Tag 12: Nashorn voraus! Achtung Welle! Das Grab der Geschichtenerzähler: Poponguine

Erschienen am 16. Mai 2017 in Abenteuer Pfadfinden

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Wie immer frisch und munter erheben wir uns aus den Federn. Ironie Ende! So langsam sind wir alle ziemlich k.o. Aber es macht immer noch riesig Spaß und niemand bereut diese Reise: im Gegenteil. Heute steht reines Touristenprogramm auf dem Plan. Muss auch mal sein. So schnell erleben wir dieses Land nicht mehr und so gewisse Dinge sollte man schon erlebt haben, finden wir. Und so geht es nach dem bekannt trockenen Frühstück ein weiteres Mal in den Bus und ab auf die Piste.

Auf Abenteuer

Über unzählige Verkehrsberuhigungsbuckel (wenn jemand weiß, wie die Dinger wirklich heißen, möge er es mir mitteilen) fahren wir eher Richtung Bandia.  Dort wartet ein großes künstlich angelegtes Naturreservat auf uns. Auf 3500 Hektar wurde für Tiere aller Art ein Rückzugsgebiet geschaffen, bzw. das Gebiet  wurde zum Schutz vor Wilderern abgegrenzt. Wir steigen auf einen Lastwagen, auf dem fünf Bänke angebracht sind. 25 Perosnen fahren in die afrikanische Savanne „auf Abenteuer“, begleitet von einem Fahrer und einem Guide.

Kurz nach Beginn der Fahrt begegnen uns mehrere Wildschweine, wie sie Uderzo in Asterix und Obelix nicht schöner hätte zeichnen können. Immer wieder sitzen diverse Affen in den Bäumen und schauen neugierig auf uns herab. Ein Affe fühlt sich durch unsere Anwesenheit gestört. Er steht auf und setzt sich hinter den Baum, wo wir ihn nicht mehr sehen können. Wir haben aber plötzlich nur noch Augen für einen Strauß. Er nimmt gerade ein Staubbad. Mit seinen Flügeln tanzt er sowas wie einen Walzer. Strauße sollten wir noch so einige sehen. Auch wenn sie der ein oder andere aus Tiergärten oder Zoos kennt – es ist doch einfach etwas anderes, sie so ohne Zaun und wirklich aus nächster Nähe zu beobachten.

Nashörner gibt es im Senegal eigentlich nicht mehr

Immer wieder laufen Gnus und Antilopen an uns vorbei. Ein Rudel Büffel beobachtet uns aus nächster Nähe und weitere Affen geben sich die Ehre. Besondere Herausforderung auf dem Weg: die langen, spitzen dornenbewehrten Äste. Sie ragen links und rechts des Weges immer wieder in selbigen hinein und fordern eine schnell Reaktion der Randsitzenden, während der Laster von Schlagloch zu Schlagloch rumpelt oder eher hüpft.
Warum eine sehr schöne Frau im Senegal auch Gazelle genannt wird, erkennen wir an dem vorbeihüpfenden Rudel Gazellen. Sie bewegen sich unglaublich elegant und haben auch einen eleganten Körper. Weiter vorne liegt irgendwas dickes, schwarzes auf dem Weg. Beim Näherkommen erkennen wir, dass es eines von zwei Nashörnern des Reservats ist. Das Reservat versucht, sie im Senegal wieder heimisch zu machen. Die beiden Exemplare hier stammen aus Südafrika. Wild lebend gibt es sie hier nicht mehr.
Immer wieder kreuzen Giraffen unseren Weg und knabbern an Blättern, die weit oben in den Baumkronen wachsen. Ja, es sind viele Tiere unterwegs, aber nie gemeinsam.

Tombeau des Griots

Wir kommen an einen großen massiven Baobabbaum, unter dem menschliche Knochen liegen. Ein Schild daneben verrät uns, dass es sich um das Tombeau des Griots handelt, also das Grab der volkstümlichen Geschichtenerzähler. Vor vielen Jahren war auf diesem Gebiet wohl eine große Siedlung der Serer, einem der Hauptstämme im Senegal. Wenn aber die Barden oder Geschichtenerzähler, die mit Trommeln mündlich die Geschichten ihres Volkes weitergaben, starben, dann wurden sie nicht wie sonst gewohnt, im Boden begraben, sondern im Stamm eines hohlen Baobabbaums. So sollten sie verhindern, dass zu lange Dürren auftreten. Wird ein Griot trotzdem in der Erde begraben, so soll er für die nächste Dürre verantwortlich sein.

In den 1960er Jahren, als der erste senegalesische Präsident Leopold Senghor diesen animistischen Brauch verbot und die ersten Griot im Boden beerdigt wurden, gab es eine große und lang anhaltende Dürre. Für das Volk war auch sofort klar, warum. So zumindest die Geschichte unseres Guides, deren Wahrheitsgehalt ich leider nicht nachprüfen kann.

Wir machen einen kurzen Besuch beim Krokodiltümpel, indem einige drei Meter lange Krokodile liegen und so vor sich hin chillen (O-Ton von uns). Während die vielen Affen unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen oder es zumindest versuchen, fahren wir mit dem Bus Richtung Poponguine, einem Marienwallfahrtsort der Diözese Thiès.

Jedes Jahr an Pfingsten findet dort der Abschlussgottesdienst der Jugendwalllfahrt statt. Zu diesem Anlass pilgern die Teilnehmenden morgens von Thiès ins 40km entfernte Poponguine. Dort feiern sie auf dem Felsen über dem Meer einen großen Gottesdienst, in einer großen überdachten Freiluftkirche. Unsere Gastgeberinnen und Gastgeber haben immer Ordnungsdienst und übernehmen noch diverse andere Aufgaben. Deshalb halten sie sich das ganze Pfingstwochenende über in Poponguine auf.

Ansehen der Pfadfinderinnen und Pfadfinder im Senegal

Insgesamt sind Pfadfinderinnen und Pfadfinder im Senegal ganz anders angesehen als in Deutschland. Sie übernehmen Dienste für die Gesellschaft, legen Beete an, pflanzen Bäume und starten mehr oder weniger fast jedes Wochenende eine andere Aktion in der Innenstadt. Sie klären mal über Malaria auf, mal über die massive Müllverschmutzung oder über Schutz vor Krankheiten.

Einige Menschen, die uns begegnen, sagen, dass die Pfadfindenden und das Militär sehr gut erzogen werden. In puncto Disziplin sind sie echte Vorbilder, aber auch im Allgemeinen. Pfadfinderinnen und Pfadfinder in Kluft und Polizisten in Uniform grüßen sich respektvoll. Es herrscht ein ganzer anderer Umgang untereinander. Eine spannende Feststellung für uns. Ich schweife mal wieder ab.

Zurück nach Poponguine, wo wir uns in den Schatten zusammen setzen und gemeinsam picknicken. Als sich alle die Bäuche vollgeschlagen haben, laufen wir über verwinkelte Pfade und durch kleine Gässchen. Am Schluss kommen wieder an einem Sandstrand ans Tageslicht, wo sich die Wellen eindrucksvoll brechen. Nach einem bisschen Pause – voller Bauch schwimmt nicht gern – stürzen wir uns dann in die Wellen und sind überrascht von der Kraft des Meeres.
Es gibt zwar keine Strömung, aber die Wasserbewegungen durch die Wellen sind stark. Keiner behält einen Fuß fest auf dem Boden, wenn das Wasser sich für den nächsten Angriff vorbereitet. Wir lernen relativ schnell, die Wellen hinter uns im Auge zu behalten, nachdem die ersten von uns mit relativ viel Salzwasser gegurgelt haben. „Hahaha, die Welle hat dich vogrlglrglrggrrgnj…“ Typische Unterhaltung im Meer vor Poponguine. Den Touritag schließen wir mit einem Besuch auf den Künstlermarkt in Thiès ab. Lauter kleine Werkstätten sind aneinandergereiht. In jedem gibt es mehr oder weniger das gleiche zu kaufen, wie es in Touristengebieten allenorts üblich ist. Manche sind begeistert. Andere spielen lang und ausgiebig vor dem Markt Karten.
Der Abend klingt dann bei einem gemeinsamen Abendessen in der Maison du Prêtre aus und wir fallen ein weiteres Mal müde in die Betten.

Lukas Holzwarth
für das Senegal-Team

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