Rückblick auf die Jahresaktion 2015

Erschienen am 28. Januar 2016 in Allgemeines

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Mit dem Jahreswechsel 2015 / 2016 geht ein bewegtes Jahr zu Ende. Das Thema der Jahresaktion wurde spätestens seit September aufgrund der großen Anzahl geflüchteter Menschen zu einem Thema, das ganz Deutschland beschäftigte. Die Jahresaktion ist nun zu Ende, das Thema dagegen wird bleiben. An dieser Stelle möchten wir auf die Jahresaktion „Gast>>Freundschaft für Menschen auf der Flucht“ zurückschauen.

Evaluation der Jahresaktion

Eine der 169 Personen, die an der Evaluation der Jahresaktion teilgenommen haben, beschreibt eine gute Jahresaktion folgendermaßen: „Eine gute Jahresaktion greift ein relevantes Thema auf und trifft den Nerv der Zeit. Mit einer gelungenen Jahresaktion entwickeln und beziehen wir kritische Positionen als politischer Verband. Mit Hilfe von guten Materialien, das von wenigen „Experten“ vorbereitet wird, können sich viele wirksam mit dem Thema auseinandersetzen. Wir wirken nicht nur auf unsere Mitglieder, sondern darüber hinaus auf die Gesellschaft, um die Welt ein bisschen besser zu hinterlassen, als wir sie vorgefunden haben.“

Thema traf Nerv der Zeit

Deutschland wurde dieses Jahr von Flüchtlingen „überschwemmt“, wie es manchmal so polemisch dargestellt wird, und scheinbar hat es niemand kommen sehen. Seit 2011 stand das Thema „Flucht“ jedoch als Jahresaktionsthema im Raum und nachdem Bundesleitung und Hauptausschuss dem Thema zustimmten, haben wir als Jahresaktionsgruppe Ende 2013 begonnen, die Jahresaktion vorzubereiten. Schon während der Vorbereitungszeit zeichnete sich mit jedem Skandal um ertrinkende Flüchtlinge im Mittelmeer stärker ab, dass wir mit dieser Jahresaktion den Nerv der Zeit treffen würden. Dass „die Flüchtlingskrise“ das Thema des Jahres 2015 werden würde, hat uns dann trotzdem überrascht. Aber als die „Flüchtlingswelle“ in Deutschland ankam, war die DPSG bereits vorbereitet. Mit unserem Motto haben wir uns von Anfang an für eine Willkommenskultur positioniert. Die Botschaft war klar und eindeutig. Unzählige Pfadfinderinnen und Pfadfinder wurden aktiv und haben Zeichen der Gastfreundschaft gesetzt. Das war großartig!

Pfadfinderinnen und Pfadfinder übernehmen Verantwortung

Aufgrund der Aktualität wurde immer mal wieder eine stärkere politische Positionierung des Verbandes gefordert. In der Evaluation wurde auch angemerkt, dass mehr politische Aktionen in diesem Jahr sehr passend gewesen wären. Wir haben in der Jahresaktionsgruppe im Vorfeld über viele verschiedene Lobbythemen nachgedacht. Wofür setzt man sich als Kinder- und Jugendverband ein? Welche Forderungen sind kindgerecht? Und an welcher Stelle setzen wir als dezentral organisierter Verband bei Fragen der Asylpolitik im politischen Geflecht zwischen Kommunen, Ländern, dem Bund und der EU an? Ist es nicht vielmehr unsere Aufgabe, mit der Hilfe von aufgeklärten Leiterinnen und Leiter Kinder und Jugendliche zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern zu erziehen, die dann wiederum im Laufe ihres gesamten Lebens politische Verantwortung übernehmen und sei es nur mit dem Kreuz bei den Wahlen?

Poltische Diskussionen anstoßen

Letztendlich haben wir uns nach unzähligen Diskussionen genau darauf geeinigt. Die Ergebnisse dieser Auseinandersetzung könnt ihr hier nachlesen: http://dpsg.de/de/aktionen/jahresaktion/gastfreundschaft/politisch-aktiv-werden.html. Aus diesem Grund haben wir dieses Jahr auf politische Aktionen und Lobbyarbeit verzichtet. Andererseits war die Jahresaktion aus unserer Sicht extrem politisch, weil sie unsere Werte angefordert hat. Wir wollen weltoffen sein und nicht kleinkariert. Die Diskussion um Fremdenfeindlichkeit – auch innerhalb der DPSG – hat genau diesen Punkt getroffen und vielleicht mehr politische Diskussionen angestoßen als es einzelne Aktionen hätten tun können. Es geht uns nun mal alle an und jeder und jede Einzelne muss entscheiden: Will ich kleinkariert bleiben? Oder weltoffen sein? Unsere Werte stellen die Basis für politisches Engagement und politische Entscheidungen dar. Deshalb waren die Diskussionen zur Jahresaktion so wichtig und sie bleiben wichtig. Wir hoffen, dass diese Jahresaktion dazu beigetragen hat, dass jede und jeder von uns eine Haltung entwickelt hat – im besten Fall eine weltoffene!

Methodenvielfalt der Aktion ausbauen

Für die Jahresaktion haben wir bewusst zwei zentrale Methoden entwickelt, dasText Adventure und das Offline Serious Game. Diese wurden von diversen Informationen wie den Gottesdienstbausteine oder dem Leitfaden für die Öffentlichkeitsarbeit und dem missio-Truck „Menschen auf der Flucht. Weltweit.“ flankiert wurden. Die Rückmeldungen zu dem von uns erarbeiteten Material waren insgesamt sehr gut, jedoch gab es auch Rufe nach einer größeren Auswahl und kindgerechteren Methoden. Dem sei entgegnet, dass wir uns im Vorfeld dafür entschieden haben, lieber wenige thematisch passende Methoden komplett neu und pfadfindergerecht zu entwickeln, als bestehende Methoden zum Beispiel zu interkulturellen Begegnungen wiederaufzulegen. Mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden. Was aus unserer Sicht sinnvoll wäre, um eine größere Methodenvielfalt bei zukünftigen Jahresaktionen zu ermöglichen, wäre die Rückbindung der in den Diözesen und Stämmen weiterentwickelten Methoden. Einige davon haben wir im Laufe des Jahres gesammelt und online gestellt, aber nicht alle haben uns erreicht. Vielleicht kann sich wissen.dpsg.de zu einer Plattform entwickeln, auf der man auch Methoden austauschen kann. Dadurch könnten Jahresaktionsmethoden im Nu vielfältiger werden.

Jahresaktion ist Impuls für den Verband

Zu guter Letzt bleibt die Frage wie möglichst viele an der Jahresaktion mitwirken können, und wir die Welt ein bisschen besser hinterlassen als wir sie vorgefunden haben. Hierzu hat uns das Feedback erreicht, dass die Einbettung der Jahresaktion in das „Pfadfinderjahr“ schwierig sei, weil Thema und Methoden dafür am Jahresende zu spät kämen und für die Umsetzung von Projekten im Stamm der Zeitraum von einem Jahr wiederum zu kurz sei. Dass sich eine Jahresaktion im gesamten Verband entfaltet, von der Bundesleitung und den verschiedenen Stufenarbeitskreisen, über die Diözesanebene bis hin zur Arbeit in den Stämmen, ist eigentlich nie der Fall. Trotz der gesellschaftspolitischen Brisanz der diesjährigen Thematik können wir nicht behaupten, der gesamte Verband wäre am Werk gewesen. Aber das ist zumindest im aktuellen Konzept der Jahresaktion auch gar nicht das Ziel. Eine Jahresaktion ist vor allem ein Impuls. Und die dpsg wäre längst nicht so vielfältig, wenn immer alle das Gleiche tun würden. Schon allein die dezentrale Struktur führt dazu, dass jeder Stamm für sich entscheidet, was getan wird und das ist auch gut so. Aus unserer Sicht waren dieses Jahr viele Pfadfinderinnen und Pfadfinder für das Thema entflammt und sind aktiv geworden. Unserer Veranstaltungen waren von der Multiplikatoren- und Multiplikatorinnenschulung über die Eröffnungsveranstaltung in Essen und Pfingsten in Westernohe bis hin zu den vielen Veranstaltungen die wiederum von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in den Diözesen ausgerichtet wurden allesamt gut besucht und angefragt. Das war toll, das hat Spaß gemacht und wir glauben, es hat die dpsg bewegt. Immerhin, auch wenn die Jahresaktion nun zu Ende ist, das Thema „Fremdenfreundlichkeit“ bleibt und damit ist der diesjährige Impuls, der sowohl aus der Gesellschaft als auch durch die Jahresaktion kam, zu einem Schwerpunkt in der dpsg geworden. Nun kann es weitergehen.

Danke für euer Engagement

Mit dieser Einordnung der Rückmeldungen aus der Evaluation und mit den Einblicken in unsere Reflexion möchten wir vor allem eins: Danke sagen! Die Jahresaktion war für uns dank des unglaublichen Engagements auf allen Ebenen des Verbandes ein voller Erfolg und wir sind froh und glücklich darüber, dass es mit „Fremdenfreundlichkeit“ weitergeht. Wir hoffen, dass wir 2015 die Welt alle zusammen ein bisschen besser gemacht haben und hoffen, dass wir in diesem Sinne auch 2016 unsere Stimme gegen Fremdenfeindlichkeit erheben und tatkräftig anpacken, um nach Deutschland geflüchtete Menschen Willkommen zu heißen!

Eure Jahresaktionsgruppe

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