Pfadfinden ganz anders

Erschienen am 5. Mai 2015 in freiwillig & weltwaerts

Ronja Iffland

Ronja Iffland

Ronja Iffland ist als Freiwillige mit DPSG und Adveniat für ein Jahr in Argentinien und berichtet hier von ihren Erfahrungen.

 

Panaderia 5.11 (1)Es tuyo? – “Ist das dein Sohn?”, fragen sie mich. “Welches Kind gehört denn dir?” und viele ähnliche Fragen höre ich. Jeden Tag helfe ich im Kindergarten und seit dem neuen Jahr sind wieder viele neue Kinder dabei. Gerade die Zwei- und Dreijährigen werden noch oft von ihren Müttern begleitet, die nicht selten in meinem Alter sind. So ist die Frage nach meinen Kindern wohl nicht ganz unberechtigt. Meine Antwort ist simpel, für sie allerdings immer verwirrend und unverständlich: Ich habe keine Kinder! ”Aber du bist doch schon 18.”, “Oder hast du deine Kinder in Deutschland gelassen?” Da muss ich schon genauer erklären, was ich in Argentinien tue und wieso auch noch freiwillig und dass es durchaus normal ist in Deutschland, mit 15 oder 18 Jahren noch kein Kind zu haben.

Und während ich bei den Kleinsten versuche, dass sie nicht durchgehend weinen und schreien und dass keine Farbe oder Knete gegessen wird, lernen wir mit den älteren Kindern Farben oder geometrische Formen. Gerne machen wir auch kleine Ausflüge wie zum Beispiel in die Bäckerei nebenan. Und wie man es kennt, ist das nicht immer die einfachere Aufgabe, denn Kinder sind auf der ganzen Welt gleich…

Der Herbst, der Herbst, der Herbst ist da

Aber wie ist der Herbst denn so? Ich würde es so beschreiben: Es sind auf einmal die Blätter runtergefallen. Ja, mehr hat sich nicht getan. Nachdem wir aber im Hochsommer zu Weihnachten weiße Plastikbäume aufgestellt haben, hängen wir nun zu Ostern Papierblumen auf. Es ist schon merkwürdig, krampfhaft die europäische Kultur bei verdrehten Jahreszeiten durchzusetzen.

Für etwas Verwirrung haben wir dann in der Osternacht gesorgt. Mit einem Osterfeuer auf der Straße vor der Kirche hat die Gemeinde die Osternacht in einem Gottesdienst gefeiert und zum Schluss haben wir bemalte Ostereier verteilt. Es waren geradezu Überraschungseier, denn niemand rechnet mit einem echten Ei. Jeder ist bloß Schokoladeneier gewöhnt; eine Freude war es dennoch.

2014-10-25 (32)Der Samstagnachmittag ist für jeden Pfadfinder in ganz Argentinien für die Gruppenstunde reserviert. Jede Woche treffen wir uns mit dem ganzen Stamm zur Gruppenstunde, welche den ganzen Nachmittag dauert.
Es beginnt immer mit dem Schlachtruf, der als Begrüßung und auch als Verabschiedung dient. Dieser Schlachtruf fasziniert mich jedes Mal aufs Neue! Ich müsste ihn mal filmen. Alle Stammesmitglieder stehen in einer Vierecks-Formation beisammen, wobei eine Seite offen bleibt, welche zur eben gehissten Fahne zeigt. Jede Kleingruppe hat nun ihren eigenen Ruf und die Wölflinge beginnen. Es folgen einige einzelne Rufe, danach ruft die Gruppe zusammen und die Jungpfadfinder folgen mit ihren Rufen usw. Das ganze dauert demnach seine Zeit! Es folgt ein Nachsprech-Gebet, das aus fünf einzelnen Teilen besteht; jede Stufe sowie die Leiter sprechen einen Teil vor.

Haben wir uns nun begrüßt, geht es in den einzelnen Stufen in die Gruppenstunde, bis wir uns zur Medienda um fünf Uhr wieder zusammensetzen und Saft und Kekse genießen.

Für mich ist somit das Pfadfinden in Argentinien ganz anders als in Deutschland.

Kommentar hinterlassen:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.