Wie treffe ich eigentlich einen Flüchtling?

Erschienen am 21. April 2015 in Allgemeines

Markus Weber

Markus „Maggi“ Weber ist Mitglied der Jahresaktionsgruppe 2015 „Gast>>Freundschaft“ und engagiert sich für eine Willkommenskultur für Flüchtlinge in Deutschland.

 

Flüchtlinge sind überall. Also sollte es doch ein leichtes sein, Flüchtlingen zu begegnen. Markus „Maggi“ Weber, Mitglied der Jahresaktionsgruppe, hat es in der Vorbereitung der Jahresaktion ausprobiert. Er musste dabei feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, mit Flüchtlingen in Kontakt zu treten.

Während der Planung für die Jahresaktion saß ich mit zwei unserer Mit-Organisatorinnen beim Eis essen.  Am Tisch nebenan setzte sich ein junger Mann und je intensiver wir uns über das Thema Flüchtlinge austauschten, desto näher rutschte er zu uns herüber, bis er uns schließlich fragte, worüber wir uns unterhalten würden. Nach einem kurzen Gespräch stellte sich heraus, dass Peter im Kreistag sitzt und sich zusammen mit einigen Freiwilligen für die Rechte von Flüchtlingen stark macht. Zwei Tage später saß ich an Peters Seite  bei einem der Treffen des lokalen Initiativkreises für Flüchtlingsarbeit. Und weitere zwei Wochen später trafen wir einige der Flüchtlinge in einem der regelmäßig stattfindenden Flüchtlingscafés.

 Wie trete ich in Kontakt mit Flüchtlingen?

Zugegeben, nicht immer ist es so einfach, mit geflüchteten Menschen in Kontakt zu kommen, viel schwieriger allerdings auch nicht! Bei unserer Recherche zum Thema Gast>>Freundschaft haben wir festgestellt, dass es in fast jeder Stadt  Organisationen und private Initiativen gibt, die sich mit dem Thema Flucht auseinandersetzen und mit Flüchtlingen in Kontakt stehen. Falls ihr auf der Suche seid, probiert es einmal mit folgenden Mitteln:

a)      Vor Ort: In euren Gemeindehäusern, Kirchen, auf dem Landratsamt oder im Rathaus werdet ihr auf Hinweise stoßen. Oft stolpert ihr auch über Beiträge zum Thema Flucht im Lokalteil eurer Zeitung oder es gibt Vorträge  zum Thema in der Volkshochschule.

b)      Im Internet: Nutzt die Suchmaschinen und fragt das Internet nach lokalen Initiativen in eurer Stadt. Oft findet ihr auch Infos auf den Homepages eurer Rathäuser und Bürgerbüros.

c)       Bei Organisationen: Besucht die Seiten von ProAsyl, der Caritas, oder des UNHCR und sucht gezielt nach Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner und Möglichkeiten in eurer Region. Mehr dazu findet ihr in unserem Begegnungsleitfaden.

Der nächste Schritt

Wenn ihr Ansprechpartner ausfindig gemacht habt, dann fragt nach der Möglichkeit, als interessierte Pfadfinderinnen und Pfadfinder mit Flüchtlingen in Kontakt zu treten. In der Regel gibt es Flüchtlings-Cafés, Arbeitskreise oder andere, regelmäßige Treffen, bei denen ihr ganz unkompliziert dazukommen könnt. Ich bin sicher, jede und jeder wird mit offenen Armen empfangen! Wenn der erste Schritt geschafft ist, werdet ihr mit Menschen zusammensitzen, die viele schlimme Geschichten erlebt haben, bevor sie nach Deutschland gekommen sind. Flüchtlinge sind meist aufgeschlossen und freuen sich über Kontakt zu euch, allerdings gibt es einige Dinge, auf die ihr euch vor einem Treffen vorbereiten solltet.

Sprachbarrieren überwinden

Das erste, was mir bei meinem Treffen aufgefallen ist, war die Sprachbarriere. Denn natürlich war ich wenig geübt in Arabisch, Syrisch oder Iranisch und irgendwie hatte ich gar nicht darüber nachgedacht, dass die Flüchtlinge auf der anderen Seite natürlich auch nicht fließend Deutsch sprechen. Ich musste also auf Französisch und Englisch zurückgreifen, um eine Konservation zu beginnen. Oft stehen euch aber auch andere Flüchtlinge zur Seite, die geübt in Deutsch oder Englisch sind und euch als Dolmetscher unterstützen können. Falls ihr nicht so gut in Fremdsprachen seid oder eure Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner nicht so geübt in Englisch, funktioniert auch die Verständigung mit Händen und Füßen sehr gut.

 Themen vorbereiten

Als ich zum ersten Mal mit Muzoon zusammen saß und meine ersten Sätze ausgetauscht hatte, wusste ich, dass Muzoon 36 Jahre alt ist und aus Syrien stammt. Und Muzoon wusste, ich bin Maggi, 33 Jahre alt und Pfadfinder. Aber leider war es das auch, denn nach den ersten Sätzen gingen mir die Themen aus. Eigentlich wollte ich Muzoon fragen, woher aus Syrien er kommt, musste allerdings feststellen, dass ich mich überhaupt nicht mit Syrien auskenne. Und Muzoon zu fragen, weshalb er nach Deutschland gekommen ist und wie seine Reise verlaufen sei, wäre keine gute Idee gewesen.  Zum Glück fiel mir doch noch ein spannendes Thema ein und ich erzählte Muzoon, dass ich Fußballfan bin. Wir plauderten den ganzen Abend über Fußball, die Weltmeisterschaft und Borussia Dortmund.

Mein Tipp für ein Treffen mit Flüchtlingen ist daher: Sucht euch im Vorfeld eines Treffens zwei, drei Themen aus, zu denen ihr euch mit den Flüchtlingen austauschen könnt und bereitet euch auf diese Themen vor. Und zuletzt gilt natürlich: Seid offen und ehrlich, dann werdet ihr und eure Gegenüber einen tollen Austausch genießen!

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2 Responses

  1. Marius

    Marius

    23. April 2015: Ich habe beruflich und auch privat oft mit Flüchtlingen zu tun, besonders aus Syrien. Ein Thema, das immer funktioniert, ist Familie. Habt einfach ein paar Fotos dabei. Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass man sehr wohl über Ursachen und Umständen der Flucht reden kann. Die Menschen sind oft froh, wenn sich mal jemand dafür interessiert. Man muss ein bisschen sensibel sein und darauf achten, ob es zu viel wird – wobei es oft eher den Zuhörer als den Flüchtlingen zu viel wird.

     
  2. Webdesign Göttingen

    19. Januar 2016: Sehr interessanter Beitrag, vorallem in diesen Zeiten. Aus Schulzwecken, bin ich auch mal mit Flüchtlingen in Kontakt getreten, Gespräch verlief relativ normal und war auch sehr interessant zu erfahren, wie und warum sie eigentlich geflüchtet sind. Auf jeden Fall ein sehr wertvoller Beitrag! Weiter so!