Am Lagerfeuer mit Philip Heßen

Erschienen am 24. Juli 2015 in Am Lagerfeuer mit...

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Philip ist Pfadfinder aus München und seit 1988 bei der DPSG. Er ist seit der Wölflingsstufe dabei und war unter anderem Leiter im Stamm St. Ansgar und Diözesanvorsitzender in München-Freising. Aktuell engagiert er sich im Vorstand der Stiftung der DPSG. Philip hat BWL studiert und arbeitet heute als Leiter Total Rewards beim Pharma-/Chemiekonzern Merck in Darmstadt.

Philip, was macht ein “Leiter Total Rewards”? Wann wusstest du, dass du das werden willst? Wie hast du dich dafür entschieden?
Rewards umfasst grundsätzlich alles, was die Vergütung und Nebenleistungen der Angestellten eines Unternehmens betrifft. Also Themen wie Vorstandsvergütung, Bonussysteme, Einstufung in Hierarchiegruppen und vieles mehr. Dazu ist eines meiner Teams noch verantwortlich für den Bereich Auslandsentsendungen. Hier ermöglichen wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die für eine bestimmte Zeit ins Ausland gehen, einen reibungslosen Ablauf, vor allem bei rechtlichen Fragestellungen. Eine ähnliche Thematik habe ich noch in einem anderen Team in meiner Organisation, das sich um die obersten Führungskräfte und deren personaltechnischen Belange kümmert. Zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn hatte ich keine Ahnung, dass es eine solche Aufgabe im Personalbereich überhaupt gibt. Mein beruflicher Weg war immer geprägt von Aufgaben, die mir die Möglichkeit geben, etwas zu verändern und mir einen großen Gestaltungsspielraum bieten.

Wie finde ich heraus, welcher Beruf für mich geeignet ist? Was sind deine Tipps für ein geeignetes Vorgehen, wenn das Ende der Schulzeit naht?
Wachsam sein und überlegen, was einem Spaß macht. Die Karriere kommt dann automatisch. Erst im Nachhinein kann ich besser erklären, warum ich wann welchen Schritt in meiner beruflichen Laufbahn gemacht habe. Eines wusste ich aber immer, ich wollte Führungskraft werden, weil ich derjenige sein wollte, der Dinge verändern kann. Konkrete Tipps: Viele Gespräche mit Familienmitgliedern, und Freundinnen und Freunden darüber führen. Dann aber auch nach einer bestimmten Zeit eine Entscheidung fällen.

Für wen ist deiner Meinung nach ein Studium, für wen ein Duales Studium oder eine Ausbildung das Richtige?
Eine Ausbildung ist immer perfekt, um das Grundwerkzeug für einen Beruf zu erlernen. Wer Lust hat, intensiv wissenschaftlich und mit einem großen theoretischen Hintergrund in ein Thema einzutauchen, sollte ein Hochschulstudium starten. Ein Duales Studium, ebenso wie ein Studium an einer Fachhochschule, ist für diejenigen spannend, die eine gute Mischung aus Theorie und Praxis wollen. Den klassischen Weg gibt es nicht.

Was sollte ich mitbringen, wenn ich mich in einem großen Unternehmen wie Merck bewerbe? Wie wichtig sind meine Schulnoten?
Auf jeden Fall ist eine ausgewogene Persönlichkeit das Allerbeste. Meines Erachtens ist das sehr selten – aber dafür das, was wir Pfadfinderinnen und Pfadfinder am allerbesten drauf haben. Die Entwicklung in den Altersstufen und die Leiter-Ausbildung bilden hier ein wesentliches Fundament. Schulnoten sind dann die zweite Komponente, denn große Firmen wollen Menschen, die fachlich gut sind und sich engagieren können. Zeigt also, wie ihr euch engagiert und was euch als Person besonders macht.

Ich möchte nach dem Abitur erstmal etwas von der Welt sehen und einen Rucksacktrip durch Australien machen. Ist das für zukünftige Arbeitgeber ein Problem?
Das ist sogar eine wunderbare Idee, die dich als Person reifen lässt. Mach das aber nicht nur, weil das Reisen so lustig ist, sondern ergreif die Chance und lerne andere Menschen und Kulturen kennen. Dann kannst du deutlich besser entscheiden, was du willst. Merck und die meisten Firmen werden das gut finden, sofern es sich dann auch in deinem Wesen zeigt, du reifer bist und vom Leben mit der Demut der Auslandserfahrung berichten kannst. Ich glaube auch fest daran, dass es gut ist, sich nach der Schule sozial zu engagieren, um Freiraum im Kopf zu schaffen und gute Entscheidungen heranreifen zu lassen.

Was macht eine gute Bewerbung für dich aus? Was sind Erfolgsfaktoren und absolute „No-Gos“ aus deiner Sicht?
Das Wichtigste ist eine ordentlich aufgebaute Bewerbungsunterlage. Ob online oder als Papierunterlage, es muss zu der Firma und zum Beruf passen. Denn es ist ein großer Unterschied, ob du dich als Produktdesigner, als Redakteurin oder als Industriekauffrau bewirbst. Rechtschreibfehler, fehlende Unterlagen und nicht erklärte Lücken im Lebenslauf fallen auf und sind zu vermeiden. Sei nicht irritiert, wenn dein Engagement bei den Pfadfindern nicht jeder versteht und stell dich drauf ein, dass du das kurz erklären musst.

Wie sieht die perfekte Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch aus? Wie schafft man es, ruhig zu bleiben?
Das allerwichtigste ist sich vorzubereiten. Schau dir umfangreich die Internetseiten der jeweiligen Firma an und interessiere dich für das was die Firma macht. Wenn du die Firma nicht interessant findest, bewirb dich nicht!

Ich habe mir folgende Punkte als Leitfaden bereitgelegt:
1. Kenntnisse über die groben Rahmendaten der Firma
2. Namen der Personen merken, die dich zum Vorstellungsgespräch einladen
3. Kurze Beschreibung warum du diesen Job machen möchtest. Wichtig ist hier sehr konkret zu sein und auf den Punkt zu kommen. Eventuell ein paar Beispiele nennen, wie du dir die zukünftige Tätigkeit vorstellst.
4. Kurze Skizzierung, was du für eine Person bist und mit was du in deine Freizeit verbringst.
5. Überlege dir drei bis fünf Sätze auf die Frage, warum du der oder die Richtige für die Firma bist
6. Mir hat es immer wieder geholfen zur Vorbereitung ein Selbstgespräch zu führen und mir das Vorstellungsgespräch bildlich vorzustellen. So habe ich trainieren können, was ich sagen will und Sicherheit im Sprechen bekommen. Natürlich könnt ihr das auch zusammen mit einer Freundin oder einem Freund machen.
7. Eine andere Idee ist auch einen Notizzettel anzufertigen. Du wirst diesen nie im Gespräch verwenden, aber alleine die Vorbereitung ermöglicht es dir deine Gedanken zu strukturieren und damit vorbereitet zu sein.
8. Besonders wichtig erscheint mir das äußere Erscheinungsbild. Geputzte Schuhe sind ebenso wichtig, wie der Firma oder dem Berufswunsch angepasste Kleidung. Das heißt nicht, dass jedes Vorstellungsgespräch im Anzug stattzufinden hat. Aber ein gepflegtes Äußeres macht halt schon den ersten guten Eindruck, ebenso wie ein stabiler Händedruck und eine freundliche, in die Augen schauende Begrüßung.

Wie kann ich mit meinen Erfahrungen als Pfadfinder punkten? Interessiert das meinen zukünftigen Arbeitgeber oder meine Hochschule überhaupt?
Ja, das ist sogar sehr interessant und zeugt von deinem Engagement. Sei aber nicht enttäuscht, wenn nicht jeder deine Lagerfeuerromantik nachempfinden kann. Es gibt Gesprächspartner, die wollen gleich mehr wissen, während manche den Schwerpunkt auf andere Themen legen. In jedem Fall wird man immer sehen, dass du eine Pfadfinderin oder ein Pfadfinder bist. Das wirst du durch deine Freundlichkeit, dein Engagement und deine Bereitschaft, Neues zu wagen, zum Ausdruck bringen. Überleg dir vorher ein paar Eckpunkte, was du deinem Gesprächspartner über deine Erfahrungen beim Pfadfinden erzählen möchtest. Bleib kurz und klar und komm nicht ins Plaudern. Berichte von der gelernten Verantwortungsübernahme und bring ein Beispiel, wie du mit einer herausfordernden Situation umgegangen bist.

Was ist, wenn ich herausfinde, dass meine Entscheidung falsch war?
Dann entscheidest du dich, etwas anderes zu machen. Es ist vollkommen normal, dass nicht jede „erste“ Entscheidung gleich ein großer Erfolg ist. Aber zu schnell aufgeben ist auch nicht gut. Ausbildung, Studium, Beruf – das ist etwas vollkommen anderes als in die Schule zu gehen. Hier braucht es deinen pfadfinderischen Mut, eine Phase durchzustehen, wie etwa ein verregnetes Pfingstlager. Wenn aber das ungute Gefühl anhält, dann nimm Kontakt zu guten Gesprächspartnern auf und reflektiere deine Gedanken. Auf jeden Fall ist es wichtig, nach deiner Entscheidung deiner Fima oder Hochschule ordentlich „Auf Wiedersehen“ zu sagen, um fair einen anderen Weg einzuschlagen.

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One Response

  1. Nils

    24. Juli 2015: Sehr interessant. Ich kann nur sagen, dass Erfahrung bei den Pfadfindern sehr hilft. Im besten Fall kann man damit Punkten, dass man organisatorische Faehigkeiten hat (z.B. groessere Events, Meetings, Leiterrunden etc.) und man auch das Zeug hat mal ein Meeting zu leiten und vor allem mit verschiedenen Charakteren umzugehen. Man sollte, denke ich nicht zu viel ueber die Lagerfeuerromatik sprechen :) Ein Kommentar noch zum Reisen. Eine laengere Reise kann gut sein. Aber fast jeder wird im Job Interview fragen, warum man gereist ist. Hier sollte man sehen, dass man eine Verbindung zu Studium, Beruf oder aehnliches herstellen kann. Ausserdem sollte man auch erzaehlen koennen, wie einem die Reise neue Dinge gelehrt hat, die eventuell beim Job helfen koennen.