Tag 10: Verlust und spontaner Neuzuwachs in unserem Team

Erschienen am 16. Mai 2017 in Abenteuer Pfadfinden

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Liebe Leser, wir haben zwei Probleme: zwei große um genau zu sein.
Einmal die frierende Kälte hier und außerdem eine Ressourcenknappheit im Haus. Doch der Reihe nach.

Während ihr in Deutschland Schnee habt und sogar Temperaturen um den Gefrierpunkt, haben wir es nicht besser. Wir sitzen abends bei ca. 22 Grad in der eiskalten Nacht und haben lange Hosen und Pullis an und frieren trotzdem. Wer noch Wärmedecken zu Hause hat… Das war ein Scherz!

Wasserknappheit ist uncool, wie unsere Wös sagen würden!

Nun zum wirklichen Problem: erwähnte Ressourcenknappheit hier im Haus…. Wenn wir alle Wasser nutzen, dann riegelt der Verteiler einfach ab. Immer haben manche nichts davon. So fachkundig festgestellt von einer Teilnehmerin. Liebe Leser, das geht nicht! In einem Land, wo Trinkwasser äußerst knapp ist, ja wo man manchmal mehrere Stunden braucht, um einen Brunnen zu erreichen, nur um dann wieder mit semisauberem Wasser auf dem Kopf, wahrscheinlich um die 20l, den beschwerlichen Rückweg anzugehen, da kann es einfach nicht angehen, dass manche Teilnehmer dieses Ressourcenproblem haben. Deshalb mein Vorschlag: lasst uns kämpfen! Engagiert euch! Ja, engagiert euch, wo auch immer ihr könnt!
Es scheint uns nicht zu berühren, wenn irgendwo Leute wenig Wasser haben! Aber wir sind vor Ort und wir sehen die Leute, die am absoluten Existenzminimum leben! Die weniger als vier Euro pro Tag für die ganze mehrköpfige Familie haben, es aber trotzdem jeden Tag irgendwie schaffen! Bei allem Pathos der letzten Worte… wir können etwas tun! Und zwar nicht nur im Senegal, nicht nur in Thiès. Die Informationsmöglichkeiten sind breit gestreut. Wasserknappheit ist uncool, wie unsere Wös sagen würden. Morgendlicher Worterguss: check!

Die Arbeiten schreiten voran

Nun zum eigentlichen Tag. Frühes Aufstehen wie sonst immer – nix ungewöhnliches. Wir Teilnehmerinnen und Teilnehmer plumpsen in den Bus und wissen, dass wir nicht lange dösen können, da die Strecke nach Ngollar nur ne halbe Stunde dauert. Dann spuckt uns der Bus alle wieder aus. Er spuckt uns um acht direkt vor der Schule aus. Dort beobachten wir den morgendlichen Schulappell. Die Kinder steht in Reih und Glied: drei Reihen insgesamt, kurzer Frühsport, dann singen sie die Nationalhymne Senegals. Zum Abschluss klopft ein Kind fünfmal mit einem Stab gegen einen Metall-T-Träger, der im Baum hängt. Der Unterricht hat mit dem Schulgong begonnen.

Erste Stunde: Sport. Die Kinder markieren mit Gießkannen im Sand Bahnen für eine Laufbahn und ein Fußballfeld. Zur Verdeutlichung werden diese dann noch mit weißem Sand/Kies nachgezogen. Dies beobachten wir alles so nebenbei, denn die Bauarbeiten sind inzwischen nach langer Anlaufphase in vollem Gange. Die Baustelle wurde nochmal verschoben. Der Sandhaufen sowie der Kieshaufen müssen dann wohl auch verschoben werden. Mit einem Handkarren und fünf Mörteleimern beginnen wir die Arbeit. Dauert seine Zeit!

Wettrennen mit Betonsteinen

Die anfänglich noch sehr angenehmen Temperaturen sind auf 36 Grad im Schatten gestiegen. Die Baustelle liegt allerdings in der Sonne. Schweiß tropft, vermischt sich mit Kiesstaub, Sand und Zement auf der Haut. Wahrscheinlich ist dies mit ein Grund, warum die Sonnenbrandquote bei uns sehr gering ist. Irgendwann kommt dann auch schon die heiß ersehnte Mittagspause.
Das Team fällt in den Schatten, schließt die Augen und schnarcht, dass sich die Hunde vor Schreck verziehen. Wir werden jäh geweckt, denn es gibt Mittagessen: mal wieder Hühnchen. Über die Abwechslung kann man sagen was man will, es schmeckt trotz allem immer noch gut.

Nachmittags geht es damit weiter, dass wir eine Betonierkette bilden. Wir reichen die Eimer durch, leeren sie aus und wandern zurück. Der andere Teil der Arbeit besteht darin, ca. 200 massive Betonsteine an der Baustelle abzulegen. Die Steine sind ungefähr sieben Kilogramm schwer und müssen 100 m über den Platz getragen und abgelegt werden. Unter dieser Gruppe sind ein paar Kamikazevögel, die daraus ein Wettrennen machen und mit den Betonsteinen Sprints veranstalten. Weder Steinen noch Teilnehmerinnen und Teilnehmern passiert etwas. Das überrascht einige. Bis in den späten Nachmittag betonieren wir und arbeiten erfolgreich.

Verlust und spontaner Neuzuwachs

Des Abends setzen wir uns in einen Sitzkreis und genießen Tanz und Trommeln. Es gibt mal was ganz anderes: senegalesische Bolognese.

Im Hintergrund bereiten unsere Gastgeber etwas vor. Es geht das Gerücht um, es gäbe eine Taufe. So langsam beginnt es uns zu dämmern. An jenem leicht vernebelten Nachmittag, als wir Ostern feierten, beschlossen unsere Gastgeberinnen und Gastgeber, eine Teilnehmerin auf den Namen Karina umzutaufen. Sie ging darauf ein, jedoch nur unter der Bedingung, eine Taufkerze zu bekommen. Und siehe da, plötzlich stehen zwei Ministranten in Pfadfinderkluft in der Mitte. Sie werden begleitet von Pascal, der sich als Priester verkleidet hat und eine Taufkerze dabei hat. Und dann wird Karina getauft. So haben wir ein Mitglied unseres Teams verloren, dafür aber Karina dazu gewonnen. Raider‘s heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nix.

Senegalesen und wir liegen vor Lachen am Boden. Es wird ausgelassen weiter gefeiert. Danach schauen manche noch ein bisschen in die Sterne und genießen den Abend, in langen Kleidungsstücken wohlgemerkt. Es sind schließlich nur noch frostige 20 Grad. Hoch lebe die Akklimatisierung! Mit diesem philosophischen Gedanken schlafen wir ein.

Lukas Holzwarth
für das Senegal-Team

 

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2 Responses

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