Als Jugendvertretung zum World Scout Youth Forum? – Ein Erfahrungsbericht

Erschienen am 24. November 2016 in Pfadfinden weltweit

Jan Hendrik Buchmann

Jan Hendrik Buchmann

Jan Hendrik Buchmann war Mitglied im Internationalen Arbeitskreis und ist jetzt im Rover-BAK aktiv. Am Internationalen begeistern ihn die vielfältigen Begegnungen mit verschiedenen Menschen und Kulturen.

 

Du hast vielleicht die Ausschreibung gesehen, dass die DPSG gerade zwei Jugendvertreterinnen und Jugendvertreter für das World Scout Youth Forum (WSYF) und die WOSM Weltkonferenz im Sommer 2017 sucht?

Ich habe diese Aufgabe 2014 in Slovenien übernommen und möchte an dieser Stelle meine Erfahrungen mit dir teilen, sodass Du vielleicht etwas besser einschätzen kannst, ob Du daran auch Spaß hättest.

Aber fangen wir mal vorne an: Alle drei Jahre findet die Weltkonferenz des Pfadfinderweltverbands WOSM statt; im August 2014 zum 40. Mal, und zwar in Slowenien. In Rogla, einer kleinen Stadt im Nordosten Sloweniens, versammelte sich in den Tagen davor das 12. WSYF mit fast 200 Pfadfinderinnen und Pfadfindern zwischen 18 und 25 Jahren aus 72 Ländern.

wsyf-blogbeitrag-7Wir waren fünf Jugendvertretungen aus Deutschland: Chrissy und Stephan vom BdP, Doro und Judith vom VCP und ich. Da des zum damaligen Zeitpunkt in Deutschland noch kein gemeinsames Konzept zur Entsendung der Jugendvertreter gab, haben wir uns vorwiegend individuell in den Verbandsdelegationen vorbereitet, aber auch ein paar mal gemeinsam geskypt, um uns schonmal kennenzulernen und uns mit dem Programm des WSYF vertraut zu machen. Darin wird dieses Mal die größte Änderung bestehen: Es gibt zwei Vorbereitungstreffen und ihr könnt im Frühjahr an der deutschsprachigen Konferenz in Liechtenstein teilnehmen. Damit seid ihr dann gut gewappnet für den Sommer, auch wenn ihr noch keine direkte Erfahrung mit der Arbeit von WOSM gemacht habt.

Wir haben uns also dann tatsächlich erst beim WSYF in Slovenien persönlich kennengelernt und sind ein bisschen ins kalte Wasser gesprungen, aber wir Pfadis sind ja spontan: „learning by doing“ war angesagt und aufgrund der jugendgerechten Gestaltung des Forums war das auch kein großes Problem.

Wir wurden in international bunt gemischte Kleingruppen eingeteilt, die uns durch das gesamte Programm des Forums begleiteten: Vom Kennenlernen, über einen regelmäßigen Austausch und das spätere Einbringen von Anträgen. Das Forum bot uns die Möglichkeit, in einer Vielzahl von Impulsvorträgen und Workshops uns mit Pfadfinden weltweit und internationaler Jugendpolitik zu beschäftigen und diese ausgiebig zu diskutieren. Und obgleich der kulturellen Unterschiede konnten auch kontroverse Themen wie Gleichstellung & Diversität, als auch der Rolle des Glaubens bei den Pfadis („Duty to god“), mit den meisten Teilnehmenden sehr offen diskutiert werden. In den Kaffeepausen hat sich immer eine der sechs WOSM Regionen mit kleinen Leckereien und ggf. in lokaltypischer Kleidung vorgestellt, sodass wir in den Tagen quasi eine kleine Weltreise machen konnten.

Ziel des Forums war es schlussendlich, zum einen sechs Youth Advisor zu wählen, welche für die nächsten drei Jahre beratende Mitglieder des Weltkomitees werden sollten, als auch Änderungsvorschläge zu dem für die Weltkonferenz vorliegenden Entwurf des Dreijahresplans zu machen. Auch darüber hinaus konnten weitere Anträge für die Weltkonferenz entworfen werden. Das besondere an der Antragsarbeit war, das diese formell in den internationalen Kleingruppen stattgefunden hat und somit schonmal eine breite Mehrheit an Meinungen wiederspiegelte, sodass die Chancen dann nicht so schlecht standen, diese auch durch die Plenarsitzung zu bekommen.

Die Krux war allerdings, dass sämtliche vom WSYF beschlossenen Änderungsvorschläge und Anträge trotzdem später von einem Nationalverband in die Konferenz eingebracht werden mussten, da das Youth Forum kein unmittelbares Antragsrecht hat. Aber auch da waren wir kreativ. Da die meisten der Teilnehmenden des WSYF auch an der Konferenz teilnehmen (leider ermöglichen das nicht alle Verbände), hatten wir zwischenzeitlich ein so gutes Netzwerk aufgebaut, das sich eigentlich für die allermeisten Vorschläge des Youth Forums Verbände gefunden haben, welche diese dann auf der Konferenz eingebracht haben, auch wenn das noch lange nicht zur erfolgreichen Abstimmung führt. Aber diese gemeinsame Zeit auf dem Forum ist es, die ihr den regulären Teilnehmenden der Weltkonferenz voraus habt. Dadurch habt ihr an vielen kleinen Stellen die Möglichkeit, mit vereinter Stimme der Jugend die Arbeit des Weltverbandes zu beeinflussen.

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Bei all dem Spaß den wir vor allem auf dem Youth Forum, aber auch auf der Konferenz hatten, muss ich dennoch erwähnen, dass es auch harte Arbeit war. Die Tage sind lang und die Nächte kurz. Es gibt zu jeder Tages- und Nachtzeit jemanden, mit dem man potentielle Anträge besprechen und diskutieren kann. Aber für meinen Teil kann ich sagen, der Einsatz hat sich gelohnt!

Das WSYF ist bis heute das Highlight meiner Pfadfinderarbeit und ich habe dort so viele Erfahrungen gemacht und Freundschaften geschlossen, dass ich diese auf keinen Fall missen möchte!

Also, wenn Du motiviert bist, neue und intensive Erfahrungen in der internationalen Pfadfinderarbeit zu machen und außerdem die formellen Anforderungen aus der Ausschreibung erfüllst, solltest du dir diese Chance nicht entgehen lassen! Es wartet ein Abenteuer, dass Du so schnell nicht vergessen wirst!

Eine Bewerbung ist noch bis zum 30.11.2016 im DPSG-Anmeldetool möglich.

 

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