Tag 5 und 6: Dieser Moment, wenn du nicht weißt, was an dir stinkt oder unterm Baum

Erschienen am 5. Mai 2017 in Abenteuer Pfadfinden

Blog-Team

Blog-Team

Das Blog-Team kümmert sich administrativ um den Blog und ist werktags von 9 bis 16 Uhr für euch da. In dieser Zeit werden Kommentare freigeschaltet und moderiert.

 

Sand. Überall Sand. In allen Kanten und Ritzen. Im Zelt. Im Schlafsack. In der Nase. Überall. Die typischen Pfiffe wecken uns, wir erheben unsere müden sandigen Gestelle aus den Isomatten, treffen uns außen. Einer schnüffelt an sich und lässt diesen einen Satz fallen. Dieser Satz, der alles verändern sollte. OK, eigentlich nicht, klingt nur mal wieder fancy. „Dieser Moment, wenn du nicht mehr weißt, was an dir stinkt.“ Woah, es ist komplett wahr! Jap, irgendwie hat die Dusche wenig gebracht: Ich schweife ab.

Wir arbeiten!

Morgenappell, Morgenrunde, Frühstück mit lachender Kuh, business as usual und same procedure as every day. Um elf Uhr taucht der Bauleiter für die Toiletten auf und unfassbar, aber wahr, wir beginnen mit dem Bau. Aus dem Nirgendwo taucht ein hoffnungslos überladenes Lastwägelchen mit Zement auf, kennt man ja.
Es werden Löcher gegraben, Pfosten gesetzt, Pfosten eingeschlemmt, Sachen abgespannt und Betonsteine nach senegalesischer Art gemacht: in einer Form wird Zement gepresst und dann zum Trocknen in die pralle Sonne gelegt. Ja, es schaut tatsächlich nach Arbeit aus. In der Hitze gehen wir fast ein, aber das war ja klar. Deshalb mischen wir fröhlich Zement von einem Haufen auf den anderen, wässern ihn, stechen ihn um und arbeiten tatsächlich. Das Staunen steht uns ins Gesicht geschrieben: wir arbeiten.

Von irgendwoher tauchen Cashewkerne auf. Die werden für uns im Feuer geröstet und schmecken viel besser als in unserer Heimat. Große Überraschung. Mittagessen, nochmal bisschen Arbeiten, Zusammenpacken. Abschlusskreis. Wir singen „Nehmt Abschied, Brüder“ auf deutsch und französisch. Der Abschlusskreis ist heute nach deutscher Sitte – mit Ausdrehen. Das gefällt unseren Gastgeberinnen und Gastgebern so gut, dass wir uns noch ein zweites Mal ausdrehen müssen. Sie sind hellauf begeistert! Dann sitzen wir auch schon wieder im Bus nach Thies und kommen vorher noch an dem Ort „Gott“ vorbei. Wir passieren wieder Müllfelder, Katzen und anderes Getier und kommen dann in der Maison du Prêtre wieder an.

Miniatursahara?

Der Run auf die Duschen wird durch fehlende Schlüssel gehörig ausgebremst. Ist ja auch logisch: keine Schlüssel, keine offene Tür, keine Dusche, keine sauberen Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Das führt zu: schlechter Laune und ist eine doofe Entwicklung. Na ja, irgendwann sind die Schlüssel da! Die Türen fliegen auf. Die Duschen gehen an, gleichzeitig fällt der Wasserdruck rapide ab. So mancher hat Schwierigkeiten, den ganzen Sand in den Abfluss zu spülen und nicht eine Miniatursahara im Zimmer aufzubauen. Danach treffen wir uns um 19.30 Uhr s.Z.(20.30) und marschieren Richtung Restaurant und Abendessen. Der Abend ist schön. Wir unterhalten uns gut und sitzen später noch ein bisschen unter dem Baum in der Maison du Prêtre.

Tag 6: aufstehen, frühstücken – wie gehabt. Am Vormittag reflektieren wir, wie die Begegnungen bisher so waren. Es ist entspannt.
Am Nachmittag nehmen wir an Kreuzwegen teil. In der Nachmittagshitze begeben wir uns mit dem Taxi zum Startpunkt unseres Kreuzweges. Aufgeteilt sind wir auf drei Gemeinden, da unsere Gastgeberinnen und Gastgeber nicht alle aus dem gleichen Stamm kommen.

Kreuzweg begleitet von bunten Farben

Nach einer Stunde beginnt der Kreuzweg, mit Gesang und Schauspiel. Der Kreuzweg bei uns ist szenisch und wird gefilmt und fotografiert. Ein Auto mit sechs Lautsprechern auf dem Dach und einem Stromgenerator, der hinten mit einem Spanngurt an die Sitze gebunden ist, übernimmt die Beschallung. Dummerweise geht das mitgebrachte Funkmikrofon des Priesters nicht, weshalb das Auto jedes Mal, wenn sich der Zelebrant bewegt, mit dem Kabel mitfährt. Vorwärts, rückwärts, etwas seitlich, rückwärts. Wir stehen auf einem sehr großen Platz. Um den Platz herum stehen ca. 2.000 Menschen. Anders als am Karfreitag in Deutschland sind alle bunt angezogen. Die Teilnehmenden haben ihre schicksten Sachen an. Als auf dem Platz das gemeinsame Singen beginnt, fährt es uns durch Mark und Bein. Vierstimmig, kraftvoll, hellfarbig, großartig! Leider macht uns die Hitze zu sehr zu schaffen. Deshalb verlassen wir den Platz mit dem Taxi, nachdem Pilatus seine Hände in Unschuld gewaschen hat.

Die darauffolgende Taxifahrt ist abenteuerlich! Eine abfallende Stufe von ca. einem Meter mit dem Auto runterzufahren, wird nach reiflicher Überlegung, von Seiten des Taxifahrers, zu unserer Erleichterung doch verworfen.
Wenn sich wer über unsere häufigen Taxifahrten wundert: Taxi ist das Verkehrsmittel Nummer zwei nach Bussen im Senegal. Die Fahrt kostet umgerechnet unter einem Euro, was sie auch für Senegalesin und Senegalesen erschwinglich macht. Dann schlafen wir ein bisschen in der Maison, essen gemeinsam zu Abend und beschließen den Tag unter dem Baum, der zu unserem Versammlungspunkt geworden ist.

Lukas Holzwarth

für das Senegal-Team

Tag 1, 2, 3, 4 5/6, 7/8/9, 10 , 11, 12
Exkurs

Impressionen:

 

Kommentar hinterlassen:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

One Response

  1. Tag 7, 8, 9: Wir sind hier nicht zum Spaß, heute ist Feiertag « blog.dpsg.de

    17. Mai 2017: […] 1, 2, 3, 4,  5/6, 7/8/9, 10 , 11, 12 […]