Leben in Fülle ist Leben in Begegnung

Erschienen am 21. Februar 2016 in Glaube leben

Leben in Fülle

Leben in Fülle

Menschen aus der DPSG und dem Verband Nahestehende schreiben in diesem Jahr unter dem Motto "Nebeneinander - Miteinander - Füreinander". Nacheinander nehmen wir diese Begriffe in den Blick: Was heißt es, nebeneinander zu leben? Was verbindet uns? Wo leben wir miteinander und was bedeutet es? Und wie können wir auch füreinander leben?

 

In der Fastenzeit begegnen mir Gedanken, die mir sonst nicht ganz so begegnen würden. Oder sagen wir ehrlicher: Denen ich sonst nicht so viel Raum gebe. Da könnte man meinen, Begegnung gehört nicht dazu. Denn immerhin besteht wohl fast jeder Tag von uns aus Begegnungen mit anderen Menschen. Irgendwo treffe ich immer auf Mitmenschen.

Und dazu habe ich gelernt: Als Pfadfinderin, als Pfadfinder begegne ich allen Menschen mit Respekt und habe alle Pfadfinderinnen und Pfadfinder als Geschwister. Allen mit Respekt. Wenn ich mich an die eine oder andere Begegnung beispielsweise mit meinem Bruder oder meiner Schwester erinnere, waren wir zwar Geschwister, aber das mit dem Respekt …

Aber was meint das auch, andere zu respektieren? Rücksicht nehmen auf mein Gegenüber. Ernst nehmen, dass mein Gegenüber anders ist, als mein Bild von ihr oder ihm. Anerkennen, dass ich nicht um alle Ängste, Wünsche, Sehnsüchte oder Bedürfnisse von ihr oder ihm weiß. Ich nicht weiß, wer sie ist, nicht abschließend Bescheid weiß, wer er werden will, egal wie gut und lange ich mein Gegenüber kenne.

Jesus lebt das ziemlich beeindruckend vor. Es gibt einige Heilungsgeschichten von ihm. Ich kann nicht sicher sagen, ob die Wunder sich tatsächlich so ereignet haben. Aber es muss etwas Wesentliches passiert sein, sonst wären die Erzählungen nicht aufgeschrieben worden. Es muss etwas mit den Protagonisten passiert sein. Sie bitten um Hilfe und Jesus hört ihnen wirklich zu. Er erfährt von ihnen ihre Nöte und Bedürfnisse und er reagiert in einer Weise darauf, dass sie wieder genesen. Sie gehen wieder, können sehen. Sie sind nach der Begegnung mit Jesus andere als vorher. Und Jesus ist ein anderer als vorher. Die Begegnung verändert beide Seiten.

Vielleicht ist das gemeint, wenn das Leben in Fülle Begegnung sein soll. Ich lasse mich absolut auf mein Gegenüber ein. Nehme mir Zeit, frage nach, bin für sie oder ihn da – ohne eigene Interessen, höre nur das, was mir wirklich gesagt wird und halte mich mit vorgefertigten und zu schnellen Ratschlägen zurück – eine andere Art von Schlägen. Dann lerne ich von meinem Gegenüber und mein Gegenüber von mir. Wir beide wissen nicht, wohin die Begegnung uns führt, ihr Ende ist offen. So bereichert Begegnung beide Seiten.

 

Jonas Kämmerling, Referent der Bundesleitung

Wir finden, es lohnt ein Blick in die Theologie der Verbände. Die dazugehörige Arbeitshilfe findest Du hier.

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