Tag 4: Tabu oder Fahne weeeht, grün und gelb

Erschienen am 21. April 2017 in Abenteuer Pfadfinden

Blog-Team

Blog-Team

Das Blog-Team kümmert sich administrativ um den Blog und ist werktags von 9 bis 16 Uhr für euch da. In dieser Zeit werden Kommentare freigeschaltet und moderiert.

 

Tit, taaaat, tit. Tit, taaat, tit. Tit, taaaaaaaaaat, TIT!! Aufstehzeit.

Der Chef du Camp hat seine Signalpfeife im Mund und übernimmt den Weckdienst. Ich beginne den vermaledeiten Hahn, mit seiner unglaublichen Pünktlichkeit, zu schätzen und zu vermissen. Die Aufstehzeit ist dann trotz allem angemessen: Wir müssen nicht nach zwei Minuten angezogen zum Morgenappell erscheinen. Wissen die Deutschen mal wieder net, stehen nach zwei Minuten angezogen und nur so halbwegs wach da und warten dann noch fünf Minuten s.Z. (man erinnere sich, senegalesische Zeit), also eine halbe Stunde, bis der Morgenappell beginnt. Das bedeutet Haltung annehmen und den Tag gemeinsam begrüßen, sowie die Fahne mit klaren Pfiffen zu hissen. (Wie genau die Appelle ablaufen, ist hier genauer beschrieben.) Es folgt…. Der Frühsport. Einmal Joggen durch das Dorf, verschiedene Dehnübungen, verschiedene Spielchen, Sprintübungen und Belustigung für die Kinder, die vor Lachen fast umfallen, als sie uns durch das Dorf ziehen sehen.

Luftiges Brot

Überrascht, mitgehalten zu haben, gibt es dann Frühstück. Die lachende Kuh (La Vache qui rit – Käsesorte), Milch-, Kaffee- und Kakaopulver grüßen uns. Dazu gibt es Baguette, das aber so luftig und leicht ist, dass es bei dem geringsten Windstoß wegfliegt. Haben wir gehört…

Nachdem verschiedene geschätzte Mitglieder ihre halbgeschmierten Brote aus den Gesichtern verdutzter Senegalesen wieder entfernt haben, herrscht die einhellige Meinung, das Brot gut festzuhalten, um weitere Eskalationen zu vermeiden (übertriebene Darstellung). Dieser aufregenden Episode folgt eine weitere wirklich spannende, denn wir laufen ins Dorf, um den Bürgermeister und den Dorfältesten zu treffen und mit ihnen über Wasser und die Dorfgeschichte zu reden.Der Bauleiter, für die geplanten Toiletten, hat sich für 11 Uhr s.Z. angekündigt (Achtung, Spoileralarm: morgen Mittag).

Durch einen echten Sandsturm kämpfen wir uns bis ins Dorf vor und werden vom Bürgermeister begrüßt. Die neugierigen Hühner sind ein bisschen zu neugierig, mehrmals schafft es ein Huhn nur im letzten Moment, den Platz unter unseren Schuhen wieder zu verlassen. Gibt also kein selbstgefangenes Mittagessen, gefällt unseren Vegetariern besonders gut.

Das Dorf ist über 100 Jahre alt, weiß dann der Dorfälteste, der angibt, 105 Jahre alt zu sein. Das sorgt bei uns für Unglauben, ist trotzdem eine spannende Unterhaltung.

Ein Bild für die Götter?

Weiter geht’s zu zwei von sechs Brunnen des Dorfes. Waren die Kinder heute früh schon sehr amüsiert, gibt es nun schlicht kein Halten mehr für sie. Der Anblick, wie wir Wasser auf dem Kopf tragen, uns an den schweren Bottichen festkrallen und trotzdem noch immer wieder was überschwappt, muss aber auch ein Bild für die Götter sein. Den Vogel schieß dann ich leider mal wieder ab:

Kind prügelt sich mit unserem fast überfahrenen Hund von gestern, direkt vor meinen Füßen. Ich mache eine Michael-Jackson-Gedächtnisbewegung, naja, mich hauts fast auf die Fresse, als ich den ca. 20 kg schweren Bottich auf dem Kopf wieder halbwegs stabilisiert habe, knallt mir eine Windböe mit einer Sandkastenmenge Sand ins Antlitz. Mich hauts wieder fast auf die Fresse. Ich stabilisiere den Bottich, werde vom Wasserfall von oben getroffen. Ein Windhauch mit verdammt viel Sand fegt mir ins Gesicht – es geht auch noch im Sand bergab – mich hauts fast auf die Fresse. Ich lasse mir den Bottich abnehmen, was für Verwunderung bei den Scouts sorgt, und für Bedauern bei den uns folgenden Kindern, die diese kostenlose Slapstickshow mit den größten Freuden aufgenommen haben.

Der ganze Sand macht dann bei einigen eine Augenspülung nötig. Ich beginne mit einer 10 ml-Spritze Augen zu spülen. Man ist zufrieden, mein Wartezimmer füllt sich sehr schnell. Wahrscheinlich auch ein sehr seltsamer Anblick für unsere Gastgeber. Nachdem ich mir dann selbst noch die Augen gespült habe, gibt es auch schon Mittagessen.

Erkenntnis des Tages: Manche Leute haben null Probleme damit, dass ihnen jemand Fremdes Wasser in die Augen spritzt. Andere verfluchen mich bis zu meinen Vorfahren, um sich dann zu entschuldigen und zu bedanken.

Ein bißchen Zement

Nachmittags kommt dann aus dem Nirgendwo, nein keine Sandbö, sondern ein Lastwägelchen, hoffnugslos überladen mit 100 Zementsäcken, das entladen werden muss. Gesagt, getan, erledigt. Wir sind grau und verschwitzt, werden aufgefordert, duschen zu gehen und waschen uns mit Eimern. Wir sind frisch geduscht, frisch angezogen und fühlen uns wohl. Da kommt mitten aus dem Nirgendwo ein kleines Lastwägelchen, hoffnungslos überladen mit weiteren 100 Zementsäcken. Die müssen ausgeladen werden. Glück für die, die grad noch beim Waschen sind. Der Rest ist danach frisch geduscht, frisch angezogen und grau vom Zement.

Die Verständigung klappt nach anfänglichen Schwierigkeiten glänzend, wir spielen miteinander einfach Tabu. Leider wissen wir nicht, welche Worte wir nicht sagen dürfen, erschwerend kommt hinzu, dass wir auf unterschiedlichen Sprachen miteinander Tabu spielen.

Wer hat die Kokonuss geklaut?

Abends haben wir wieder ein Lagerfeuervergnügen, dass wieder unglaublich Spaß macht. Danach zeigen wir den Senegalesen einige deutsche Lieder und Lagerfeuerspiele aus unseren Stämmen. Besonders die geklaute Kokosnuss sorgt für Begeisterung und unsere sonstigen Lieder werden auch erfreut empfangen. Zum krönenden Abschluss machen wir dann Stockbrot, was alle gleichermaßen dankbar entgegen nehmen.

Nach Spaziergang durch die Nacht, fallen wir müde ins Bett und besetzen den „Isomatten-Abhorch-Dienst“ bis zum nächsten Morgen.

Lukas Holzwarth

für das Senegal-Team

Tag 1, 2, 3, 4 5/6, 7/8/9, 10 , 11, 12
Exkurs

 

Eindrücke vom Workcamp Senegal findet ihr hier in unserer Bildergalerie:

Kommentar hinterlassen:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

4 Responses

  1. Exkurs: Appelle und andere pfadfinderische Aktivitäten « blog.dpsg.de

    21. April 2017: […] Weitere Beiträge und Bilder aus dem Workcamp Senegal findet ihr hier: […]

     
  2. Tag 3: Gummibären, hüpfen hier und da und im Senegal « blog.dpsg.de

    21. April 2017: […] Bilder von der Reise findet ihr in unserer Bildgalerie im Bericht von Tag 4. […]

     
  3. Tag 2: Ananaslimo meets Leichenhalle « blog.dpsg.de

    21. April 2017: […] Bilder von der Reise findet ihr in unserer Bildgalerie im Bericht von Tag 4. […]

     
  4. Reise von Frankfurt nach Dakar (Senegal) oder Tücken des Flugreisens – Teil 2784 (gefühlt) « blog.dpsg.de

    21. April 2017: […] Bilder von der Reise findet ihr in unserer Bildgalerie im Bericht von Tag 4. […]