Tag 7, 8, 9: Wir sind hier nicht zum Spaß, heute ist Feiertag

Erschienen am 11. Mai 2017 in Abenteuer Pfadfinden

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Tag 7: Karsamstag

Und ein weiteres Mal kräht der Hahn und ruft der Muezzin: Ein neuer Morgen in Thiès bricht an. Die vielen Raubvögel kreisen unermüdlich über der ganzen Stadt: sandfarben in einer sandfarbenen Umgebung, flach, niedrig, geduckt in die Senke, der sie umgebenden Berge gekuschelt und noch in friedlicher Ruhe – also für senegalesische Verhältnisse. Züge hupen, Hunde bellen, Vögel schreien. Das würde in Deutschland quasi das Ordnungsamt auf den Plan rufen: viel zu laut für diese nachtschlafende Uhrzeit. Wie gesagt, in friedlichster Stille stehen die 16 Roverinnen und Rover und Leitungspersonen auf. Wir frühstücken miteinander an diesem Karsamstag, um dann in den Bus Richtung Joal Fadiout zu steigen: ein Touristenhotspot. Eine Touri-Falle, die aus einigen Inseln besteht, die komplett künstlich aus Muscheln aufgeschichtet sind.

Angekommen am Ort der Muscheln, sticht eins ins Auge: die Sonne. Außerdem die ganzen fliegenden Händler. Es geht über eine Brücke aus Holz so ca. 500 m übers Meer. Es ist ein bisschen wie ein Jump‘n‘Run-Spiel: von vorne kommt ein Eselskarren, von hinten ein Fahrrad, gefolgt von einem Handkarren, der wiederum von einem Motorrad mit aggressiver Hupe verfolgt wird. Von links kommt nichts, wie wunderbar. Ach nee, da ist Geländer, da geht es also auch nicht weiter. Hat man dann als unbedarfter Tourist alles überwunden, achte man noch auf die gelegentliche Löcher in der Brücke und schwupps, schon ist man drüben.

Die Insel, von der niemand zurückkehrt

Über abertausende von Muscheln geht man dann vorbei an vielen Häusern, Menschen hinein in eine große Kirche. In dieser großen Kirche nisten viele Meisen, die sich auch Gehör verschaffen. Das Altarbild zeigt die Insel im Sonnenuntergang, mit anliegenden Mangrovenpflanzen (Mangrovenwälder wäre zuviel des Guten). Im Sonnenuntergang selbst ruht der Tabernakel an der Wand. Klingt kitschig, ist es aber nicht! Nach einer kurzen Unterhaltung mit dem verantwortlichen Pfarrer gehen wir weiter auf die Insel der Toten. Über eine weitere Brücke laufen wir auf das Eiland, auf dem die Toten Fadiouts begraben sind. Wörtlich übersetzt bedeutet der Name der Insel „Die Insel, von der niemand zurückkehrt“. Die Toten, sowohl katholisch als auch muslimisch werden in feierlichen Trauerzügen auf die Muschelinsel geleitet, von wo aus sie nicht mehr zurückkehren. Ein sehr symbolischer Ort für Beerdigungen, und sehr schön gelegen.

Kurzes Jump‘n‘Run zurück und schon sitzen wir wieder im Bus. Dieses Mal fahren wir nach Nianing, wo die Mutter unseres eingeborenen Teamers wohnt. Er selbst wohnt dort, wo es gern mal an Ostern schneit. Dort angekommen gibt es eine warme Begrüßung mit kalten Getränken und nach dieser sehr willkommenen Abkühlung Hühnchen mit Nudeln. Kaum hat man sich so richtig vollgefressen – vorher akzeptiert der Gastgeber ein Ablehnen manchmal nicht so ganz – wird die erste Runde Bier ausgegeben. Wir halten uns aber brav an die Anweisung unserer Teamerinnen und Teamer: „Kein Bier vor Sonnenuntergang im Senegal!!!“. Wir trinken also keins, sondern hüpfen fröhlich, wie die bereits einmal erwähnte Gummibärenbande, durch die Sanddünen und direkt ins kühlende Meer hinein. Einige wenige von uns erteilen unfreiwillig Einsiedlerkrebsen Flugstunden, da die schönen Gehäuse doch nicht so leer sind wie angenommen. Der Schreck beschleunigt so manchen Reflex.

Frisch, entspannt und genauso müde geht es dann wieder mit dem Bus zurück nach Thiès. Abendessen, duschen, umziehen, Kirche. Es ist Osternacht! Beginn 22.00 Uhr, relativ pünktlich, mit Entzündung des Osterfeuers. Im weiteren Verlauf finden eine Taufe, eine Kommunion, eine Firmung und nicht zuletzt eine Hochzeit statt. Nach drei Stunden ist es dann auch schon wieder vorbei. Besondere Erwähnung sollten noch der brillante Kirchenchor finden.

Tag 8: Ostern

Aufstehen, Frühstück essen, Eier suchen. Moment.. Eier suchen? Jip, auch Teamerinnen und Teamer scheinen einmal Langeweile zu haben und färben gerne Eier. Wir suchen auf dem ganzen Hof nach bunten Ostereiern und werden auch überall fündig. Zwei bunte, runde Huhnerzeugnisse werden auf Bäumen gesichtet. Baum eins wird aber von einem klugen Vogel bewohnt. Der Vogel ist ein Fuchs, denn er erkennt schnell, dass sich in seinem Dunstkreis ein Kuckucksei befindet, das er vom Baum werfen will. Sämtliche notfallmäßigen Erklärungsversuche, es handele sich bei dem fraglichen Objekt um kein Kuckucks- sondern ein Hühnerei, schlagen fehl. Der Vogel spricht nur Wolof. Wir Teilnehmerinnen und Teilnehmer finden ein sehr kaputtes Ei.

Wann dürfen wir Bier trinken? – Wenn guter Rat teuer ist

Nach dieser zermürbenden Episode mit dem Wolof-Vogel werden wir von unseren Gastgeberinnen und Gastgebern in Empfang genommen und laufen zu den jeweiligen Domizilen. In meinem Team gibt es nur eine Ansage: „Wir sind hier nicht zum Spaß! Heute ist Feiertag!“ (senegalesisches Sprichwort oder so) Vier Bier vor Acht ist die unumstößliche Ansage. Zwei Welten kollidieren: Die Ansage, die spätestens Roverinnen und Rover in den Stämmen peu a peu kennenlernen („Kein Bier vor vier“), die Ansage unserer Teamerinnen und Teamer zwecks Alkoholkonsum auf der Reise  („Kein Bier vor Sonnenuntergang im Senegal!!!“) gegenüber der Ansage unserer Gastgeberinnen und Gastgeber („Vier Bier vor acht!“). Wir halten uns streng an unsere Ansagen, die wir schon lange kennen und trinken natürlicht nicht… nur eins. Wir hören Musik: AnnenMayKantereit, Alligatoah, Die Ärzte und noch so einiges mehr. Unser Gastgeber ist Deutschlehrer im Senegal und begeistert von deutscher Musik. Schatzi, schenk mir ein Fotoooo… Ablehnen gibt’s nicht. Schenk mir ein Fotoo von diiiiiiiir! Es gibt auch immer wieder was zu essen, das lindert das Leid ein bisschen. Schatzi, lalalala…..

Abends gehen wir alle gemeinsam zu einer Party im Stadion von Thiès, um dort mit weiteren Katholiken das Tanzbein anlässlich des Osterfestes zu schwingen. 300 Leute sind angekündigt. Doch Stadion trifft es nicht ganz: Es ist der Hinterhof des Stadions.  Als wir um zwei Uhr morgens wieder gehen, sind nur wir mit drei weiteren Gästen auf der Tanzfläche.

Tag 9: Ostermontag

Nächster Morgen, nächstes Aufstehen, Morning routine, wie man so schön sagt. Abfahrt mit dem Bus in Richtung des Benediktinerklosters Keur Moussa. Unterwegs kaufen wir nebenbei 100 Liter Wasser und weiter geht’s. Ankunft in Keur Moussa: schnell noch die Kommunion mitgemacht, dann ist der Ostermontagsgottesdienst leider schon vorbei. Wir schauen noch die wirklich sehr schön gestaltete Kirche an und bekommen daraufhin eine Führung von einem Benediktinerbruder durch die Plantage des Klosters. Vorbei an Kumquat, Mango und Orange, die mittels Tröpfchenbewässerung, die hier sehr fortschrittlich ist, glänzend gedeihen. Danach fahren wir ans Meer, wo wir den restlichen Tag sehr entspannt verbringen.

Gegen Abend folgt noch ein kurzer Abstecher an den Lac Rose, der für seine intensive rosa Färbung aufgrund von Salzgehalt, Algen und Wetterverhältnissen in die Liste des UNESCO-Weltnaturerbes aufgenommen wurde. Wir sehen allerdings maximal einen rosa Schimmer. Wie es sonst aussehen sollte wissen wir nicht. Wir verabschieden uns vom Lac Rose und fahren wieder in unsere Heimatstadt auf Zeit: Thiès. Dort gehen wir noch etwas essen und fallen dann sehr zügig ins Bett, unter dem Moskitonetz. Und so lauschen die 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mal wieder der friedlichen Stille der großen Stadt im Senegal.

 

Lukas Holzwarth
für das Senegal-Team

 

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