Freiwilligendienst: Ein Abenteuer in Bolivien

Erschienen am 8. Dezember 2015 in Abenteuer Pfadfinden

Christina Gädtke

Christina Gädtke vom Stamm Witta aus Witzenhausen ist 19 Jahre alt und verbringt als Freiwillige der DPSG und Adveniat ein spannendes Jahr in La Paz.

 

Mein Leben hier kann man grob in zwei Bereiche einteilen: Arbeit und Freizeit. Ich arbeite jeden Nachmittag von 14 bis 18 Uhr in der Ludoteca. Das ist eine Art Hort, den hier die Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus dem Distrikt La Paz aufgebaut haben. Finanzielle Unterstützung bekommen sie aus Dänemark. Mit mir arbeiten dort eine Erzieherin und zwei bolivianische Freiwillige. Die Eltern der Kinder, die in die Ludoteca gehen, arbeiten auf einem nahegelegenen Markt. Dort bieten sie den Passanten Mittagessen oder Sandwich an ihren Ständen an. Damit die Kinder nicht den ganzen Tag unbeaufsichtigt zwischen den Ständen oder auf der Straße spielen, holen wir sie jeden Tag ab und bringen sie abends wieder zurück.

Spielen und Tanzen

Am Nachmittag spielen, tanzen oder basteln wir mit den Kindern. Jedes Kind hat sein eigenes Niveau. Zum einem, weil sie zwischen zwei und zwölf Jahren alt sind und zum anderen, weil sie zu Hause unterschiedlich viel beigebracht bekommen. Zusätzlich haben wir noch zwei Kinder dabei, die geistig behindert sind. Aber das klappt alles gut. Entweder die Kinder helfen sich gegenseitig oder wir „Profesoras“, wie wir hier genannt werden, helfen. Freitags ist dann Filmtag. Ich kenne jetzt also viele Kinderfilme.

Kleinkinderbetreuung vormittags

Vormittags arbeite ich in einer Krabbelstube. Dort bin ich in einer Gruppe mit 16 Dreijährigen und einer Erzieherin. Allerdings ist noch eine andere Gruppe mit 18 drei- bis vierjährigen und zwei Erzieherinnen im gleichen Raum. Ich bin also den ganzen Vormittag mit Streitschlichten, Essensaufsicht oder -hilfe, auf Toilette gehen und hin und wieder spielen beschäftigt. Das ist durchaus stressig, aber die Arbeit macht mir Spaß. Momentan üben wir zum Beispiel mit den allen Kindern aus beiden Gruppen einen Tanz für Weihnachten.

Pfadfinden in Bolivien

In den vergangen drei Monaten hatte ich auch Zeit, in verschiedene Gruppenstunden und Lager reinzuschauen. Unter anderem war ich bei einer Wölflings-Übernachtungen dabei. Es wird im Haus eines Leiters gespielt und geschlafen. Abends fand eine Versprechens-Feier statt. Das Versprechen ist hier anders, als bei uns. Vor der Gruppe werden bestimmte Pfadinder-Gesetze abgefragt und der Versprechens-Text ist für alle der gleiche. Für mich klang der so patriotisch, dass ich sofort verstanden habe, warum wir den in Deutschland nicht mehr haben. Ich muss sagen, dass mir unser Versprechen doch besser gefällt, weil es persönlicher ist und man sich mehr mit sich selber beschäftigt und nicht bloß Treue und auf die Gesetze schwört.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Die Jungpfadfinderstufe sind hier nur insoweit anders, dass sie in Patrouillen aufgeteilt sind. Das sind kleine Gruppen von circa fünf Personen innerhalb eines Trupps. Die Pfadfinderstufe geht von von 15 bis 18 Jahren und deswegen ist manchmal eher wie in einer Roverrunde. Ich bin hier in einer Roverrunde gelandet, die mir sofort gut gefallen hat. Die Roversufe ist hier tatsächlich anders, denn sie geht von 18 bis 22 Jahre. Außerdem nennen sie sich Gemeinschaft und man muss darin aufgenommen werden, mit Aufnahmeprobe und allem. Gar nicht so einfach, sich an diese Sachen zu gewöhnen, aber ansonsten sind die Rover hier sehr aktiv.

Projekte mit der Roverstufe

Sie machen viele Projekte wie zum Thema sexuelle Aufklärung auf dem Land, Wiederbeforstung, Durchfallvorsorge und Behandlung auf dem Land oder ein Projekt zur Verschönerung einer Brücke mit aufmunternden Schildern, weil dort viele Personen durch Springen Suizid begehen. Außerdem ist es hier gängig, dass Pfadfinder- und Rover-Runden ein oder zwei Wochen im Diözesanzentrum leben, um zu lernen ohne Eltern zurechtzukommen. Sie gehen währenddessen ganz normal in die Schule, Uni oder zur Arbeit, nur dass sie zusammen wohnen und ohne Eltern. Wem die Idee gefällt, kann das gerne auch in Deutschland ausprobieren. Ich hatte hier sehr viel Spaß in den zwei Wochen mit der Roverrunde und sie lernen tatsächlich etwas. Man merkt es daran, dass es in der zweiten Woche sauberer ist und das Essen besser schmeckt.

Aktionen in der Diözese

Auf Diözesanebene gibt es ebenfalls Projekt: Zum Beispiel den Clean-up: Circa 600 Pfadfinderinnen und Pfadfinder haben in La Paz die Menschen über verschiedene Problematiken der Umweltverschmutzung aufgeklärt. Viele Stämme hier in der Diözese haben auch am Jota/Joti teilgenommen, bei dem Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus aller Welt über das Internet oder Funk Kontakt aufnehmen. Man gibt an, welche Sprachen man spricht und durch Zufall spricht man dann mit anderen Pfadfinderinnen und Pfadfidner per Videochat. Damit das Ganze nicht langweilig wird, gibt es kleine Aufgaben.

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