Ankommen und Integration – Jugendverbände mit und für junge Geflüchtete

Erschienen am 13. Juli 2016 in Allgemeines

Andreas Marx

Andreas Marx

Andreas Marx ist seit 1984 Mitglied der DPSG im Stamm „Stern des Nordens“ in Rendsburg (nördlichster DPSG Stamm). Er war viele Jahre Leiter in der Jungpfadfinderstufe und langjährig Stavo und Bezirksreferent. Zurzeit ist er angehender Beauftragter für Internationale Arbeit im Diözesanverband Hamburg und seit August 2015 in der Arbeit mit und für Geflüchtete tätig.

 

Welche Chancen und Herausforderungen bietet die Arbeit mit und für junge Geflüchtete für Jugendverbände und Jugendringe? Das war eine zentrale Frage des Fachtages „Ankommen und Integration gemeinsam gestalten“ des Deutschen Bundesjungendrings (DBJR) für Engagierte und Interessierte in Jugendverbänden und -ringen. Für die DPSG habe ich an diesem Fachtag teilgenommen.

Umfrage: „Was machen und brauchen Jugendverbände und –ringe in ihrer Arbeit mit Geflüchteten“

Zur Vorbereitung des Fachtages hat der DBJR eine Umfrage unter seinen Mitgliedsverbänden durchgeführt. Gefragt wurde dabei konkret „Was machen und brauchen Jugendverbände und –ringe in ihrer Arbeit mit Geflüchteten“. Die über einen umfangreichen Fragekatalog ermittelten Ergebnisse wurden vorgestellt und anschaulich vermittelt. Dabei trat zutage, das ein Großteil der Ringe und Verbände bereits mit einzelnen Aktionen in der Arbeit mit hauptsächlich jungen Geflüchteten angekommen sind, aber die nachhaltige und dauerhafte Teilhabe und Integration von jungen Geflüchteten in die Gruppen noch ausbaufähig ist. Gefragt wurde auch nach dem Bedarf an Unterstützung. Hierbei wurden die „Klassiker“ wie personelle und finanzielle Unterstützung aber auch mehr Informationen zum Thema des Interkulturellen Zusammenlebens und den damit verbundenen neuen Rahmenbedingungen, Vorschriften und Gesetzen (z.B. in der Integrations- und Asylgesetzgebung) als Bedarf seitens der Verbände und Ringe genannt. Bemerkenswert ist sicher auch, dass es erfreulicherweise laut Umfrage kaum besondere gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gibt, d.h. übergriffiges Verhalten (z.B. über soziale Medien) gegenüber Personen, die mit Geflüchteten arbeiten. Die Ergebnisse der Umfrage können im Netz unter www.ankommen.dbjr.de eingesehen werden.

Wie politisch wollen wir sein?

In Kleingruppen wurden anschließend mit unterschiedlichen Methoden und abschließender Podiumsdiskussion, Möglichkeiten und Perspektiven einer nachhaltigen Integration durch die Teilhabe von Geflüchteten am Verbandsleben weiterdiskutiert. Interessant war dabei, dass der für die Integration oft zitierte erforderliche gesellschaftliche Konsens, von den einzelnen Verbänden zwar mehrheitlich gewünscht, bei dessen Umsetzung aber durchaus unterschiedliche Haltungen zutage treten. Insbesondere die Betonung der politischen Einflussnahme, durch klare Agitation für Flüchtlinge, und z.B. die Teilnahme an Kundgebungen (womöglich in Kluft) haben sich vielleicht nicht überall durchgesetzt. Wie politisch wollen wir sein? Zusammenfassend äußerten die Teilnehmer der Podiumsdiskussion ein klares festzustellendes Bekenntnis der Verbände/Organisationen/Ringe zur nachhaltigen Integration von Geflüchteten. Die Diskussion in den jeweiligen Strukturen dreht sich darum, ein Profil festzulegen, das über der „Willkommenskultur“ eine „Hol-Struktur“ aufbaut. Diese „Hol-Struktur“ soll die Entwicklung von insbesondere jungen Geflüchteten im Bereich von Kompetenzen, eigener Identität und daraus resultierenden Werten ermöglichen.

Für mich als Mitglied des Teams Flüchtlingsarbeit unseres DPSG Stammes ist dies ein spannendes und wichtiges Thema, die politische Agitation ist mir aus der Zeit der 80er Jahre noch gut in Erinnerung. Damals gegen Atomkraft,, Cape Äpfel und Mc Donalds, heute gegen Rassismus und für Wahrnehmung der Verantwortung eines Jugendverbandes in der Gestaltung einer Gesellschaft von morgen. Wie geht’s weiter mit der Fortführung der Jahresaktion 2015 „Gast>>freundschaft“? Angesichts der wahrzunehmenden Konsolidierung in der aktiven Flüchtlingsarbeit nach dem Ansturm des letzten Jahres sollte die DPSG ihre Verantwortung aus meiner Sicht wahrnehmen – und das langfristig.


Alle Infos dazu, wie Pfadfinden mit und für Geflüchtete aussehen kann und welche Unterstützungsmöglichkeiten die DPSG bietet, findet ihr unter dpsg.de/flucht.

Kommentar hinterlassen:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.