ob sogar noch weitere Aspekte dazugekommen sind.

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