Tag 11: Die Weiterfahrt, das ist stark zu vermuten, verzögert sich voraussichtlich um fünf bis zehn Minuten

Erschienen am 16. Mai 2017 in Abenteuer Pfadfinden

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Taaaaat, tit, taaaaat, taaat, taaaat, taaaat, titit, taaat. Was ein bisschen wie der Gesang eines besoffenen Vogels klingt, der mit einer senegalesischen Signalpfeife gekreuzt wurde, ist tatsächlich nur die altbekannte Signalpfeife. Sie befindet sich diese Mal aber im Mund von einem Teammitglied. Nach einigen Startschwierigkeiten wird er aber sicherer mit dem Pfeif-Rhythmus. Bald ist das ganze Lager geweckt und auf den Beinen. Die Morgenrunde organisieren heute auch wir. Wir spielen das schöne Popcorn-Spiel.

Popcorn-Spiel

Dabei hüpft man am Anfang rum und ruft laut: MAIS, MAIS, MAIS; bis man von einem Popcorn getroffen wird und selbst zu einem Popcorn aufpufft. Das Spiel dauert solange, bis alle Mitspielende zu Popcorn geworden sind! Das macht unseren Wös und Jufpis sehr viel Spaß und funktioniert auch erstaunlich gut im Senegal.

Evolutions-Spiel

Danach spielen wir eine Runde Evolution. Am Anfang sind alle Eier. Zwei Eier treffen sich, spielen miteinander Schere, Stein, Papier (ohne Brunnen!) und der Gewinner entwickelt sich weiter. Im Sinne der Evolution läuft das so ab: Ei entwickelt sich zu Huhn – entwickelt sich zu Krokodil – entwickelt sich zu Affe – entwickelt sich zu Pfadfinderin oder Pfadfinder, begleitet von entsprechenden Gesten. Charles Darwin hat sich wohl ein paar Male im Grab umgedreht. Uns hats aber Spaß gemacht!

Danach sind wir wach, frühstücken noch kurz das allseits präsente Pappbrot und so gestärkt oder auch weniger gestärkt als gepappt, geht es dann an die Arbeit. Heute müssen ca. 1000 Betonsteine bewegt werden. Das ist anspruchsvoll, auch wenn die Steine nicht massiv, sondern hohl sind. Außerdem muss auch weiter Kies geschleppt werden. Im Fokus stehen aber heute die Steine. Sie werden hauptsächlich in Ketten transportiert. Unsere Ketten funktionieren auch gut. Mit zunehmender Ermüdung werden die Arme immer schwächer und die Steine immer schwerer.Wie gestern fallen wir einfach irgendwann in die Ecke und schnarchen sofort drauf los, nur um kurz darauf wieder geweckt zu werden. Mittagessen!

Die abgegebenen Wetten, was es wohl gäbe, fallen unterschiedlich aus. Die eine Hälfte ist für Hühnchen, die andere der Meinung, dass es das bereits zu oft gegeben habe und es deshalb Fisch gibt. Die Fischfraktion sollte Recht behalten. Es gibt nämlich Reis mit Yassa, dem typischen Zwiebelgemüse und dazu Fisch. Der sieht weniger schön aus, ist aber definitiv essbar, also keine Magenprobleme. Auf der großen Platte liegen auch noch rötliche zähe Stücke mit weißem Fruchtfleisch, der Geschmackstest ergibt dann  zu allgemeiner Überraschung gegrillten Tintenfisch. Da viele aber außer Reis und Yassa wenig identifizieren können, lassen sie das Meerestier lieber weg. Nach Beendigung des Essens wird abgebaut und zusammengepackt. Das Workcamp ist nicht mehr als solches zu erkennen.

Abschlusszeremonie

Der Bus kommt. Alle steigen ein. Der Bus fährt.
Der Bus schaltet auf der Fahrt durch weichen Sand. Die Räder drehen durch. Der Bus hat sich eingegraben. Alle steigen aus. Die Kinder des Dorfes sind begeistert, das haben sie noch nie gesehen! Wir werden zum gesellschaftlichen Großereignis für Ngollar.
Der Busfahrer steigt ein. Der Bus gibt Gas. Die Räder drehen durch! Der Busfahrer steigt aus. Manche Kinder fangen an, uns anzubetteln. Das finden wir sehr verwunderlich, weil sie es bisher nie gemacht haben.
Wir unterhalten uns, stehen hinter dem Bus. Der Bus gibt Gas. Wir schieben an, es passiert… nix. Der Busfahrer steigt aus. Der Busfahrer gräbt das Loch weiter und legt Schilf mit rein. Der Busfahrer steigt ein. Der Bus gibt Gas. Es geht ein Stückchen! Der Busfahrer steigt aus. Der Bus hat sich weiter eingegraben. Wir dürfen endlich Bretter zum Unterlegen holen.
Der Busfahrer legt sie unter, baut den Wagenheber wieder ab, nachdem ihm aufgegangen ist, dass er den Bus nicht aus der Grube gehoben bekommt. Der Busfahrer steigt ein, gibt Gas. Es gibt eine große Staubwolke. Sls wir wieder sehen können, steht der Bus 400m weiter auf festem Grund. Mit diesem Stündchen Verzögerung machen wir uns dann auf den Heimweg…

Same procedure as every time, alle rennen in die Duschen. Der Wasserdruck fällt. Irgendwann sind dann aber doch alle geduscht und wieder guter Laune. Manche lächeln sogar wieder. Andere haben die ganze Zeit schon gelächelt und sind einfach nur wieder halbwegs sauber. Die Vorfreude auf das eigene Bett und eine ordentliche Dusche in Allemagne wird laut.

Abends treffen wir uns wieder mit unseren Freundinnen und Freunden. Sie kochen für uns und es gibt zur Abwechslung mal porc. Genauer gesagt: gegrilltes Schwein. Es schmeckt einfach nur himmlisch! Für Begeisterung sorgen wir, als wir auch noch Knochen abnagen. Die Senegalesen halten das für eine typische heimische Eigenart.
Nach diversen Spielen und einer kurzen Reflexion fallen wir dann ins Bett, um für den kommenden Tag wieder fit zu sein.

 

Lukas Holzwarth
für das Senegal-Team
Tag 1, 2, 3, 4 5/6, 7/8/9, 10 , 11, 12
Exkurs

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2 Responses

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    17. Mai 2017: […] 1, 2, 3, 4,  5/6, 7/8/9, 10 , 11, 12 […]