Fastenimpuls zu Palmsonntag

Erschienen am 9. April 2017 in Allgemeines

AG Impulse

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Tischtuch endgültig zerrissen?

„Das Tischtuch ist endgültig zerrissen“, so titelte die TAZ vergangenes Jahr, als die AfD nicht zu Diskussionsveranstaltungen auf den Deutschen Katholikentag in Leipzig zugelassen wurde. Eine klare Grenze ward gezogen: Ausschluss.

Nach wie vor ist die Lage mehr als angespannt. Unterschiedliche Standpunkte zerren am Tischtuch „demokratische Meinungsfreiheit“. Kardinal Reinhard Marx distanzierte sich jüngst wiederholt „vom populistischen Vorgehen und vielen inhaltlichen Haltungen“ der AfD. Zurecht! Aber: Sind ein Ausschluss vom Katholikentag oder die aktuell laufende Unterschriftenaktion gegen die Teilnahme einer AfD-lerin am Evangelischen Kirchentag der „bessere“ Weg, als mit Populisten ins Gespräch zu kommen und deren menschverachtenden Parolen zu entlarven? Kann man das Schüren von Fremdenfeindlichkeit kritisieren und gleichzeitig das Tischtuch des Dialogs durchtrennen?

Vor zweitausend Jahren lag es nicht an Jesus, dass der Gesprächsfaden mit den religiösen Führern abriss. Vielmehr besiegelte der Hohepriester mit dem Zerreißen seines Gewandes (vgl. Mt 26,65 par), dass das Tischtuch endgültig zerrissen sei. Vielleicht zeigt uns der „Grenzgänger“ aus Nazareth einmal mehr, was unser „pfadfinderische“ Weg sein könnte, im politischen Geschehen unserer Tage mitzumischen: Dialog statt Ausschluss.

Dominik Schultheis, Diözesankurat Köln

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One Response

  1. Marc Michalsky

    9. April 2017: „Kann man das Schüren von Fremdenfeindlichkeit kritisieren und gleichzeitig das Tischtuch des Dialogs durchtrennen?“ Ja, meiner Meinung nach kann man das! Wer die AfD zu Diskussionen einlädt, gibt ihr eine Plattform. Die AfD wird jede sich bietende Chance dazu nutzen, um menschenfeindlichen Parolen unter die Leute zu bringen. Wer eine Diskussion mit der AfD dazu nutzen möchte, um „mit Populisten ins Gespräch zu kommen und deren menschverachtenden Parolen zu entlarven“, der spielt mit dem Feuer. Die Welt ist kompliziert und es bedarf differenzierter Antworten, um die bestehenden Probleme zu lösen. Die AfD gibt jedoch nur einfache Antworten vor, die in den Köpfen der Zuhörer hängen bleiben und durch stetige Wiederholung an Akzeptanz und Relevanz gewinnen. Benennt man diese Forderungen als das was sie sind: rassistisch und menschenfeindlich, dann begibt sich die Partei in eine bestens eingeübte Opferrolle, welche ihr schlimmstenfalls zusätzliche Sympathiepunkte einbringt. Wer die AfD zu Diskussionen einlädt, der legitimiert ihre Positionen. Die AfD erklärt: „Die multikulturelle Gesellschaft ist gescheitert.“ Muslime stellt sie als Gefahr dar und die Forderungen nach einer „erinnerungspolitischen Wende um 180°“ oder einem Schießbefehl an der Grenze finden in der Partei viele Freunde. Wer bereit ist, mit der AfD über diese Aussagen zu diskutieren, der stellt christliche Werte zur Disposition und gibt den Wert von Menschenleben zur Verhandlung frei. Nun könnte man sagen, all das sei zwar ein Schlag ins Gesicht aller Christen, aber man müsse dann, seinem eigenen Selbstverständnis nach, die andere Wange hinhalten – es einfach aushalten. Doch wessen Wange wird in erster Linie hingehalten? Die Opfer der AfD-Propaganda sind in vor allem Geflüchtete, Muslime und Homosexuelle. „Die Kirche“ ist nicht das Feindbild der AfD, ganz im Gegenteil; in ihr sucht die Partei einen Verbündeten gegen den Islam. Es ist ein Zeichen der klaren Distanzierung, wenn AfD-Politiker nicht zu Kirchentagen und zu Diskussionsrunden eingeladen werden. In einer Demokratie müssen wir Parteien, wie die AfD, zwar erdulden, aber wir müssen sie nicht zu uns einladen. Nichtstaaliche Institutionen sind nicht zu politischer Neutralität verpflichtet und es ist ein Irrtum zu glauben, man müsse neutral sein, um demokratisch zu handeln. Ganz im Gegenteil: demokratisches Handeln bedeutet, sich eine Meinung zu bilden und sie zu vertreten. Wir sollten das Tischtuch des Dialogs nicht gegenüber den AfD-Wählern durchtrennen, aber wir sollten uns klar von der menschenfeindlichen Ideologie der Partei distanzieren und uns schützend vor unsere Minderheiten stellen.