Der Streit auf der Klimakonferenz – Worum geht es da genau?

Erschienen am 4. Dezember 2015 in Ökologie

Simon Weihofen

Simon Weihofen

Simon ist seit den Wölflingen Mitglied in der DPSG. Er war Gruppenkind und Leiter im Stamm Phoenix St. Anna Rheinberg und Mitglied des Rover-AKs im Bezirk Niederrhein-Süd. Seit 2013 ist Simon Mitglied im Bundesarbeitskreis Ökologie.

 

Seit 1995 treffen sich jedes Jahr die Vertreterinnen und Vertreter der internationalen Staatengemeinschaft zur UN-Klimakonferenz um über Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels zu diskutieren. Abgesehen vom Kyoto-Protokoll und vom wenig erfolgreichen Nachfolger Kyoto II ist in über 20 Klimakonferenzen nicht viel dabei raugekommen. Stellt sich die Frage, warum es eigentlich so schwierig ist, sich auf ein gemeinsames Ziel zu einigen? In der Klimapolitik gilt allgemein das sogenannte Verursacher-Prinzip. Das besagt nichts anderes, als dass derjenige, der den Klimawandel verursacht hat, auch für dessen Bekämpfung verantwortlich ist. Stellt sich also die Frage:

Wer ist eigentlich schuld am Klimawandel?

Grafik1Treibhausgasemissionen sind schuld am Klimawandel. Sie entstehen durch die Erzeugung von Strom zum Beispiel bei Verbrennungsprozessen in Kohlekraftwerke, bei der Produktion von Konsumgütern zum Beispiel bei der Herstellung von PVC. Aber auch durch unser Mobilitätsverhalten, wenn wir mit dem Flugzeug, dem Bus, dem Auto dem Motorrad und so weiter fahren und durch die Landwirtschaft. Kurzum, wir Menschen sind schuld am Klimawandel. Je mehr Menschen auf der Erde leben, umso höher ist die Umweltbelastung und umso dramatischer sind die Folgen des Klimawandels. Allerdings ist nicht jeder Mensch gleich viel schuld am Klimawandel. Generell verursacht ein Mensch aus einem Industrieland mehr CO2-Emissionen als ein Bürger eines Entwicklungslands, wie die Grafik rechts veranschaulicht das.

Wirtschaftswachstum und Treibhausgase

Grafi2Auf der Klimakonferenz ist die Diskussion um die Reduktion der Treibhausgase eng verknüpft mit dem Wirtschaftswachstum eines Landes. Eine vom Ökonom Simon Kuznets abgewandelte Theorie besagt, dass die Umweltverschmutzung mit steigendem Wirtschaftswachstum zunächst ansteigt und später abfällt (siehe Grafik links). Als Beispiel hierfür dient etwa die Industrialisierung Europas im 19. Jahrhundert oder die jüngste wirtschaftliche Entwicklung Chinas. In beiden Fällen war das Wirtschaftswachstum mit erheblichen Umweltbelastungen (etwa durch die Stromerzeugung aus Kohle) verbunden. In Europa fokussieren sich Politiker bereits seit längerem auf den Ausbau von erneuerbaren Energien und die Reduktion von Treibhausgasemissionen, wie etwa durch den Handel von Emissionszertifikaten. In China führte die dauerhafte Smog-Belastung in Großstädten erst vor kurzem zu einem Umdenken der Regierung und zu ersten Bemühungen, Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen.

Industrienationen – Die historische Schuld am Klimawandel

Entscheidend in der Debatte ist also nicht nur, welches Land heutzutage wie viele Tonnen Treibhausgase emittiert, sondern wer in der Vergangenheit bereits welche Mengen emittiert hat. China emittierte im vergangen Jahr mit rund 30% den größten Anteil der globalen Treibhausgasemissionen. Blickt man jedoch weiter in die Vergangenheit, so sind es die heutigen Industrienationen (zu denen auch Deutschland zählt), die unterm Strich am meisten Treibhausgase emittiert haben und somit die historische Hauptschuld am Klimawandel tragen. Die Zeitschrift „Die Zeit“ bietet in diesem Zusammenhang eine informative Übersicht über die historischen Emissionen ausgewählter Industrienationen im Vergleich zu Entwicklungs- und Schwellenländern.

Die Forderungen der Entwicklungsländer

Die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes ist also entscheidend für die Emission von Treibhausgasen. Generell möchten die Regierungschefs aus Entwicklungsländern ihrem Bürgern jeden Wohlstand ermöglichen, der auch in den Industrienationen vorherrscht. Sie fürchten, dass Maßnahmen zur Begrenzung von Treibhausgasemissionen das Wirtschaftswachstum, was zunächst mit einer hohen Umweltbelastung einhergehen würde, verhindern könnten. Daher fordern sie von den Industrieländern, umweltfreundliche Technologien günstig zur Verfügung zu stellen, sodass der geplante wirtschaftliche Aufschwung eben nicht mit einer hohen Umweltbelastung einhergeht. Hinzu kommt, dass viele Entwicklungsländer in Regionen liegen, die von den Folgen des Klimawandels betroffen sind. So leiden Menschen in Bangladesch schon heute unter dem Anstieg des globalen Meeresspiels, der bei Sturmfluten verheerende Folgen verursacht, aber auch lange Dürreperioden in Afrika oder zerstörende Wirbelstürme in Asien sind Folgen des Klimawandels. Daher fordern Entwicklungsländer von den Verursachern des Klimawandels, also den Industrieländern, finanzielle Entschädigungen für die entstandenen Schäden. Diese genau zu beziffern ist natürlich sehr schwierig und so wird auf Klimakonferenzen kontrovers diskutiert. Die Infografik „Betroffenheit vom Klimawandel“aus der Huffington Post verdeutlicht dies eindrücklich.

Die Forderungen der Schwellenländer

Schwellenländer, wie China und Indien, befinden sich bereits in einer Phase des Wirtschaftswachstums. Sie verursachten in 2014 zusammen rund ein Drittel der globalen Treibhausgasemissionen. Beide Länder verweisen ebenfalls gerne auf die historische Schuld von Industrieländern am globalen Klimawandel. Außerdem pochen sie auf das Recht sich ebenfalls wirtschaftlich weiterentwickeln zu dürfen und somit der eigenen Bevölkerung zu Wohlstand zu verhelfen. Auch sie fordern von den Industrieländern Hilfe im Kampf gegen den Klimawandel etwa durch den Transfer von umweltfreundlichen Technologien oder durch Finanzhilfen.

Das Fazit

Auf den Weltklimagipfeln sind sich alle Beteiligten einig, dass es den Klimawandel gibt. Außerdem herrscht mittlerweile ein Konsens darüber, dass man den Klimawandel durch die Reduktion der Treibhausgase bekämpfen kann. Allerdings sind die Teilnehmer immer wieder tief darüber verstritten, welches Land wieviel Schuld am Klimawandel hat. Folglich geht es zum einen darum, welches Land wieviel Tonnen Treibhausgase bis wann reduzieren muss. Die Höhe der zu reduzierenden Treibhausgase kommt hier der Höhe der Schuld am Klimawandel gleich. Zum anderen geht es aber auch darum, welchem Land wieviel Entschädigung als Folge des Klimawandels zusteht. Auf der einen Seite wird natürlich darum gestritten, welches Land wieviel Entschädigung zahlen muss und welches Land wieviel Entschädigung erhält. Außerdem pochen alle Schwellen- und Entwicklungsländer auf das Recht auf Wirtschaftswachstum, wohingegen die bereits entwickelten Industrienationen um ihren Reichtum fürchten. Die große Debatte auf den Klimakonferenzen ist neben dem Umweltschutz also auch immer eine Debatte um Gerechtigkeit, Wohlstand und Finanzen.

Hier geht es zum 1. Teil der Serie:
Die Klimakonferenz in Paris – Warum ist sie so wichtig?

Kommentar hinterlassen:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.