Ein neues Versprechen

Erschienen am 19. Februar 2016 in freiwillig & weltwaerts

Isabell Gmeiner

Isabell Gmeiner

Isabell Gmeiner aus Pfarrkirchen ist 19 Jahre alt und verbringt als Freiwillige der DPSG und Adveniat ein spannendes Jahr in Bolivien.

 

Seit dem Wölflingsalter bin ich Mitglied der DPSG. Schon ab dem ersten Zeltlager hat mich das Pfadfinden nicht mehr losgelassen, sodass ich inzwischen seit zehn Jahren mit vollem Herzen dabei bin. Als ich gesehen habe, dass ich über die DPSG sogar einen Freiwilligendienst machen kann, musste ich also nicht lange überlegen, sondern habe mich gleich beworben.

Jetzt bin ich bereits ein halbes Jahr hier in Bolivien und habe schon viel mit den Pfadfindern erlebt.

Der ganze Stamm Juan Pablo II trifft sich jeden Samstag Nachmittag. Wir teilen uns in die verschiedenen Stufen auf, in denen wir dann spielen oder verschiedene Aktivitäten planen. Wenn ich nicht gerade etwas mit den anderen Rovern mache, helfe ich den Wölfings-Leitern mit ihren Gruppenkindern. Am Anfang fiel es mir noch etwas schwer mich auf Spanisch zu verständigen, vor allem mit den Kleins-ten, aber mittlerweile läuft es richtig gut. So haben die Lobatos – wie die Wölflinge hier heißen – schon deutsche Spiele wie Karottenziehen oder Obstsalat gelernt.

Ein ganz besonderes Erlebnis war das Sommerlager meines bolivianischen Stammes vor einem Monat. Das Lagermotto war Clash of Clans, benannt nach einem Handy-Spiel, nach dem hier alle verrückt sind. Spät Abends sind wir zum Lagerplatz gefahren, haben die Zelte aufgebaut und uns in vier Clans eingeteilt. In diesen Clans sind wir das ganze Lager über gegeneinander angetreten. Auch ein Hike zu einem nahegelegenen Schwimmbad und ein Kostümwettbewerb am letzten Abend standen mit auf dem Programm. Mit dem in den Wettkämpfen gewonnenen Gold konnte man sich Schminke, Kleidung oder Perücken kaufen um am Ende auszusehen wie die Figuren im Spiel.

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Doch der Höhepunkt des Lagers war die Versprechensfeier. Das Pfadfinderversprechen ist auf der ganzen Welt einer der wichtigstem Momente im Pfadfinderleben. Zwar habe ich mein Versprechen bereits in Deutschland abgelegt, jedoch war es mir wichtig es mit meinem Stamm hier in Bolivien zu erneuern. Nicht zuletzt, weil es das blau-gelbe Stammestuch auch erst nach der offiziellen Aufnahme gibt. ;)
Um das Versprechen jedoch ablegen zu können, musste ich zunächst, wie alle anderen, ein kleines Heft studieren. Darin fanden sich Informationen zur Biographie des Pfadfindergründers Baden-Powell, zum Ursprung der Pfadfinderbewegung, das Pfadfindergesetz, die Geschichte des Stammes und vieles mehr. Und das alles auf Spanisch! Nach dem ich die Abfrage darüber erfolgreich überstanden hatte, begann die eigentliche Zeremonie.
Wir gingen auf die Wiese wo der restliche Stamm bereits auf uns wartete: Alle standen im Kreis ums Lagerfeuer, Fackeln waren aufgestellt und der Vorstand sprach ein paar feierliche Worte. Dann wurden nach und nach alle namentlich aufgerufen. Wird man genannt, geht man in die Mitte des Kreises, wo bereits ein Leiter auf einen wartet. Mit der rechten Hand macht man den Pfadfindergruß und mit der linken den traditionellen Handschlag. Man wird vom Leiter gefragt, ob man bereit ist und sagt dann das Versprechen auf.

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Als ich ganz am Ende endlich an der Reihe war, war ich so nervös, dass ich das Versprechen, das ich den ganzen Tag gelernt hatte, total vergessen habe! Das hat aber zum Glück sonst niemand mitbekommen… Zum Schluss bekam ich endlich das Stammestuch überreicht und wurde feierlich im Stamm Juan Pablo II willkommen geheißen!

Es war wirklich eine magische Nacht, die ich mein ganzes Leben nicht vergessen werde!

 

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