Leben in Fülle – Taufe des Herrn

Erschienen am 10. Januar 2016 in Glaube leben

Leben in Fülle

Leben in Fülle

Menschen aus der DPSG und dem Verband Nahestehende schreiben in diesem Jahr unter dem Motto "Nebeneinander - Miteinander - Füreinander". Nacheinander nehmen wir diese Begriffe in den Blick: Was heißt es, nebeneinander zu leben? Was verbindet uns? Wo leben wir miteinander und was bedeutet es? Und wie können wir auch füreinander leben?

 

Heute feiern wir die Taufe des Herrn. Neben Jesus spielt am heutigen Tag auch Johannes, der Täufer, eine wichtige Rolle (vgl. Mat 3,13-17). Für mich ist Johannes eine ziemlich faszinierende und spannende Person. Besonders interessant finde ich sein Verhalten bei der Taufe Jesu im Jordan. Jesus möchte von ihm getauft werden, aber Johannes ist der Meinung, er sei derjenige, der getauft werden müsse. Jesus ist ja der größere von beiden, der wichtigere. Johannes ist nur der Wegbereiter für Jesus. Nach ein paar Widerworten, kann Jesus ihn mit einem einfachen Satz überzeugen, der für mich ganz entscheidend ist: „Lass es nur zu!“ (Mat 3, 15). Im Hören dieses Satzes habe ich etwas für mich entscheidendes und wichtiges gelernt: Johannes hat seine Vorstellung davon, wie die Dinge zu laufen haben, wie das Leben spielen sollte, was der ideale Verlauf ist. Und er hat auch gute Gründe dafür. Aber Jesus hat einen anderen Plan. Wie oft meine ich, dass mein Leben einen bestimmten Lauf nehmen sollte, wie Strukturen und Beziehungen aussehen sollen, was der nächste Schritt ist. Ich werde eng, lasse nur meine Muster gelten.

Aber Jesus will nicht nur, dass wir leben, sondern er will, dass wir das Leben in Fülle haben. Auf diese Fülle muss ich mich einlassen. Diese Fülle kann mich überraschen. Diese Fülle geht oft über meine Vorstellungen hinaus. Diese Fülle fordert mich heraus zu neuen Wegen. „Lass es nur zu!“ sagt Jesus auch zu mir und dir. Mit diesen Satz will er mich herauslocken aus meiner Vorstellungswelt, meinem eingefahrenen Denken und meiner Enge.

Johannes hat seine Schwierigkeiten, sich auf Gottes Überraschung einzulassen. Ich auch. Aber es ist ein Versuch wert.

Johannes lässt es zu, er gibt nach und der Himmel öffnet sich. Wenn ich Gott einen Platz einräume, nach seinen Wegen suche und Ausschau halte, wo er mir vielleicht einen Weg zeigen will, der mir selbst erst mal etwas merkwürdig vorkommen kann, dann kann sich auch für mich ein stückweit der Himmel öffnen, dann kann Leben in Fülle ganz konkret werden.

Gott reagiert nicht immer nach meinen Vorstellungen, sondern fordert mich heraus zu neuen Wegen. Gott ist ein Gott der Überraschungen – lass es nur zu!

Dag Heinrichowski, Pfadfinder aus Hamburg

 

 

 

Mit diesen Gedanken enden unsere Impulse zur Advents- und Weihnachtszeit.

Wir bedanken uns bei allen Mitwirkenden: Anna Werner, Benjamin Wiedemann, Dag Heinrichowski, Dirk Bingener, Jonas Kämmerling, Katharina Metzel, Thomas Hoffmann-Broy, Bischof Ulrich Neymeyr und Rebecca Spira.

Die Botschaft von der Menschwerdung Gottes verheißt uns ein Leben in Fülle. Möge diese Hoffnung euch das kommende Jahr hindurch stärken und begleiten.

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