Impuls zum 2. Fastensonntag

Erschienen am 12. März 2017 in Allgemeines

AG Impulse

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Februar 2017 irgendwo in Palästina: Mit jungen Erwachsenen bin ich auf dem Weg zu Daoud, einem christlichen Palästinenser, der in der Tradition seiner Vorfahren vom Anbau von Oliven und anderen Früchten lebt. Als wir die Autostraße verlassen, fallen uns die großen israelischen Siedlungen auf, die hier wie an vielen Orten im Westjordanland aus dem Boden sprießen.

Den Weg zu Daoud müssen wir suchen. Gerade ist ein Bagger dabei, die kleine Fahrstraße, die zu seinem Grundstück fährt, zu zerstören. Wir umgehen den Bagger und stiefeln durch den Acker. Aus der Ferne hören wir, wie Siedler uns entdeckt haben und uns verärgert nachrufen. Unsere Schritte beschleunigen wir. „War es eine gute Idee, diesen Ort zu besuchen?“

Ganz im Kontrast dazu der Empfang bei Daoud: Begeistert zeigt er uns seine selbstgegrabenen Zisternen, in denen er das Regenwasser sammelt und führt uns die gespendete Solaranlage vor. Wasser- und Stromanschluss sind ihm verwehrt. Immer wieder kamen in der Vergangenheit radikale Siedler und zerstörten einen Teil der Plantage. Dennoch sein Lebensmotto: „Wir weigern uns, Feinde zu sein“. Es gibt ihm Kraft, durchzuhalten und auf Versöhnung zu setzen, Grenzen zu überwinden.

Jeden Sommer begegnen sich bei ihm Menschen aus unterschiedlichen Nationen, darunter selbstverständlich auch Israelis. Tent of Nations nennt er sein Friedensprojekt.

Wenige Stunden später berichtet uns in Jerusalem  Sr. Monika von ihrer Zeit mit den Mönchen von Tibhirine (Algerien, bekannt aus dem Film „von Menschen und Göttern“). Diese waren vor 20 Jahren zwischen die Fronten geraten zwischen radikalen Islamisten, die sich in den Bergen um das Kloster verschanzt hatten und Regierungstruppen. Später wurden die Mönche entführt und ermordet.

„Brüder der Berge“ und „Brüder der Ebene“ nannte der dortige Klosterobere die verfeindeten Parteien. Bei allen Grenzen und Konflikten: Die anderen sind zu allererst Brüder und Schwestern.

Mich bewegt die Haltung dieser einfachen Helden nachhaltig. Ich frage mich: Wo entdecke ich – gerade jetzt in der Fastenzeit – in meiner Umgebung solche „Schwestern der Berge“ oder „Brüder der Ebene“?

Bevor wir Daoud verlassen, pflanzen wir einen Olivenbaum und nennen ihn „Seed of a new world“. Eine Hoffnung, dass wir bei unseren eigenen Grenzerfahrungen selbst zum „Samen einer neuen Welt“ werden.

Weihbischof Dr. Michael Gerber (Erzbistum Freiburg)

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